Yeonmi Park - Mut zur Freiheit. Meine Flucht aus Nordkorea - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Happy End AVIVA_gegen_AFD
Aviva-Berlin > Literatur > Biographien AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   Jüdisches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im November 2017 - Beitrag vom 06.04.2016

Yeonmi Park - Mut zur Freiheit. Meine Flucht aus Nordkorea
Christine Langer

In ihrer Autobiografie dokumentiert die Menschenrechtsaktivistin ihren langen Weg in die Freiheit: Aufgewachsen in Nordkorea, flieht sie mit ihrer Mutter vor der Hungersnot und den Repressalien des diktatorischen Regimes...



.... und landet in den Händen brutaler Menschenhändler_innen in China, bis ihr schließlich die Flucht nach Südkorea gelingt.

In dem im Oktober 2015 im Goldmann Verlag erschienenen Buch mit dem Originaltitel "Order to Live: A North Korean Girl´s Journey to Freedom" reflektiert die Autorin ihre Lebensgeschichte mit gerade einmal 21 Jahren. Heute lebt und studiert sie in den USA.

Im März 2016 erregte die Verurteilung eines Touristen aus den USA zu 15 Jahren Arbeitslager internationale Aufmerksamkeit. Der Student wird beschuldigt, ein Plakat mit politischer Aufschrift aus einem Hotel gestohlen zu haben.

"Für zwei Dinge bin ich zutiefst dankbar: dass ich in Nordkorea geboren wurde und dass ich aus Nordkorea geflüchtet bin."

Während die Verhaftung von ausländischen Tourist_innen sowie Atomwaffenprogramme und Raketentests in "westlichen" Medien Schlagzeilen machen, werden die tagtäglichen Menschrechtsverletzungen in Nordkorea kaum thematisiert. Yeonmi Park hingegen erzählt authentisch darüber, wie es ist, in dem patriarchalen und von der Außenwelt abgeschotteten Nordkorea aufzuwachsen und prangert auch die chinesische Flüchtlingspolitik an.

Nordkorea: Propaganda und Misstrauen

In den ersten elf Kapiteln beschreibt die heutige Menschenrechtaktivistin ihre Kindheit in der nordkoreanischen Stadt Hyesan. Neben wenigen glücklichen Momenten bestimmen traumatische Erlebnisse von Hunger und Tod den Alltag Mitte der 1990er Jahre. Anhand der Erzählung ihrer Familiengeschichte gibt die Autorin Einblicke in gesellschaftliche und politische Strukturen Nordkoreas und schildert, wie Propaganda und staatliche Überwachung alle Lebensbereiche durchdringen, vergleichbar mit dem von George Orwell beschriebenen Szenario in "1984".

Ein nordkoreanisches Sprichwort, "Selbst Vögel und Mäuse können dich flüstern hören", das Yeonmi als kleines Mädchen eingetrichtert wurde, ist bezeichnend für die Atmosphäre des Misstrauens und des gegenseitigen Ausspionierens in einem Land, in dem Familienbande und Parteiloyalität über alles im Leben entscheiden.
Als die Familie zu verhungern droht, beschließen die 13-Jährige Yeonmi und ihre Mutter im Jahr 2007, der älteren Schwester Eunmi zu folgen und flüchten mit der Hilfe von Schmuggler_innen über den Yalu-Fluss nach China.

Menschenhandel und Demütigungen

"Dies ist die Geschichte der Entscheidungen, die ich traf um zu überleben."
Nach ihrer Flucht wurden Yeonmi und ihre Mutter von skrupellosen Menschenhändler_innen weiterverkauft und gerieten in einen Kreislauf von Gewalt, Prostitution und Ausbeutung mit dem einzigen Ziel irgendwie zu überleben. Da nordkoreanische Flüchtlinge in China als "illegale Wirtschaftsmigrant_innen" gelten und nicht als politische Verfolgte anerkannt werden, leben sie unter der ständigen Angst, verraten oder von den chinesischen Behörden nach Nordkorea abgeschoben zu werden, was ihre Hinrichtung bedeuten würde. Nach zwei Jahren gelang beiden Frauen die Flucht durch die Wüste Gobi in eine südkoreanische Botschaft in der Mongolei und dann weiter nach Südkorea.

Yeonmi Park hat über ihre Zeit in China bis zur Veröffentlichung ihrer Lebensgeschichte geschwiegen. Es war zu schmerzhaft für sie, über diese Zeit zu sprechen und sie hatte Angst, stigmatisiert zu werden. Oft vermittelt die Autorin das Gefühl, sich für ihre Vergangenheit rechtfertigen zu müssen.

Neuanfang in Südkorea

Nach tagelanger Befragung durch den Geheimdienst und einem dreimonatigen Aufenthalt im Eingliederungszentrum Hanawon, wo nordkoreanische Flüchtlinge auf das Leben im kapitalistischen Südkorea vorbereitet werden, begann Yeonmis neues Leben in Südkorea. Sie schaffte entgegen aller Erwartungen ihren Schulabschluss und begann an der Dongguk University in Seoul Polizeimanagement zu studieren.

Von der stigmatisierten Geflüchteten zur Menschenrechtsaktivistin

Heute setzt sich Yeonmi Park dafür ein, weltweit auf die Situation der nordkoreanischen Bevölkerung aufmerksam zu machen. In zahlreichen Interviews, unter anderem mit der Süddeutschen Zeitung, berichtet sie über die Unmenschlichkeit der diktatorischen Regierung von Kim Jong Un. 2014 schrieb sie einen Kommentar für die Washington Post. Trotz Drohungen des nordkoreanischen Regimes tritt sie bei Menschenrechts-Konferenzen auf, wie beim "Oslo Freedom Forum" (2014) "One Young World"-Gipfel in Dublin (2014) und in Bangkok (2015), wo sie "westliche" Länder dafür kritisierte, sich über den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un lustig zu machen, anstatt etwas gegen die Menschenrechtsverbrechen zu unternehmen. Der Diktator Kim Jong Un wird auf zahlreichen Blogs wie Kim Jong Un Looking at Things als lächerliche Witzfigur dargestellt.

Auch andere nordkoreanische Menschenrechtsaktivist_innen erheben zunehmend ihre Stimme. Im Juli 2015 ist die Autobiografie der ebenfalls aus der nordkoreanischen Stadt Hyesan geflüchteten Hyeonseo Lee mit dem Titel "Schwarze Magnolie: Wie ich aus Nordkorea entkam. Ein Bericht aus der Hölle" (Originaltitel: "The Girl With Seven Names") erschienen.

AVIVA-Tipp: "Mut zur Freiheit" ist ein wichtiges Buch, das auch Leser_innen ohne Kenntnisse über die politischen Strukturen Nordkoreas Einblicke in das Alltagsleben der sozialistischen Diktatur, die chinesische Flüchtlingspolitik als auch den Umgang mit nordkoreanischen Immigrant_innen in Südkorea ermöglicht.

Zur Autorin: Yeonmi Park, geboren 1993 in Nordkorea, lebt heute in New York, studiert an der Columbia University und setzt sich für Menschenrechte in Nordkorea ein. Weltweit bekannt wurde sie bereits vor dem Erscheinen ihrer Autobiografie durch ihre Reden beim "One Young World"-Gipfel in Dublin und beim "Oslo Freedom Forum" 2014 sowie bei "TEDx" in Bath.
Weitere Informationen zu Yeonmi Park unter:
www.facebook.com/OfficialYeonmiPark, twitter.com/yeonmiparknk und tedxtalks.ted.com

Yeonmi Park
Mut zur Freiheit. Meine Flucht aus Nordkorea

Originaltitel: In Order to Live: A North Korean Girl´s Journey to Freedom
Aus dem Englischen von pociao, Sabine Herting und Jörg Ingwersen
Goldmann, erschienen Oktober 2015
Hardcover, 320 Seiten
ISBN: 978-3-442-31418-8
www.randomhouse.de

Mehr Informationen zu Menschenrechten und Nordkorea unter:
www.amnesty.org



Literatur > Biographien Beitrag vom 06.04.2016 AVIVA-Redaktion 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken