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AVIVA-BERLIN.de im April 2018 - Beitrag vom 11.12.2017

Lisa Owens - Not Working, Roman.
Helga Egetenmeier

Wenn der erste Job nicht das ist, was frau sich für ihr langes Arbeitsleben wünscht, dann kündigt sie, idealerweise, und begibt sich auf die Suche nach ihrem Traumjob. In dieser Phase treffen wir auf Claire, der Protagonistin in Lisa Owens Roman.



Wie ihre zukünftige Arbeit aussehen soll, weiß sie nicht. Aber in einem ist sie sich sicher, sie will diese Situation nicht mit Küche und Kind beenden.
Die Ich-Erzählerin, etwas jünger als die Autorin, will sich Zeit nehmen, um über ihre Zukunft klar zu werden. Mit trockenem britischen Humor geschrieben, lässt Lisa Owens ihre Protagonistin beschreiben, wie sie ihren Weg sucht, aber nicht findet. Dazu stellt sie ihr einen vor Verständnis fast unmenschlich erscheinenden Freund an die Seite, den angehenden Hirnchirurgen Luke, mit dem sie in London ein Haus gekauft hat.

Auf der Suche nach dem Traumjob

"Ich dachte immer, das Problem sei, dass ich meinen Job nicht mag: aber inzwischen sehe ich ein, das Problem ist, dass das nicht das ganze Problem war." Eigentlich möchte Claire bei der Suche nach ihrem Traumjob gut gelaunt vorankommen. Schließlich hat sie eine vorzeigbare Ausbildung und in ihrem ehemaligen Job war sie gut genug bezahlt, um sich diese Auszeit zu leisten. Doch nun steckt sie in dieser Wahlfreiheit fest und zögert bereits bei der Entscheidung, eine Bewerbung zu schreiben.

Konsequent stellt Lisa Owens den Rhythmus der Arbeitswelt in den Mittelpunkt und macht damit aus dem langwierigen Thema "Traumjobsuche" ein in weiten Teilen unterhaltsames Buch. Claire kreist dabei weniger um ihre quälende Suche, als um die Arbeitszeiten ihres Freundes, ihrer Freund*innen und Familie. Denn in deren Leben spiegelt sich ihre lohnarbeitsfreie Zeit wie eine unendliche Freiheit wieder, die sie zunehmend als Zwang empfindet.

Küche und Kind oder Arbeit

Claire ist durchaus tough und widerspenstig und in den kurz gehaltenen Kapiteln verteidigt sie immer wieder aufs Neue ihren Entschluss, vorerst keiner bezahlten Arbeit nachzugehen. Die neugierigen Nachfragen zum Stand ihrer Jobsuche, anfangs noch freundlich, werden im Laufe der Zeit bedrängender und lästiger. Und immer wieder kommt die Andeutung: "Willst du vielleicht doch Ehefrau und Mutter werden?"

Zwischendurch trinkt Claire gerne mal einen Schluck zu viel, kocht nicht gern und überlässt die Hausarbeit eher dem Zufall. Wie im Kontrast dazu bleibt die Erzählung einem modern-konservativen Paarbild verhaftet. So steht ihr, der Ziellosen, der angehende Hirnchirurg - was für ein eigenwilliges Bild für verständnisvoll - gegenüber, der ihre Krisen geduldig auffängt. Diese Begrenzung der Protagonistin zieht sich durch den Roman, denn im Gegensatz zu Zadie Smith "London NW" gönnt Lisa Owens ihrer Claire in dieser großen Stadt der Subkulturen nur eine enge bürgerliche Weltsicht.

Kein Ratgeber, eher ein Groschenroman

So ist der Roman alles andere als ein Ratgeber für Menschen, die auf der Suche nach ihrem Traumjob oder alternativen Arbeitsmodellen sind. Die verständnisvolle Zweisamkeit klingt manchmal wie ein moderner Groschenroman, in dem die Frau ihren Traumprinzen bekommt, jedoch nicht ihren Traumjob. Dass das vielfältige urbane London mit seinen alternativen Lebensstilen für Claire keine Antwort auf ihre Suche bieten kann, irritiert zwar, erscheint aber bei der ihr zugeschriebenen Begrenzung, ihr Glück in einer bürgerlichen Welt finden zu müssen, nachvollziehbar.

AVIVA-Tipp: Lisa Owens hat einen Alltag ohne Job in flott lesbare Sätze gepackt, die sie von einer zufriedenen Hauptfigur humorvoll erzählen lässt. Deren guter Vorsatz, ihren Traumberuf zu finden, anstatt am Herd zu enden, bleibt jedoch in ihrer ausweglosen Verhaftung in der Bürgerlichkeit stecken und nimmt damit auch der Geschichte ihre Fahrt. Dem angenehm konsequenten Bezug auf die Arbeitswelt hätte jedoch eine über dessen Bedeutung nachdenkende Hauptfigur gut getan.

Zur Autorin: Lisa Owens, geboren 1985, wuchs in Glasgow und Hertfordshire auf und besuchte das Emmanuel College in Cambridge. Sechs Jahre arbeitete sie in Literaturagenturen und Verlagen bis ihr Debütroman erschien und lebt mit Mann und Kind in London.

Zur Übersetzerin: Brigitte Jakobeit, geboren 1955, lebt in Hamburg und übersetzt seit 1990 englischsprachige Literatur für Erwachsene und Jugendliche, darunter die Autobiografie von Miles Davis und die Bücher von Patti Smith und Audrey Niffenegger.

Zur Übersetzerin: Karen Witthuhn studierte an der University of Bristol, wo sie mit einem BA in Drama, Theater, Film & Television abschloss. Heute ist sie als Literaturübersetzerin ein Teil von Transfiction, einem Zusammenschluss von drei Übersetzerinnen mit Büros in Berlin und Hamburg.
www.transfiction.eu

Lisa Owens
Not Working

Übersetzerinnen: Brigitte Jakobeit, Karen Witthuhn
Piper Taschenbuch Verlag, erschienen Juni 2017
Taschenbuch, 288 Seiten
ISBN-13: 978-3492310789
10,00 Euro
www.piper.de

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Literatur > Romane + Belletristik Beitrag vom 11.12.2017 Helga Egetenmeier 

   




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