Sezen Aksu - Öptüm - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

etage7
Aviva-Berlin > Music AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Chanukka 5778




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 15.03.2012

Sezen Aksu - Öptüm
Lisa Erdmann

Kaum eine Sprache ist so bildhaft und emotional wie das Türkische. Sezen Aksu, Aushängeschild der modernen türkischen Popkultur, beweist auf ihrem 24. Album einmal mehr die Vielfalt und Schönheit...



... ihrer Muttersprache.

Auch wenn sie in der Türkei als "Spatz vom Bosporus" bezeichnet wird, ist ihre Stimme doch um einiges größer und kräftiger als bloßes Vogelgezwitscher. Sezen Aksu, 1954 in Sarayköy, Denizli, als Fatma Sezen Yýldýrým geboren, ist aber nicht nur eine der erfolgreichsten musikalischen Exportschlager des Abendlandes, sondern zugleich auch Talentförderin und engagierte Songwriterin. Sie unterstützte den internationalen Erfolg von Sänger Tarkan und arbeitete mit der US-amerikanischen Souldiva India Arie und der griechischen Musikerin Haris Alexeiou zusammen.

In Deutschland wurde die Ausnahmekünstlerin erst in den 1990er Jahren durch ihre Zusammenarbeit mit Udo Lindenberg bekannt. Auch in den Filmen von Regisseur Fatih Akin ist sie ein wiederkehrendes Gesicht und gehörte in dem Dokumentarfilm "Crossing the Bridge – The Sound of Istanbul" (2005) zu den ProtagonistInnen.

In den 36 Jahren ihrer Karriere trat Sezen Aksu jedoch nie als selbstverliebte Pop-Diva, sondern vielmehr als Weltmusik-Rebellin auf. Regelmäßig nutze sie ihren Ruhm, um sich für politische Themen einzusetzen und kämpfte insbesondere für die Rechte von Frauen und Minderheiten. Im August 2002 gab sie in Ephesus ein ganz besonderes Konzert, bei dem sie ihre Lieder nicht nur in türkischer, sondern auch in armenischer, kurdischer und griechischer Sprache sang. Die Auflockerung des "Sprachverbots für Minderheiten-Sprachen" in der Türkei war damals gerade in Kraft getreten und Aksu bewies mit diesem Auftritt ihre Sympathien für die Minoritäten.

Auf ihrem mittlerweile 24. Longplayer "Öptüm", was übersetzt soviel heißt wie "Küsschen" oder auch "Ich habe dich geküsst", versprüht die 58-Jährige nicht nur Weisheit, sondern auch den jugendlichen Charme einer Newcomerin. Disco-Hits sucht frau auf diesem Album vergeblich, es sind vor allem die zarten und zerbrechlichen Momente, die die Sängerin hier in zehn Songküssen für die Hörerin festhält.

Folkloristisch mit den Titeln "Unuttun mu beni" ("Hast du mich vergessen?") und "Balli" ("Mit Honig überzogen") eingeleitet, geht es in den poetischen Texten des Silberlings vor allem um das Leben und die Liebe. Wie zartschmelzend türkischer Blues und Jazz klingt, beweist das erste Albumhighlight "Vay" ("Oh weh!"), das mit pointierten Vocals, den Zeilen "Jede Trennung ist schwer, das habe ich schon tausend mal gesagt, mein Herz lernt nicht. Es brennt langsam, wie ein Vulkan. Wieder die dunklen Nächte und solcher Schmerz" und einer intelligenten Instrumentierung glänzt.

Natürlich dürfen auch einige kleinere Arabesken wie in "Ayar" ("Einstellung") nicht fehlen. Versteckt hinter E-Gitarrenriffs, Saxophon und Percussion findet frau hier sogar einige politische Zeilen: "Entweder bist du mit uns oder mit ihnen, komm doch über die Brücke hinüber! Du bist Freund oder Feind, entscheide dich! Sie ziehen uns in alle Richtungen. Wenn sie Worte nicht verstehen, müssen wir es anders einleiten."
Dennoch überwiegen die zarten Balladen, von denen vor allem das weiche "Sayim" (Inventur) ins Ohr geht. Für den Text zu diesem Schmachtstück hat sich die Sängerin von einem Gedicht des bekannten türkischen Poeten Cemal Süreya inspirieren lassen. Eine kleine Überraschung findet frau schließlich noch am Ende des Longplayers: die Akustik-Version des balkanpoppigen Openers "Unuttun mu beni", die noch einmal Sezen Aksus facettenreiche, warme Stimme zur vollen Geltung bringt.
Einziges Manko: Die Texte werden im Booklet nur bruchstückhaft übersetzt. Dem Hörgenuss tut das dennoch keinen großen Abbruch, frau spürt schließlich bei dieser Stimme auch so, worum es in den Songs geht.

Sezen Aksu im Netz: www.sezenaksu.com.tr

AVIVA-Tipp: Nicht nur die Hörerinnen mit türkischen Wurzeln werden sich freuen, dass diese Ausnahmemusikerin nach 36 Jahren Karriere endlich auch hierzulande ein Album herausbringt - schließlich ist "Öptüm" mit seinen zehn klangvollen "Küsschen" eine Bereicherung für alle Ohren. Prädikat: unbedingt hören und auf Klangreise gehen!


Sezen Aksu
Öptüm

Label: World Vill (Harmonia Mundi), VÖ: Oktober 2011


Weiterhören auf AVIVA-Berlin:

Nilüfer Akbal - Raye

Udo Lindenberg - Damenwahl

Crossing the Bridge - The Sound of Istanbul

Music Beitrag vom 15.03.2012 Lisa Erdmann 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken