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AVIVA-BERLIN.de im Februar 2018 - Beitrag vom 06.02.2018

European Maccabi Games Berlin - Europas größtes jüdisches Sportfest. Eine Dokumentation
Sharon Adler

2.100 TeilnehmerInnen aus 38 Ländern, über 180 Wettkämpfe in 19 Sportarten in nur sieben Turniertagen. Mit den European Maccabi Games im Jahr 2015 kam die größte jüdische Veranstaltung Europas erstmals nach Deutschland, in den Berliner Olympiapark – genau 70 Jahre nach Ende des Holocausts. Für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland und darüber hinaus war das Sportfest Ausdruck...



... eines neuen jüdischen Selbstbewusstseins und Selbstverständnisses.

Der vorliegende Band versammelt in Fotos und Text Impressionen, macht die Eindrücke, Emotionen und Dimensionen dieses Ereignisses sichtbar.

"Wo Hitler sein ´Deutschland, Deutschland über alles´ brüllte, singen wir heute die HaTikwa. Wo die Nazis von einem ´judenfreien´ Europa träumten, lassen wir unseren jüdischen Traum Wirklichkeit werden." (Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, zur Eröffnungszeremonie am 28. Juli 2015, in der Waldbühne, Berlin)

In seinem Grußwort zur Dokumentation schildern Alon Meyer, Präsident Makkabi Deutschland, und Oren Osterer, Direktor des Organisationskomitees, die größten Herausforderungen zu Beginn der Planungen, denn die Games entstanden zunächst in einem Zweizimmer-Büro am Spreeufer in Berlin-Kreuzberg mit nur drei hauptamtlichen MitarbeiterInnen:

"Auch mehr als zwei Jahre nach den European Maccabi Games ist für MAKKABI Deutschland und alle handelnden Akteure nicht wirklich zu begreifen, wie es gelingen konnte, die größte Sportveranstaltung Deutschlands unter den damals gegebenen Bedingungen aufzuziehen. (…) Die Vorbereitungszeit betrug weniger als 18 Monate. (...)"

"Makkabi Chai – Makkabi lebt!"

"Dass die European Maccabi Games Berlin zum ersten Mal auf deutschem Boden stattfinden, freut mich sehr und berührt mich gleichzeitig. Die Geschichte Berlins unterstreicht dieses Ereignis auf eine einzigartige Weise." (Sportpatin Sarah Poewe, Brustschwimmolympionikin. Die Sportlerin südafrikanisch-deutscher Nationalität ist 17fache Deutsche Meisterin und hält drei Europarekorde sowie neun Deutsche Rekorde. Sie ist die erste Jüdin, die nach 1936 eine Olympiamedaille für Deutschland holte.

Bewegend ist auch die im Band enthaltene Rede der Holocaust-Überlebenden Margot Friedlander. Geboren 1921 in Berlin, erlebte sie die Deportation ihrer Mutter und ihres jüngeren Bruders, die beide 1943 in Auschwitz ermordet wurden. Margot Friedlander überlebte bis zu ihrer Deportation nach Theresienstadt Verfolgung und Krieg fünfzehn Monate lang im Untergrund in Berlin. Ihre Erinnerungen erschienen 2008 bei rowohlt Berlin unter dem Titel "Versuche, dein Leben zu machen. Als Jüdin versteckt in Berlin". 1946 emigrierte sie in die USA, lebte und arbeitete jahrzehntelang in New York, und heute, seit 2010, ist sie zurück in Berlin. In ihrer Rede wies sie auf "ein Neues Deutschland" hin, sie ermutigte die TeilnehmerInnen, nach Deutschland zu kommen, und bat auch darum, die Erinnerung an die Toten während der Spiele wachzuhalten:

"Und ich möchte euch bitten, eure Teilnahme an dieser Makkabiade mit dem Gedenken an meinen Bruder Ralph und all die anderen Athletinnen und Athleten, die nicht überlebt haben, zu verbinden. (...) Diese Makkabiade soll der Welt zeigen, dass wir hier sind und dass wir gewinnen, aber natürlich auch verlieren können. Der Geist dieser Makkabiade steht für Toleranz, Offenheit gegenüber der Welt und für ein friedliches Miteinander.
Und es gibt keinen besseren Platz, um diese Botschaft in die Welt zu tragen, als von hier – 70 Jahre nach dem Krieg."


In jedem veröffentlichtem Foto der in der nun vorliegenden Dokumentation ist eben dieser Geist sichtbar, die Leidenschaft und das Engagement, die Begeisterung der SportlerInnen. Die Aufnahmen stammen von einem elfköpfigen Foto-Team. Eine von ihnen ist die Fotografin Jessica Brauner:

"Für mich als ehemaliges Makkabikind, Fotografin und Berliner Jüdin in vierter Generation gab es kein Zögern: Ich wollte die Spiele von der ersten bis zur letzten Minute fotografisch dokumentieren, denn Bilder halten Erinnerungen lebendig."

Der Initiative von Jessica Brauner ist es auch zu verdanken, dass die EMG 2015 nun auch als Buch vorliegt, erschienen im Hentrich & Hentrich Verlag Berlin. Das Ergebnis harter Arbeit ist sehenswert: Großartige professionelle Sportfotos – entstanden unter teils schwierigen fotografischen Lichtbedingungen und unter Einsatz ungewöhnlicher Perspektiven - fangen die sportlichen Wettkämpfe ebenso spürbar ein wie die familiäre Atmosphäre des größten jüdischen Sportfests.

"Damals" und "Heute"

Die sportlichen Wettkämpfe fanden fast alle im Berliner Olympiapark statt – dem Ort, an dem die Olympiade 1936 unter Naziherrschaft und unter Ausschluss der jüdischen SportlerInnen ausgetragen wurde.

Den in den 1920er Jahren erfolgreichen und gefeierten jüdischen Sportlerinnen wie Lilli Henoch, Gretel Bergmann und Marta Jacob wurde es durch die Einführung des sogenannten "Arierparagraphen" ab 1933 nicht mehr gestattetet, aktiv am Vereinsleben in nichtjüdischen Sportvereinen teilzunehmen und sie wurden zum Austritt gezwungen. Die jüdische Bevölkerung konnte sich nun nur noch in rein jüdischen Sportvereinen darunter vor allem "Makkabi" engagieren.

Gretel Bergmann emigrierte nach Erlass dieses Gesetzes nach Großbritannien. Ihre Geschichte veranschaulicht besonders gut die perfiden Machenschaften der Nazis im Rahmen der Olympischen Spiele 1936. Gretel Bergmann kehrte nach Deutschland zurück, um sich für einen Start im deutschen Olympiateam vorzubereiten. Kurz vor Beginn der Spiele wurde ihr dann allerdings als Volljüdin die Teilnahme im deutschen Olympiateam verweigert. Nach dieser Demütigung wanderte sie 1937 endgültig in die USA aus.

Aufgrund ihrer Flucht ins Exil überlebten Martha Jacob und Gretel Bergmann den Holocaust. Lilli Henoch dagegen blieb in Berlin und unterrichtete Sport an der jüdischen Volksschule in der Rykestraße. Sie wurde 1942 deportiert und ermordet. Die Schicksale von Martha Jacob, Gretel Bergmann und Lilli Henoch erinnern stellvertretend an diesen fast vergessenen Teil deutscher Geschichte.

Die 1921 bei dem 21. Zionistischen Kongress in Karlsbad, Tchechoslowakei als Makkabi-Weltverband (Maccabi World Union) gegründete Maccabiah ist die größte internationale jüdische Sportveranstaltung und die drittgrößte Sportveranstaltung der Welt – nach den Olympischen und Paralympischen Spielen. Dass die Durchführung der Maccabiah keine Selbstverständlichkeit, kein vergleichbares Großevent ist, beweisen auch die beinahe täglichen Übergriffe auf jüdische Kinder, die beschimpft werden, die mitten in Berlin brennende Israel-Fahne. Der Hass auf Juden und Israelis zeigt sich vielerorts in Deutschland – ob auf Schulhöfen, auf Sportplätzen oder in Restaurants.

Das "European Maccabi Games Berlin - Europas größtes jüdisches Sportfest" brachte 2.100 TeilnehmerInnen aus 38 Ländern zusammen. Bestritten wurden insgesamt über 180 Wettkämpfe in 19 Sportarten in nur sieben Turniertagen. Ein unglaublicher Kraftakt, der nur durch die Unterstützung unzähliger HelferInnen und SponsorInnen zustande kommen konnte.

AVIVA-Tipp: Die Dokumentation "European Maccabi Games Berlin - Europas größtes jüdisches Sportfest" ist eine schöne Erinnerung an alle ZuschauerInnen, und ein großes Dankeschön an die mehr als 300 ehrenamtlichen HelferInnen hinter den Kulissen, die bei den EMG 2015 fast rund um die Uhr für das Gelingen des Sportfests gearbeitet haben. Aber auch die LeserInnen, die nicht dabei sein konnten, erfahren viel Wissenswertes über die Geschichte und Ziele der Makkabiade, der SportlerInnen und Sportarten und den "Spirit" der European Maccabi Games Berlin 2015.

European Maccabi Games Berlin - Europas größtes jüdisches Sportfest
Eine Dokumentation
MAKKABI Deutschland e.V. (Hg.)

Hentrich & Hentrich Verlag Berlin, erschienen im Januar 2018
Sprache: Deutsch, Englisch
160 Seiten, Hardcover, 212 Abbildungen
ISBN: 978-3-95565-243-2
29,90 €
Mit Beiträgen u.a. von: Margot Friedländer, Manfred Lämmer, Marcel Reif
SportpatInnen: Sabine Auken, Frank Bachmann, Jérôme Boateng, Martin Häner, Nicolas Limbach, Arkadij Naiditsch, Dimitrij Ovtcharov, Sarah Poewe, Pascal Roller, Marc Zwiebler
Mit Fotos von: Nikolaus Becker, Lothar Bladt, Jessica Brauner, Petra & Wilfried Chruscz, Selin Esterkin, William Glucroft, Nadine Harms, Francisca Pérez y Pérez, Benyamin Reich, Ronit Tayar

Mehr Infos zum Buch und Bestellen unter: www.hentrichhentrich.de

Mehr Infos:

Makkabi Deutschland e.V. Jüdischer Turn- und Sportverband Deutschland
makkabi.de und www.facebook.com/MakkabiDeutschland

TUS MAKKABI - BERLIN e.V.:
www.tus-makkabi.de

Detaillierte Informationen zur Maccabiah 2017 auf:
www.maccabiah.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

14. European Maccabi Games vom 27. Juli – 5. August 2015 in Berlin
Europameisterschaften des jüdischen Sports erstmals in ihrer Geschichte in Deutschland. 70 Jahre nach Ende der Shoah, 50 Jahre nach der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland sowie 50 Jahre nach der Wiedergründung von Makkabi Deutschland als Dachverband des jüdischen Sports in Deutschland wird Berlin vom 27. Juli bis zum 5. August erstmals Gastgeber der Spiele.

Berno Bahro, Jutta Braun, H.-J. Teichler - Vergessene Rekorde. Jüdische Leichtathletinnen vor und nach 1933

Berlin `36 - Das Buch zum Film



Quellen: Hentrich & Hentrich Verlag Berlin, Makkabi Deutschland e.V., AVIVA-Berlin

Literatur > Jüdisches Leben Beitrag vom 06.02.2018 Sharon Adler 

   




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