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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 08.02.2008

Morcheeba - Dive deep
Silvy Pommerenke

Nach drei Jahren kommt das Geschwisterpaar Godfrey mit seinem neuen Studioalbum auf den Markt. Dabei scheint alles neu zu sein und erweckt doch irgendwie den Eindruck alter Erinnerungen.



Bereits seit 1995 begl├╝cken Morcheeba die Musikwelt und fingen damals an ÔÇô ma├čgeblich beeinflusst durch Tricky oder Massive Attack ÔÇô einen d├╝steren Fin de si├Ęcle Sound zu kreieren. 1996 hatten sie mit "Who Can You Trust" ihr Debut, und es geh├Ârte weltweit zum guten Ton, auf ihren Konzerten gewesen zu sein. Auch das zwei Jahre sp├Ąter erscheinende Album "Big Calm" zielte in die gleiche Richtung, und die endzeitliche Stimmung wurde par excellence dargeboten. Seit dem hat sich allerdings viel getan.

Die Entfernung vom einstigen musikalischen Konzept des TripHops in Richtung chilligen Popsound der Band fand wohl auf dem Album "Charango" ihren H├Âhepunkt. Dies liegt zum heutigen Zeitpunkt sechs Jahre zur├╝ck, und das Br├╝derpaar Paul und Rod Godfrey geht vorsichtig in Richtung seiner Wurzeln retours. Allerdings mit einer deutlichen Portion folkiger und akustischer Elemente und einem neuen musikalischen Entwurf, was die Bandbesetzung betrifft. Nachdem die ehemalige Leads├Ąngerin Skye Edwards 2004 ausgestiegen war, die ma├čgeblich die Au├čenwirkung der Gruppe bestimmte, und auch ihre Nachfolgerin Daisy Martey lediglich f├╝r ein Jahr Frontfrau war, die wiederum ebenfalls nur kurzfristig von Daisy Sternberg ersetzt wurde, entschieden sich die Godfreys nun eine andere Vorgehensweise zu w├Ąhlen. Zum ersten Mal sind auf dem Album verschiedene Gasts├ĄngerInnen anzutreffen, die "Dive Deep" ihre eigene Handschrift aufdr├╝cken. Somit ist ein vielschichtiges Album entstanden, das alleine aufgrund der unterschiedlichen Vocals (unter anderem auch Thomas Dybdahl auf "Riverbed", der in ungewohnt chilligen T├Ânen her├╝berkommt) sehr durchwachsen klingt. Es ist quasi die Transformation des TripHops der neunziger Jahre in das neue Jahrtausend.

Anspieltipps: Jede Anh├ĄngerIn von Thomas Dybdahl wird nat├╝rlich auf dem Song "Riverbed" ihre H├Ąnde ├╝ber dem Kopf vor Wonne zusammen schlagen! Dank des Einsatzes der Morcheeba Gr├╝nder erh├Ąlt der Norweger eine erstaunlich tiefe Intonation, und wer sich beispielsweise an das Album "That great October sound" von ihm erinnert, wird von seiner Stimmvielfalt extrem ├╝berrascht sein. Seine gewohnten T├Âne l├Ąsst Dybdahl hingegen auf "Sleep on it tonight" erklingen, die den sanften Singer-Song-Writer zum Au├čdruck bringen. ├ähnlich positive ├ťberraschungen d├╝rfte es bei der Wiederentdeckung von Judie Tzuke geben, der Frau Anfang der F├╝nfziger, die immer noch klingt, wie ein Twenty-Something und seit den siebziger Jahren aktiv im Musikgeschehen ist. Da kann man nur sagen: "Yeah, she's back!" Sie ist auf zwei Songs vertreten ("Enjoy the ride" und "Blue chair"), und eine weitere Songperle auf diesem Album ist mit Sicherheit Manda, die auf ihren beiden Songs ("Run honey run" und "Au-ded├á") ein wenig wie die Mischung von ihrer Vorvorvorg├Ąngerin Skye Edwards mit Louise Rhodes klingt. Das h├Ârt sich alles sehr entspannt an, manchmal etwas d├╝ster (was mit den traumatischen Erlebnissen der Br├╝der zusammenh├Ąngen mag) aber irgendwie auch beschwingt.

Morcheeba im Netz: www.morcheeba.co.uk und auf auf MySpace

Weiterh├Âren: Lou Rhodes und Skye

AVIVA-Tipp: Back to the roots mit der Erfahrung des Erlebten. Auf diese Formel k├Ânnte man den neuen Longplayer von Morcheeba herunterbrechen, denn sie transportieren stellenweise TripHop Elemente mit klassischem Singer-Song-Writing, das vor allem Gehalt durch die verschiedenen S├ĄngerInnen gewinnt, die sich in dieses Projekt eingebracht haben. Trip(P-H)op is not dead!

Morcheeba
Dive deep

Label: Pias (rough trade), Februar 2008

Music Beitrag vom 08.02.2008 Silvy Pommerenke 

   




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