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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 30.11.2008

Noa - Genes and Jeans
Margret Müller

Noas neues Album ist eine musikalische Annäherung an die jemenitischen Wurzeln. In der einzigartigen Verbindung der in ihr schlummernden Kulturen scheint sie ganz bei sich zu Hause zu sein.



Die Künstlerin Achinoam Nini (international bekannt als Noa) wird immer wieder mit der 2000 verstorbenen Ofra Haza verglichen, und das wohl auch aus offensichtlichem Grund. Beide Frauen sind/waren israelische Sängerinnen jemenitischen Ursprungs, singen Pop, ohne dabei ihre Kultur zu vergessen und sind weltbekannt. Beide sind in Israel mehr als Popstars und (waren) auch sozial und politisch stark engagiert. Ofra Haza sang auf der Friedensnobelpreisverleihung von Yitzhak Rabin und Yassir Arafat, Achinoam Nini einige Minuten bevor Yitzhak Rabin ermordet wurde. Während aber Ofra Haza als eins von neun Kindern im ärmsten Viertel Tel Avivs aufwuchs, verbrachte Noa ihre Kindheit und Jugend im kulturellen Welt-Zentrum New York und kam erst im Alter von 17 Jahren nach Tel Aviv. Daher ist auch Noas Weg zu ihren jemenitischen Wurzeln wohl etwas weiter als der Ofra Hazas.

Obwohl ihre Herkunft immer im Hintergrund mitschwang, auch in ihrer Musik, näherte sie sich dieser doch erst in jüngerer Zeit bewusst an. Es war ihr zum Beispiel wichtig, ihren Mann, Dr. Asher Barak nach jemenitischer Zeremonie zu heiraten, ohne genau zu wissen, warum. Was macht es genau aus, das jemenitische Wüstenkind in ihr? Das herauszufinden, war Anlass ihres letzten Projektes, aus dem die neue CD entstand. Intensiv setzte sie sich mit den Liedern ihrer Großmutter auseinander, mit den Texten von Liebe, Wüstenwind, Verlangen, Hitze und Staub und schrieb eigene dazu. Das Ergebnis "Genes & Jeans" ist Zeugnis der Verbindung mehrerer Kulturen in einer Person, einer Frau, die ihre Gene und Herkunft wertschätzt und bewahren will und trotzdem "jeanstragend" im Heute lebt.

Mehrere Kulturen in sich zu tragen kann Zerrissenheit bedeuten, oder aber als Bereicherung empfunden werden. Bereits in ihren Auftritten mit dem "Soli String Quartet" bewies Noa ihre Fähigkeit, verschiedene Musikrichtungen zu verbinden, wie klassische europäische Musik und arabischen Gesang, vermischt mit Pop. In "Genes & Jeans" steht die jemenitisch-jüdische Musik erstmals im Vordergrund. Englisch, hebräisch und jemenitisch gesungene Lieder verdeutlichen eine wohl endlose Suche nach der eigenen Identität, die irgendwo zwischen Jemen, New York und Tel Aviv zu finden ist.
"Can I wear your jeans?/ Will they ever fit?/ Guess I´ll just inhale and make the best of it..." singt Noa in dem Lied, nach dem die CD benannt wurde. Die Jeans passt nie genau, aber auch ihren Genen entspricht sie nie und wird immer hungrig sein, dazuzugehören. Eine Antwort scheint sie in der Vielfalt gefunden zu haben, zumindest auf dem Album.
"Ich glaube, das funktioniert wunderbar, weil es echt ist. Alles hier ist eine wahre Verbindung und die Wahrheit darin ist so erfolgreich", sagte sie dem israelischen Fernsehen in einem Interview zu ihrem neuen Album.

Zwar hat Achinoam Nini klare Ansichten über Israel, Politik, Menschenrechte und ihr Leben. Sie ist aber keine Predigerin. "Meine Texte sollen nicht Biographie meiner selbst sein. Es ist mir nicht so wichtig, dass alle, die meine Musik hören, wissen, was in meinem Leben los ist. Ich will aber, dass sie etwas fühlen und mit ihrem Leben verbinden können. Ich möchte, dass meine Lieder in ihnen nachhallen. Daher schreibe ich nie Worte wie `Mutter, Kind, Frieden, Israel, Palästina`. Diese Worte wird man in meinen Alben nie finden, obwohl es Themen sind, die mich inspirieren und beeinflussen." Obwohl die Texte nie offensichtlich sind, ist doch die Geschichte ihrer Familie nicht zu überhören, der lange beschwerliche Weg der Großeltern vom Jemen nach Israel, das Gefühl des Exils, ihre Entscheidung, der Liebe nach Israel zu folgen, die Suche nach ihrem Platz auf der Welt, und die Sorgen und Wünsche einer Mutter.
Eines ist dabei sicher, die Lieder hallen als stabile Ohrwürmer noch lange nach und Noas volle, tiefe und betörende Stimme, die vor allem in den jemenitischen Gesängen brilliert, setzt sich fest.

Anspieltipps: Besonders bezeichnend für das Konzept der CD ist die von Noas 85 jähriger Großmutter eingesungene Interlude "Dala Dala", A Cappella mit einer herzzerreißenden Stimme, die sowohl verzweifelt, leidend als auch in sich ruhend und stark ein traditionelles jemenitisches Lied singt und die folgende Interpretation der Enkelin Dala Dala auf englisch, hebräisch und jemenitisch. Packende Trommeln, Pop und jemenitischer Folk in einem Lied, die Dramatik und Tiefe des Textes beim zweiten Hinhören sind vielleicht nicht leicht kategorisierbar, aber berührend und in sich geschlossen und perfekt. Achinoam Ninis ganz eigene persönliche Musik ist entstanden, die wie sie, jemenitisch traditionelle und moderne Rhythmen, Töne und Worte in jedem Atemzug oder Takt in sich trägt.

Achinoam Nini wurde 1969 als Kind jemenitischer Einwanderer in Israel geboren. Als sie zwei Jahre alt war, zogen ihre Eltern mit ihr in die New Yorker Bronx. Sie lernte in einer religiösen Schule und nahm zudem bereits als Kind Stunden in Gesang und Tanz. Bei einem Besuch in Israel lernte sie ihren heutigen Mann Asher Barak kennen und zog 17 jährig nach Israel zurück. In Jerusalem schloss sie ihr Abitur ab, diente anschließend in der Armee und nahm ihr Studium der Musik am Rimon School of Jazz and Contemporary Music auf. Mit dem Dozenten Gil Dor verband sie bald eine enge Freundschaft und musikalische Verbindung. Bis heute treten sie gemeinsam auf.

Gil Dor studierte nach seinem Militärdienst am Berklee College of Music in Boston Jazz, später am Queens Colleg in New York klassische Theorie und Komposition. Nach seiner Rückkehr unterrichtete er zunächst in Jerusalem und gehörte zu den Gründern der Rimon School of Jazz and Contemporary Music. Bis heute ist er musikalischer und künstlerischer Direktor und Koautor von Noas Stücken, ihr Produzent und Gitarrist.

AVIVA-Tipp: Achinoam Ninis Weg zu ihren jemenitischen Wurzeln ergab eine sehr persönliche CD, die tief aus ihrem Herzen kommt und auch genau da berührt. Von dort aus werden direkte Impulse an die Muskeln gesendet, die unwillkürlich ihren Beitrag zum Hörerlebnis leisten. Die Melodien und Rhythmen reißen mit, das Mitsingen ist bei ihrer fantastischen Stimme jedoch eine echte Herausforderung.

Noa – Genes & Jeans
2008 Emarcy Records
CD 060251763991

www.noasmusic.com

Lesen Sie auch unser Interview mit Noa aus 2006.

Music Beitrag vom 30.11.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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