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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 11.10.2017

Sarah Marquis - Instinkt. 800 Kilometer zu Fuß durch die Wildnis Australiens
Helga Egetenmeier

Gerade glücklich zurück aus dem Traumland meiner Jugend, brachte mich die in einem Schweizer Bergdorf geborene Extrem-Wandererin Sarah Marquis mit ihrem Buch schnell wieder in das sonnige Land der Krokodile und Kängurus. Packend und emotional beschreibt...



...die Autorin ihre dreimonatige Expedition durch die im Norden liegende, heißeste Region Australiens, die abgelegenen Kimberleys, als Überlebenskampf und atemberaubende Wanderung.

Meine jahrelange Vorfreude auf vier Wochen Australien unterscheidet sich deutlich von den exakten monatelangen Planungen der Sarah Marquis. Klar habe ich auch viel recherchiert und mein Rucksack war auch nicht leicht, jedoch konnte ich Getränke und Essen immer einkaufen. Sie dagegen trug wochenlang ihren über 30 kg schweren Rucksack durch eine von Menschen und Geldhandel freie, dafür von wilden und gefährlichen Tieren bewohnte Natur.

Sarah Marquis, die als Alleinreisende die Welt mittlerweile einmal zu Fuß umrundet hat, sieht sich lieber als "wandernde Philosophin", denn als "Abenteurerin". So führt sie in ihrem Buch nach und nach die Bedeutung der Suche nach Wasser und Nahrung ein, bei der kein Risiko eingegangen werden darf. Ebenso dramatisch, wie auch Neugierde weckend, beschreibt sie die allmählichen Auswirkungen des Nahrungsmangels auf ihren Bewusstseinszustand.

Die abgeschiedene Einsamkeit und ihre körperlichen Strapazen sieht Marquis aber auch als Zeichen, ihre Freiheit zu spüren. Je weiter sie in die Wildnis vordringt, desto eindringlicher werden ihre Schilderungen der existentiellen Abhängigkeit zwischen Psyche und Körper. Immer wichtig ist ihr deshalb die Achtung der Natur, als deren Teil im "Überlebens-Kreislauf" sie sich sieht. "Wenn man das Wort ´überleben´ in Silben trennt, ergibt sich ´über-Leben´", ein Bereich, der "nicht vom Menschen diktiert" wird.

Achtsamkeit sich selbst gegenüber ist somit auch eine Basis für ihr Überleben und so beschließt die Autorin, "nichts zu tun, wenn ich meine Tage habe." Ihr Planungen gehen aber nicht immer auf, da die aktuellste Landkarte, an der sie sich orientieren kann, aus den 70er Jahren stammt: "Meine Regel wird in einigen Stunden einsetzen, ich muss vorher Wasser gefunden haben."

Sarah Marquis liebt ihr extremes Lebensmodell, durch das sie auch ihren Lebensunterhalt verdient, unter anderem indem sie - wie Robyn Davidson während ihrer Wanderung durch Australien - für den National Geographic schreibt. Und so wie Robyn Davidson 1977 in der australischen Einsamkeit ihre Liebe zum Nomadentum fand, freut sich Sarah Marquis über die fortschreitende Herausbildung ihres "Instinkts".

AVIVA-Tipp: Sarah Marquis hat ihren Weg gefunden, sich durch extreme Touren selbst nah zu kommen und ihr Leben und ihre Leidenschaft in ihren Reiseberichten zu transportieren. Mit ihrem persönlichen, teilweise tagebuchhaften Schreibstil, nimmt sie die Leser*innen weit mit hinaus in die einsame Natur und schafft es, sie an ihren Erlebnissen und Gedanken teilhaben zu lassen.

Zur Autorin: Sarah Marquis, geboren 1972 in einem Schweizer Bergdorf, unternimmt seit zwanzig Jahren extreme Touren auf der ganzen Welt. Nachdem die Siebzehnjährige Zentralanatolien auf einem Pferd durchquert hatte, entdeckte sie das Laufen und wanderte durch Australien, Neuseeland, Patagonien und Französisch-Polynesien, fuhr Kanu in Kanada, durchquerte die USA von Nord nach Süd und legte 2002 bis 2003 in Australien 14.000 Kilometer zu Fuß zurück. 2006 wanderte sie innerhalb von acht Monaten von Chile über Bolivien nach Peru undhat mittlerweile die Welt einmal zu Fuß umrundet. National Geographic nominierte Sarah Marquis im Jahr 2014 für die Auszeichnung "Abenteurer des Jahres 2014".
Veröffentlichungen:
Allein durch die Wildnis. 1000 Tage zu Fuß von Sibirien nach Südaustralien. (2015)
Déserts d´altitude. Du Chili au Machu Picchu, 8 mois à pied sur la Cordillère des Andes. (2015, auf französisch)
L´extraordinaire destin de D´Joe. Le chien australien de l´aventuriére Sarah Marquis. Kinderbuch. (2009, auf französisch)
The Desert Hiker. A 14.000 km on Foot Across the Australian Outback. (2007)
Mehr Informationen zu Sarah Marquis unter: www.sarahmarquis.ch

Beiträge von Sarah Marquis auf National Geographic finden Sie unter:

www.adventureblog.nationalgeographic.com (2015)
www.nationalgeographic.com (2013)
www.video.nationalgeographic.com

Zur Übersetzerin: Bettina Müller Renzoni, geboren 1961 in der Schweiz, studierte in Zürich, Lausanne und Siena Romanistik. Sie arbeitete als Lektorin, Literatur- und Sachbuchübersetzerin und Korrektorin. Seit 2007 arbeitet sie in der Literaturagentur R. Vivian Literary Agency.
Mehr Informationen zu Bettina Müller Renzoni unter: www.bettinamuller.eu

Zur Übersetzerin: Barbara Neeb, geboren in Ingolstadt, studierte Komparatistik sowie italienische und französische Philologie an den Universitäten München und Heidelberg. Sie arbeitete zunächst als Übersetzerin von Handbüchern für den Maschinenbau und Computerspiele, und als freie Lexikographin. Seit 1986 übersetzt und begutachtet sie Belletristik, wie auch Sachbücher, seit 2010 organisiert und moderiert sie Übersetzerveranstaltungen im Rahmen der Weltlesebühne e.V.
Mehr Informationen zu Barbara Neeb unter:
www.lit-translation.de

Sara Marquis
Instinkt - 800 Kilometer zu Fuß durch die Wildnis Australiens

Originaltitel: Instincts
Übersetzerinnen: Bettina Müller Renzoni, Barbara Neeb
Verlag: Piper, Malik - National Geographic, erschienen Juli 2017
Taschenbuch, 240 Seiten
ISBN-13: 978-3492406239
15,00 Euro
Mehr zum Buch unter: www.piper.de


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Karin Sagner - Frauen auf eigenen Füßen. Spazieren, flanieren, wandern
Die Münchener Kunsthistorikerin arrangiert Gemälde aus drei Jahrhunderten, Tagebucheinträge, Zitate und informative Texte zu einem unterhaltsamen Bildband, der von der Eroberung von Gipfeln und Promenaden durch die Frauen erzählt. (2017)

Barbara Sichtermann und Ingo Rose - Sternstunden verwegener Frauen
Sechzehn beeindruckende Portraits wagemutiger Frauen, die das traditionelle Rollenbild infrage gestellt haben, oder es auch heute noch tun, immer wieder. Der Band versammelt in Text und Bild Biographien von Frauen, die sich bewusst dazu entschieden haben, einen anderen Weg einzuschlagen: ihren eigenen. (2015)

Spuren - Lass alles hinter dir. Nach dem Buch von Robyn Davidson. Kinostart: 10.04.2014
In neun Monaten zu Fuß durch die Hitzen und Einsamkeit des Outbacks von Australien, diesen Traum verwirklicht sich Robyn Davidson im Jahr 1977. Begleitet von ihrem Hund und vier Kamelen geht es für sie nach zwei harten Lehrjahren endlich los in die lebensfeindliche Wildnis. (2014)

Königskinder - Erica Fischer
Von ihrem Schicksal war bisher wenig bekannt: 2000 Flüchtlinge aus Nazideutschland und dem besetzten Österreich, die große Mehrheit unter ihnen Juden, wurden im Juli 1940 als Gefangene von England nach Australien deportiert und dort in einem Lager im Outback eingesperrt. Einer von ihnen war der Vater der Schriftstellerin Erica Fischer, die in ihrem Roman "Königskinder" von der Emigration ihrer Eltern erzählt. (2012)

Literatur > Sachbuch Beitrag vom 11.10.2017 Helga Egetenmeier 

   




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