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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 01.04.2007

Feist – The Reminder
Tatjana Zilg

Die Kanadierin muss niemanden an sich erinnern. Längst ist ihr Name ein Synonym für exzellentes Songwriting. Raffiniert-verzaubernde Melodien, incl. "My Moon My Man" und "1234"



Was genau die Stimme von Feist so unvergesslich macht, lässt sich nur schwer bestimmen. In einer kontrastreichen Mischung aus lässig und sehr betont, mit Höhen und Tiefen tänzerisch spielend, zarte Kiekser einschiebend, dabei nie aus den Augen verlierend, dass ein Song eingängig und pop-orientiert bleibt, ersang sie sich die internationale Aufmerksamkeit von Musikpublikum und Fachpresse. Ihr Frühjahrskonzert 2007 in Berlin musste aufgrund der großen Nachfrage ins Schiller Theater verlegt werden und war wochenlang zuvor ausverkauft.

Begonnen hat alles vor 3 Jahren mit dem Debut "Let It Die", das schon kurz nach dem Release zu einem riesigen Überraschungserfolg wurde. Plötzlich kannten alle die Songs von Leslie Feist und sie bekam einige Auszeichnungen. Ihr Name tauchte allerorts in den Jahresbestenlisten auf. Auch ein Album mit Remixen zum Debut erschien: Open season. remixes and collabs.

Sie traf die richtige Entscheidung, ließ sich nicht vom Erfolg beirren, sondern tourte weiter fleißig durch die Welt. 33 Monate am Stück, wobei sie drei Kontinente bereiste und in ihren Bann zog. Schon unterwegs fing sie an, neue Songs zu schreiben.
Bis sie dem Nomaden-Tourleben ein temporäres Au revoir zuwarf, um in den La Frette-Studios, einem 200 Jahre alten Prachtbau, in einem Randbezirk der quirligen Europa-Metropole Paris "The Reminder" aufzunehmen. Gemeinsam mit ihrer Live-Band Julian Brown, Bryden Baird und Jesse Baird feilte sie am neuen Feist-Sound. Zudem bat sie einige langjährige Musikerfreunde wie Gonzales, Mocky und Jamie Lidell hinzu. In kreativer, entspannter Atmosphäre verteilten sie in Wohn- und Esszimmer des ehrwürdigen Gebäudes Klavier, Vibraphonen, Orgeln, Gitarren, Verstärker und bauten zwei Schlagzeug-Sets vor den bunten Fenstern auf.

Viel Spontaneität, pure Freude am Musikmachen, kombiniert mit hoher Professionalität und Stilsicherheit, ganz natürlich angeeignet durch die Live-Erfahrung und einen frühen Start in die Sängerinnen-Karriere, zeichnen die Songs von "The Reminder" aus. Die Grundstimmung ist wieder mehr akustisch angelegt, die Gitarre steht oft im Vordergrund, ergänzt durch den vielseitigen Einsatz der anderen Instrumente. Ein wunderbares Spannungsfeld für die variantenreiche Stimme von Feist: Wie auf dem Cover angedeutet, erstrahlt sie in kräftigen, bunten Farben und füllt den Raum mit einer außergewöhnlichen Grazie und Anmut.

Temperamentvolle Songs wie "I Feel It All", "Past In Present" und "Sealion" mischen sich leicht beschwingt unter sanft melancholische wie "So Sorry" und "The Water", die aber immer angenehm heiter klingen, nach Sonnenschein, StraßenkünstlerInnen und verliebten Pärchen in Paris.
Ein dunkel angehauchter Track schleicht sich mit "The Limit To Your Love" in die auditiven Sinne. Gemeinsam mit Gonzales schrieb sie den Song mit den deutlich-beseelten Klavier-Akkorden und Perkussions-Einlagen à la Mo Tucker.

Absoluter Ohrwurm ist "My Moon My Man". Diese Hookline verfängt sich mit Sicherheit im Langzeitgedächtnis. Die Drums dominieren und Feist gelingt eine sehr geschickt über den einprägsamen Beat huschende Wortakrobatik. Mitzählen statt mitsingen ist bei "1234" angesagt, ein klein wenig rappender Gesang und rhythmische Gitarren-Akkorde führen durch die fröhliche Hymne an vergangene Teenager-Zeiten.

Aus heutiger Sicht würde wahrscheinlich niemand mehr die erfolgreiche Songwriterin mit wilden, rotzfrechen Punk in Verbindung zu bringen. Aber nach einer Episode beim Schulchor ließ sie sich in ihrer eigenen Teenager-Zeit von zwei Mitschülerinnen für die Band By Divine Right anwerben. Wenig später schlug sie die üblichen drei Akkorde auf der E-Gitarre und gewann mit ihren Mitstreiterinnen einen Schulwettbewerb. Nach dem Höhepunkt der Band - Support-Act für die Ramones - lösten sie sich auf. Feist stürzte sich in die Musikszene von Toronto und fand sich bald als Background-Sängerin bei der wegweisenden kanadischen Indie-Band Broken Social Scene. Mit der Electro-Trash-Queen Peaches wohnte sie eine Zeitlang in einer WG, was ein hohes Output an gemeinsamen Projekten zur Folge hatte. Sie sang bei einigen Studio-Songs mit, begleitete sie auf Tournee und erweckte surreale Handpuppen auf der Bühne zum Leben.

AVIVA-Tipp: Prickelnd wie Cidre, lyrisch-poetisch in den Melodien und Texten kommt "The Reminder" daher. Songwriterinnen-Pop allererster Güteklasse.

"The Reminder" kann hier in voller Länge probegehört werden: www.feist-music.de/albumplayer/

Feist
The Reminder

Label: Polydor, VÖ 20. April 2007
EAN: 0602498474129
18,99 Euro
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Music Beitrag vom 01.04.2007 AVIVA-Redaktion 

   




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