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AVIVA-BERLIN.de im November 2017 - Beitrag vom 30.06.2010

Annemarie Schwarzenbach - Orientreisen. Reportagen aus der Fremde. Zum 75. Geburtstag von Annemarie Schwarzenbach am 15. November 2017
Angelina Boczek

Ein schmales Buch mit einer Auswahl aussagekräftiger Texte, die nicht nur das fremde Außen schildern, sondern auch Einblicke gestatten in den emotionalen Zustand der Autorin, die besessen war vom Reisen und vom Schreiben.



"Wirklich, ich lebe nur wenn ich schreibe" (Tagebuchnotiz von 1939).

"´Unser Leben gleicht der Reise´... und so scheint mir die Reise weniger ein Abenteuer und Ausflug in ungewöhnliche Bereiche zu sein, als vielmehr ein konzentriertes Abbild unserer Existenz". Dieses Zitat von Annemarie Schwarzenbach ist dem Buch vorangestellt und lässt anklingen, dass es der Autorin weder um ethnographische Berichte bei ihren "Reportagen aus der Fremde" noch um klassische Reisereportagen ging.

Es handelt es sich bei den Beiträgen, die vom Herausgeber nicht chronologisch sondern topographisch angeordnet sind, um gut beobachtete Schilderungen von Landschaften, Menschen, politischen und sozialen Zuständen, von historischen und aktuellen Fakten in einer Mischform von "Berichten und Reportagen bis hin zu selbstreflexiven oder dezidiert erzählerisch angelegten oder auch poetischen Texten". Die "besondere Wahrnehmung" der Annemarie Schwarzenbach zeigt sich in der Sprache, die hier und da auch die "krisenhaften Befindlichkeiten" der Autorin durchscheinen lassen.

Die Titel der für dieses Buch ausgewählten Reportagen lauten unter anderem: Neben dem Orient-Expreß, Therapia, Ausflug nach Damaskus, Schrecken orientalischer Landstraßen, Niemandsland – zwischen Persien und Afghanistan, Turkestan, vergessene Tage, Die Frauen Afghanistans, Welt-Landschaft. Annemarie Schwarzenbach war begeisterte Autofahrerin und ließ sich nicht abschrecken von unwegsamen Gebieten. Recht bald illustrierte sie ihre Reiseberichte durch eigene Fotos, von denen auch in diesem Buch einige zu sehen sind.

Annemarie Schwarzenbach, das Kind überaus wohlhabender Schweizer Eltern, wurde 1908 geboren. Das Verhältnis zur Familie war ihr Leben lang konfliktreich, nicht zuletzt deshalb, weil sie früh bekannt machte, dass sie Frauen liebte. Sie studierte Philosophie, Geschichte und Germanistik in Zürich und Paris und promovierte 1931. Erste literarische Veröffentlichungen der jungen Frau erschienen bereits 1924.

Die Begegnung mit Klaus und Erika Mann wurde für Annemarie richtungsweisend. Zwar verreisten die drei nicht, wie 1932 geplant, gemeinsam in den Orient, blieben aber in ständiger Verbindung durch Briefe und andere kleinere Reisen. In jenem Jahr 1932 hielt sie sich in Berlin auf und "nimmt… erstmals Drogen (Morphium), sie bleibt trotz zahlreicher Entziehungskuren zeitlebens abhängig."

Publizistisch wie finanziell engagierte sie sich an antifaschistischen Projekten gegen den Nationalsozialismus in Deutschland, machte gleichzeitig Reisepläne und brach 1933 zu einer größeren Reise auf, die sie durch die Türkei und Anatolien, über Syrien, den Libanon, Palästina, Irak zum Ziel nach Persien führte.
Weitere Reisen folgten, die sie allein oder mit GefährtInnen unternahm und die sie in Artikeln und Büchern publizistisch verwertete. Schwerwiegende Konflikte hatte sie mit ihrer Familie, die nachweislich durch Annemaries lesbische Lebensweise, ihre antifaschistische Haltung und sicher auch durch ihren Drogenkonsums resultierten. Mehrfache Suizidversuche sind belegt. Glücklos, wenngleich oft stürmisch, blieben auch ihre Frauenbeziehungen. Die Heirat und Ehe mit dem französischen Diplomaten Clarac bestand nur auf dem Papier, Schwarzenbach und Clarac waren aber freundschaftlich miteinander verbunden.

Annemarie Schwarzenbach bereiste aber nicht nur den Orient. Abgesehen von Reisen durch ganz Europa und in die Sowjetunion startete sie 1940 zu einer Tour durch die USA, wo sie die charismatische Schriftstellerin Carson McCullers kennen lernte. 1942 hielt sich Schwarzenbach in Afrika (Belgisch-Kongo und Marokko) auf.
Nach der Rückkehr in die Schweiz erlitt sie einen Fahrradunfall und starb am 15. November 1942.

AVIVA-Tipp: Wer dem Leben, Leiden, den Reisen der Annemarie Schwarzenbach nachspüren will, sollte mit diesem Band beginnen.

Zum Herausgeber: Walter Fähnders ist seit langem Schwarzenbachforscher und –kenner sowie Mitherausgeber des Sammelbands "Annemarie Schwarzenbach. Analysen und Erstdrucke" (2005). In seinem ausführlichen Nachwort begründet Fähnders die Auswahlkriterien für diese Texte, zeigt die literaturhistorische Bedeutung der Autorin für die Moderne und macht uns bekannt mit biographischen Details.

Annemarie Schwarzenbach
Orientreisen. Reportagen aus der Fremde

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Walter Fähnders
Ausstattung: Fadengeheftet, Einband: Halbleinen
Format: 12 x 19 cm
Seiten: 144 Seiten
ebersbach & simon, Reihe: blue notes 69
3. unveränderte Auflage. Erscheinungstermin: 14. September 2017
ISBN: 978-3-86915-150-2
Mehr Infos und Bestellen unter: www.ebersbach-simon.de

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Literatur > Romane + Belletristik Beitrag vom 30.06.2010 Angelina Boczek 

   




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