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AVIVA-BERLIN.de im April 2018 - Beitrag vom 21.12.2017

Olga Grjasnowa - Gott ist nicht schüchtern
Isabel Rohner

Nach "Der Russe ist einer, der Birken liebt" und "Die juristische Unschärfe einer Ehe" folgt Olga Grjasnowas neuer Roman, der vom Leben vor und nach der Flucht aus Syrien erzählt. Die syrische Schauspielerin Amal liebt ihr privilegiertes Leben in Damaskus. Das Regime von Assad jedoch sieht sie kritisch, nimmt an Demonstrationen teil und landet – trotz Schutz durch…



...ihren reichen und regimetreuen Vater – für mehrere Tage in einem der berüchtigten Foltergefängnisse. Gemeinsam mit ihrem Freund Youssef entscheidet sie sich zur Flucht über das Mittelmeer.

Der junge Arzt Hammoudi wiederum hat jahrelang in Paris gelebt, dort studiert und hat 2011 eine Zusage einer renommierten französischen Klinik in der Tasche, als er nach Damaskus fährt. Eigentlich will er nur seinen Pass verlängern und seine Familie besuchen, doch es kommt anders: Die Behörden Assads verweigern ihm gültige Papiere und lassen ihn nicht mehr ausreisen. Als der Krieg ausbricht, unterstützt Hammoudi die Rebellen als Arzt und Chirurg. Doch als der Daesh eine Fatwa gegen ihn ausspricht, entscheidet auch er sich zur Flucht. Sein Weg wird ihn über die Balkanroute führen.

Gott ist nicht schüchtern – aber spröde

Olga Grjasnowa nimmt in ihrem Roman ein politisch und gesellschaftlich hoch aktuelles Thema in den Blick. Die Geschichten von Amal und Hammoudi erzählt sie in abwechselnden, kurzen Kapiteln. Schwerpunkt des Romans ist die Beschreibung des Lebens in Damaskus vor und während des Kriegs. Es gehört dabei zu Gjasnowas Eigenarten, dass sie Details dem großen Bogen vorzieht. Ein Stilmittel, das Gefahren birgt. Und so bleibt denn auch ihre Hauptfigur, Hobbyköchin Amal, hinter der detaillierten Schilderung von Gewürzen und Gerichten seltsam schemenhaft. Ihre Familiengeschichte wirkt allzu konstruiert – es stellt sich heraus, dass ihr reicher liberaler Vater seine konservative Seite bei einer Zweitfamilie auslebt –, das sprunghafte Erzählen der Autorin macht Amals Entwicklung und Handlungshintergründe vor allem im letzten Drittel und zum Schluss schwer nachvollziehbar.

Besser gelingt Grjasnowa die Schilderung von Hammoudi, dessen Figur tatsächlich zur Persönlichkeit wird. Doch auch hier bleiben im letzten Drittel zu viele Fragen offen: Warum bleibt Hammoudi in Deutschland, wo er zum Nichtstun verdammt ist – anstatt nach Paris zu gehen, wo er jahrelang ein soziales Netz hatte und aufgrund seiner Referenzen eine Zukunft als Arzt auf ihn warten würde? Es scheint fast so, als hätte nicht nur die Figur seinen französischen Hochschulabschluss vergessen, sondern vor allem die Autorin.

AVIVA-Tipp: So wichtig das Thema des Romans und so politisch engagiert die Autorin ist: Auch sprachlich hätte ich mir an vielen Stellen mehr Nuancen gewünscht. Die kurzen Sätze wirken spröde und bleiben allzu häufig oberflächlich. Allein in den ersten zwei Sätzen des Buches verwendet sie dreimal dasselbe Verb. Und so bestechend der gewählte Titel ist: Warum Gott nicht (auch) schüchtern sein soll, bleibt ebenfalls im Nebel.

Zur Autorin: Olga Grjasnowa, geboren 1984 in Baku, kam elfjährig als jüdischer Kontingentflüchtling nach Deutschland. Flucht und Vertreibung waren von Geburt an Teil ihrer Biografie: "Als der Zweite Weltkrieg ausgebrochen ist und die Nazis immer näher rückten, wohnte meine Großmutter damals noch in Weißrussland, in einer großen jüdischen Familie. Mit dem Fortschreiten des Kriegs und dem Angreifen der Nazis, musste sie fliehen, alleine mit ihrem neunjährigen Bruder. Sie mussten eine Strecke von über 2500 Kilometern zurücklegen, von Weißrussland nach Aserbaidschan, bis sie Sicherheit gefunden haben… Die Geschichten habe ich immer wieder erzählt bekommen, schon als kleines Mädchen."
Für ihren vielbeachteten Debütroman "Der Russe ist einer, der Birken liebt" wurde Olga Grjasnowa mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt erschien 2014 "Die juristische Unschärfe einer Ehe". Beide Romane wurden für die Bühne dramatisiert. Olga Grjasnowa lebt nach längeren Auslandsaufenthalten in Polen, Russland, Israel und der Türkei heute mit ihrer Familie in Berlin.

Olga Grjasnowa
Gott ist nicht schüchtern

Aufbau Verlag, erschienen 2017
Hardcover mit Schutzumschlag, 309 Seiten
978-3-351-03665-2
22,00 Euro
Mehr Infos: www.aufbau-verlag.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Olga Grjasnowa - Die juristische Unschärfe einer Ehe
Das Spröde und Sperrige des Titels täuscht: Erzählt wird eine rasante Dreiecksgeschichte, die scheinbar mühelos alle Grenzen hinter sich lässt, darunter auch die zwischen hetero-, homo- und bisexuell. (2014)

Interview mit Olga Grjasnowa (2012, anlässlich der israelisch-deutschen Literaturtage)
AVIVA-Berlin sprach mit der in diesem Frühjahr viel beachteten und hoch gefeierten jungen Debütantin über ihren Roman und über gesellschaftspolitische Fragen, die sie um- und antreiben.

Literatur > Romane + Belletristik Beitrag vom 21.12.2017 AVIVA-Redaktion 

   




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