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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 04.10.2017

Laurie Penny - Bitch Doktrin. Gender, Macht und Sehnsucht
Silvy Pommerenke

Die britische Journalistin, Autorin, Bloggerin und Aktivistin Laurie Penny ist zurzeit wohl die wichtigste Stimme im Kampf gegen Sexismus und für den Feminismus. Eine wortgewaltige Stimme, die neben harten Fakten vor allem mit Humor und klugen Provokationen punktet.



Gleich in der Einleitung zur "Bitch-Doktrin" rechnet Laurie Penny mit dem zum weißen Nationalismus und zur chauvinistischer Gewalt aufrufenden US-Präsidenten Donald Trump ab, den sie treffender Weise als " personifizierte schlipstragende Erektion" bezeichnet. Das ist genau die Laurie-Penny-Ausdrucksweise, für die sie bekannt ist und mit der ihr weltweite Aufmerksamkeit zuteilwurde. Mit ihren provokanten Äußerungen sticht sie so manches Mal in ein Wespennest und löst massive Protestwellen, aber auch Wellen des Zuspruchs aus.

Ihr Leitmotto: "Informieren, inspirieren, infizieren". Und das gelingt ihr mit jeder Zeile, mit jedem Satz. Das Erfrischende an Penny´s Essays: Sie schafft es, gesellschaftskritische Fakten auf den Punkt zu bringen, ohne dabei zu dozieren oder sich in wissenschaftlichem Fachchinesisch zu verlieren. Penny nutzt dafür selbstredend die modernen Medien und ist auf Twitter und Facebook aktiv. Ganz so, wie es sich für die Generation K gehört. Eine Bezeichnung, die die britische Ökonomin Noreena Hertz 2015 geprägt hat und die die Gruppe der nach 1995 Geborenen meint. Das sind die, die mit Katniss Everdeen aus Die Tribute von Panem sozialisiert wurden und die mit Dystopien aufgewachsen sind. Laurie Penny, Jahrgang 1986, gehört nach dieser Definition zwar nicht dazu, bekennt sich aber als leidenschaftliche Anhängerin von Katniss Everdeen & Co. Sowieso ist Laurie Penny ein Fan von großem Kino, und findet selbst darin politischen Stoff. Lobend erwähnt sie beispielsweise den Plot von "Mad Max: Fury Road" – ein Blockbuster-Endzeitfilm, dessen Protagonistin eine Frau ist. (Imperator Furiosa, gespielt von Charlize Theron).

Wenn sie Lesungen hält, dann erscheinen tausende von Fans – äußerst ungewöhnlich für Buchpräsentationen, erst recht, wenn es um politische Themen geht. Laurie Penny ist ein (streitbarer) Popstar unter den Feministinnen. Und auch wenn sie sich auf dem Podium oder vor der Kamera nicht anbiedert, so ist sie auf eigentümliche Art und Weise charmant und schafft es, dass selbst Männer ihr zuhören. Sie ist eine Vielrednerin, kann aus dem Stehgreif druckreife Sätze hervorzaubern und verkleidet politisch wichtige Botschaften in humorvolle aber ausdrucksstarke Metaphern ("Man könnte meinen, Barbies Oberschenkellücke sei der Rubikon der Frauenemanzipation").

Daneben wartet Laurie Penny wie immer mit erstaunlichen und zugleich erschütternden Fakten auf: als Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA gewählt wurde, stiegen die Anrufe bei Selbstmord-Hotlines exorbitant an (bis zu 250 Prozent). Nicht nur People of Colour, auch LGBT-Menschen machten und machen sich Sorgen um ihre Zukunft, außerdem haben sich etwa 3000 amerikanische Psychotherapeut*innen zusammengeschlossen und ein Manifest gegen den "Trumpismus" verfasst, den sie als Ideologie und nicht als Individuum betrachten. Dass auch Laurie Penny an Donald Trump kein gutes Haar lässt, versteht sich von selbst. Neben dem einleitenden Kapitel des US-Wahl-Tagebuchs 2016, in dem sie sich ausführlich mit der katastrophalen Wahl auseinandersetzt, findet sie auch für Trump die zutreffendsten Allegorien: "Dieses arrogante Toupet mit der kruden Triebenergie des uramerikanischen Es, … fällt mit einem weltweit hörbaren Furzgeräusch in sich zusammen, wenn jemand hineinsticht.".

Gerechtigkeit, Umverteilung von Vermögen, Power und Einfluss

Neben der Abrechnung mit Trump, seinem Sexismus und dem Patriarchat geht es bei "Bitch Doktrin" unter anderem um Kapitalismuskritik (Abschaffung der Arbeit), gender-queere Thematiken (Aufhebung der binären Geschlechtszuschreibung in männlich und weiblich) und die Zukunft ("Eine feministische Zukunft mag unvorstellbar sein – aber sie kommt trotzdem".) Dabei handelte es sich um Auszüge und Überarbeitungen von Kolumnen und Essays, die Laurie Penny zwischen 2013 und 2016 für New Statesman, Baffler, Buzzfeed, New York Tunes, Time Magazine und New Inquiry geschrieben hat.

Laurie Penny und der BDS

2014 veröffentlichte Laurie Penny einen Text im New Statesman, in dem sie sich - einseitig und ganz in der Tradition der nun schon Jahre andauernden britischen antisemitischen Boykottbewegung gegen jüdische/israelische Akademiker*innen und damit einhergehend – unreflektiert - gegen Israel - über die Reaktion des israelisches Militärs auf die Attentate in Gaza äußerte, ein Jahr darauf unterzeichnete sie einen britischen Boykottaufruf gegen Israel "I´m One Of 1000 UK Artists Boycotting Israel". Zudem soll sie den BDS (Boycott, Divestment and Sanctions) unterstützen.

Laurie Penny weist jedoch den Vorwurf, sie sei antisemitisch, von sich. Unter anderem mit der Begründung, selbst jüdische Wurzeln zu haben. Des Weiteren hat sie sich auf Twitter vom BDS in Deutschland distanziert. In "Bitch Doktrin" hat sich Laurie Penny zu dieser Thematik nicht mehr geäußert.

AVVA-Tipp: Laurie Penny schreibt herrlich unverblümt, ganz so, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Zugegeben, manche Thesen von ihr sind wirklich krude. Aber egal, wie abenteuerlich ihre Kommentare und Thesen auch klingen, so findet sich doch in Allem ein wahrer Kern und regt unbedingt zum Nachdenken an. Und dabei ist sie überhaupt nicht verbissen, sondern äußerst humorvoll und vor allem selbstironisch.

Zur Autorin: Laurie Penny, 1986 in London geboren, ist die wichtigste Stimme des jungen Feminismus in Großbritannien und Deutschland. Sie hat Englische Literaturwissenschaft in Oxford und Harvard studiert. Heute lebt sie als Journalistin und Autorin wieder in Großbritannien und schreibt u.a. für den Guardian, die New York Times, den New Statesman und für New Inquiry sowie auf Twitter, wo sie über 160 000 Follower hat. Ihre Bücher "Fleischmarkt. Weibliche Körper im Kapitalismus" (2012), "Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution" (2015) und "Babys machen & andere Storys" (2016) sowie zahlreiche Artikel und Essays machten Penny zur Ikone des jungen Feminismus. ihr Blog "Penny Red" wurde 2010 für den George Orwell Award für politisches Schreiben nominiert. 2016 gehörte sie bei der Kampagne von "#ausnahmslos" zu den Erstunterzeichnerinnen. (Quelle: Verlagsinformationen)

Laurie Penny im Netz: www.laurie-penny.com und auf Facebook www.facebook.com/lauriepenny sowie www.penny-red.com (Laurie Penny´s website and blog)
Laurie Penny in einem Interview in "Kulturzeit" auf 3sat: www.3sat.de

Laurie Penny stellt ihr neues Buch vor:
26. Oktober 2017 - Bern / Schweiz - Frauenraum Reitschule Bern
27. Oktober 2017 – Basel / Schweiz - Druckereihalle Ackermannshof
28. Oktober 2017 – Zürich / Schweiz - Theater Neumarkt
01. November 2017 – Mainz - Kulturclub Schon Schön
02. und 03. November 2017 – Köln - King Georg Klubbar
05. November 2017 – Wien - Österreich - Rote Bar

Laurie Penny
Bitch Doktrin
Gender, Macht und Sehnsucht

Originaltitel: Bitch Doctrine: Essays for Dissenting Adults
Aus dem Englischen von Anne Emmert
Edition Nautilus, erschienen September 2017
Deutsche Erstausgabe
Broschur, 320 Seiten
ISBN: 978-3-96054-056-4
Euro 18,00
Der Titel ist auch als ebook erhältlich
www.edition-nautilus.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Laurie Penny - Babies machen und andere Stories
Dass Laurie Penny eine leidenschaftliche Feministin und kluge Sachbuchautorin ist, hat sie in den vergangenen Jahren eindrucksvoll bewiesen. Jetzt will die Britin auch mit ihren "Short Stories" überzeugen. Zurzeit ist es gang und gäbe, dass KünstlerInnen die Disziplinen wechseln: PopmusikerInnen reüssieren am Theater und in der Modewelt, Bildende KünstlerInnen machen Musik, und gefühlt jede und jeder schreibt Krimis. Warum auch nicht? Genregrenzen sind schließlich von vorgestern, und nicht selten führt der Wechsel von Perspektive und Instrumentarium zu interessanten Ergebnissen. (2016)

Laurie Penny - Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution
Schnoddrig wie gewohnt schreibt die Autorin von "Fleischmarkt" sich auch hier wieder ihre Wut vom Herzen. Ihren klaren Blick verliert sie dabei jedoch nie – auch nicht in Bezug auf vermeintliche MitstreiterInnen im Kampf um eine gerechte Welt, denen sie Blindheit für die wirklichen Herausforderungen vorwirft. (2015)

I think feminism is one of the sexiest things out there - Interview with Laurie Penny
The British blogger, journalist and author of "Meat Market – Female Flesh under Capitalism" talked to AVIVA-Berlin about angry women, western rape culture and why feminists have better sex. (2013)

Laurie Penny - Fleischmarkt
Modernen FeministInnen wird oft und gern vorgeworfen, durch einen unnötig aggressiven Habitus ihrer Sache zu schaden und alle Bestrebungen nach Gleichstellung dadurch zu behindern, dass sie ihre Anliegen einfach nicht sympathisch genug vermitteln. (2012)

Literatur > Sachbuch Beitrag vom 04.10.2017 Silvy Pommerenke 

   




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