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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 23.07.2012

Juke Box Pearls
Katarina Wagner

In den Fünfziger Jahren war es nicht immer so, dass die Jungs auf der Bühne rockten und die Mädchen drum herum tanzten und kreischten. Einige Frauen nahmen auch selbst ein Instrument in die Hand...



... und sangen ihre eigenen Lieder.

Schon in den Anfängen des Rock`n Roll und Country mischten viele Frauen mit – den großen Durchbruch schafften allerdings nur wenige. Auch wenn sie einen Plattenvertrag bekamen – die Verkaufszahlen waren nie so hoch, wie bei ihren männlichen Kollegen. Bear Family Records widmet ihnen nun eine Serie und kramt auch diejenigen Rock`n Rollerinnen und Cowgirls heraus, die trotz swingender Songs zu Lebzeiten keine großen Erfolge feiern konnten. Zeitgleich mit dem Sampler Meet the Pearls wird das Label auch drei Alben mit den Songs der Künstlerinnen Mimi Roman, Myrna Lorrie und Laura Lee Perkins veröffentlichen.

Den musikalischen Anfang auf Meet the Pearls macht die erfolgreiche Country-Sängerin Jean Shepard mit Two Hoops and a Holler. Thematisch ist es ein guter Einstieg, der Song kritisiert die ungerechte Doppelmoral, wenn es um Männer und Frauen geht:

"How come a man can fight and cuss and smoke and drink and chew
Step out on their wives and do the things they shouldn`t do?
But it`s all right in the public`s eye, they say he`s just a man
But if a woman does one little thing, she`s not worth a
Two whoops and a holler, she`s lower than a hound."


Diese unterschiedlichen Standards musste auch die Rock`n Roll Sängerin Charline Arthur erfahren. Sie ist auf der Compilation mit ihrem Song Hello Baby vertreten. Ihre wilden und "erotischen" Performances sorgten in den Fünfzigern für Aufsehen und einiges Stirnrunzeln – sie schwang ihre Hüften und warf sich auf den Boden, noch bevor Elvis Presley daran dachte..
"I was the first woman in country music to wear a slack suit on stage, when all them other women were wearing those little gingham dresses. I wanted to sing something different. I wanted to be an original."
Bei ihrem Label RCA Records galt Charline allerdings immer als "schwierig" und ihre Texte als zu kontrovers. Schließlich wurde sie deswegen 1956 von RCA entlassen. Das gab ihrer Karriere den `Todesstoß` – im selben Jahr, als das DJs Choice-Magazin sie zur Best Female Country Singer erklärte.

Die Anfänge, Durchbrüche und / oder Misserfolge der Künstlerinnen dieser Playlist werden im Booklet von Martin Hawkins nacherzählt. Allerdings beschränkt er sich meist auf die Fünfziger, eben die "Juke-Box-Jahre", wodurch bei einigen Sängerinnen wichtige Hinweise auf die folgenden Karrierejahre der Sängerinnen fehlen.

Sehr oberflächlich wird beispielsweise die Karriere von Loretta Lynn nacherzählt, die übrigens 1972 von der Country Music Association als erste Frau zum Entertainer of the Year ausgezeichnet wurde. Ihr Song Heartache Meet Mr. Blues wird im Booklet vor allem musikalisch gelobt – was fehlt ist der wichtige Textinhalt. In ihrem Lied auf dem Sampler singt sie als betrogene Ehefrau. Ihr eigener Mann war ihr auch wiederholt untreu und schlug sie sogar – im Booklet steht lediglich, dass er älter und ihr Manager war.
Zu Loretta Lynn ist also zu ergänzen, dass sie sich in ihren Songs oft gegen die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen aussprach – ein Thema, welches viele Country-Sängerinnen beschäftigte. Das Lied Rated X, kritisiert die sexualisierte Stigmatisierung von geschiedenen Frauen:

"All they`re thinkin` of is your experience of love their minds eat up with sin
The women all look at you like you`re bad and the men all hope you are"


Die Radiostationen weigerten sich, den Song zu spielen, genauso wie dreizehn andere ihrer Stücke, wegen derer sie als Hillbilly Feminist bezeichnet wurde. Darunter auch The Pill von 1975, in dem die Anti-Baby-Pille als Befreiung gefeiert wird – nachdem die Frauen jahrelang als Schwangere oder frische Mütter zu Hause bleiben mussten, während sich die Ehemänner amüsierten.

AVIVA-Tipp: Auch wenn das Booklet nur Ausschnitte der Lebenswege der Frauen wiedergibt, ist es eine empfehlenswerte Compilation, zu der es sich gut tanzen lässt und die Lust macht, mehr in die Geschichte der einzelnen Sängerinnen einzutauchen und zu fragen, warum sie uns so lange vorenthalten geblieben sind.

Meet the Pearls
Juke Box Pearls (V.A.)

Label: Bear Family Records
VÖ: 27. Juli 2012

Mimi Roman – I`m Ready If You`re Willing



Eigentlich hieß sie Miriam Rothman und war ein jüdisches Mädchen aus New York. Ihr Bruder konnte ihren Namen nicht richtig aussprechen, also wurde aus ihr Mimi. Dann erfuhr sie, dass einer der Vorsteher im Madison Square Garden Antisemit war, also änderte sie ihren Nachnamen zu Rohman, um an den Rodeo-Wettbewerben teilzunehmen, wo sie National Rodeo Queen wurde. Ihren ersten öffentlichen Auftritt als Country-Sängerin hatte sie bei der TV-Talentshow alma mater, wo sie im Cowgirl-Outfit Hank Williams` Weary Blues From Waitin`. Nach einigen Auftritten in Radio- und TV-Shows nahm sie diesen Song für ihre erste Platte auf. Sie zog nach Kalifornien und unterschrieb bei dem Label Decca, welches nun auch das h aus ihrem Namen strich und sie wurde Mimi Roman.

"Mostly, I`d announce that I was from New York City - OK, no Jew Jokes, no Catholic Jokes. They could be kind of insensitive that way, kind of intolerant, but mostly because they hadn`t been exposed to people like me."

Mimi tourte viel, trat mit bekannten KollegInnen auf, doch der große Durchbruch gelang auch ihr nie. Der Produzent Owen Bradley klagte scherzend, dass sie eine Popsängerin war, die aber Country spielen wollte. Das ist auch auf der Zusammenstellung für die Juke Box Pearls Serie zu hören: Mimi singt zwar oft mit schön countryhaften, langgezogenen Vokalen, aber vor allem ihre Balladen erinnern an die Popmusik der Fünfziger. So ist das Album nicht nur etwas für Country-Fans, sondern eine schöne Mischung der Musik dieser Zeit – die klare Stimme von Miriam Rothman, beziehungsweise Mimi Roman, klingt in jedem Genre gut.

Label: Bear Family Records
VÖ: 27. Juli 2012

Myrna Lorrie – Hello Baby



Wie Mimi Roman wurde auch Myrna Lorrie nicht in den Country hineingeboren. Sie stammt nämlich – weit entfernt von Nashville und Los Angeles – aus Thunder Bay, im Norden Kanadas. Ihr Vater spielte in kleinen Bands die Mundharmonika und entdeckte früh das Gesangstalent seiner Tochter. Im Alter von etwa neun Jahren brachte sie sich selbst bei, die Gitarre zu spielen. Stundenlang hörte sie sich die Platten von Hank Williams oder Hank Snow an und versuchte die Songs nachzuspielen. In einer Radioshow trat Myrna dann mit einem Country-Song auf und der Sender gab ihr prompt eine eigene Radioshow – sie war gerade zwölf Jahre alt.
Ein Jahr später nahm sie mit dem Sänger Buddy DeVal die Single "Are you mine" auf, die auf den amerikanischen Billboard Charts den sechsten Platz erreichte – Myrnas größter Erfolg in den Staaten.

Die Sängerin heiratete 1960 und bekam eine Tochter, die sie einige Zeit mit auf Tour nahm, dann pausierte sie, "Because I was burned out", kehrte nach Kanada zurück und startete "The Myrna Lorrie Show" im Fernsehen. Sie wurde als Country-Sängerin eine kanadische Legende und Vorbild für viele junge Sängerinnen – darunter die heute sehr erfolgreiche Shania Twain, welche Myrna unter ihre Fittiche nahm, auf ihren Konzerten einige Songs spielen ließ.

Für die Juke Box Pearls Reihe hat Bear Family Records ein fröhliches Country-Album zusammen gestellt. Myrna singt vor allem schwärmende Liebeslieder und klagt weniger über die Eskapaden der untreuen Männer, wie beispielsweise Loretta Lynn, Jean Shepard oder auch die Country-Königin Kitty Wells.

Label: Bear Family Records
VÖ: 27. Juli 2012

Laura Lee Perkins – Don`t Wait Up!



Bei all der Power, die in ihrer Stimme und Musik steckt, erstaunt es, dass die Songs von Laura Lee Perkins es nie in die Charts schafften und sie erst nach ihrer Schaffenszeit als die Königin des Rockabilly anerkannt wurde.

Der Radio Jockey Jeff Baxter entdeckte Alice Faye, so ihr echter Name, als sich die Achtzehnjährige gerade in der Kleinstadt Elyria bei Cleveland als Kellnerin durchschlug. Er hörte sie Klavier spielen und singen und war so begeistert von ihrem Talent, dass er gemeinsam mit ihr die Rock`n Roll Songs Don`t Wait Up und Oh La Baby als Demos aufnahm. Drei Labels waren daraufhin an der jungen Sängerin interessiert, die sich letztendlich für Imperial entschied. Außer ihren Namen, angelehnt an Jerry Lee Lewis, zu Laura Lee Perkins zu ändern, gab sich das Label allerdings keine große Mühe, die Musikerin zu promoten. Als ihre ersten Platten veröffentlicht wurden, arbeitete Alice Faye immer noch als Kellnerin und warf viele Münzen in die Juke Box, um ihre eigenen Songs zu hören. Trotz viel Lob und Bewunderung beschränkte sich ihre Bekanntheit auf den Raum Cleveland. Manager Jeff Baxter hatte nicht das nötige Geld, die Stationen zu bezahlen, ihre Songs im Radio zu spielen.

Nach einer Tour durch die USA und Kanada mit den Tartans heiratete sie 1963 und zog nach Michigan. "I was tired of travelling and Neal seemed like a nice guy. We`ve been married for 43 years." Seitdem trat sie bei lokalen Events auf, schrieb Werbejingles und betrieb mit ihrer Familie eine Pferdefarm.
2006 nahm sie dann das Album I`m Back – And Here We Go" auf, nachdem sich eine begeisterte Fangemeinde gebildet hatte. Alice Faye Kitts, wie sie heute heißt, schrieb im selben Jahr:

"Laura Lee Perkins represented America in the `50s. One of a few rockin` females to join the powerful entertainment business mostly dominated by all males. She played piano, guitar, drums, ukulele and trumpet, and could gyrate with the best."

Die vierzehn Songs, die Bear Family Records für die Juke Box Pearls Serie gemastert zusammengestellt hat, geben dem Recht – sie sind kraftvoll, verbreiten guten Laune und Lust wilden Rock`n Roll zu tanzen.

Label: Bear Family Records
VÖ: 27. Juli 2012

Weitere Infos unter:

www.bear-family.de

Anthologien zu Frauen und Country Music:

Kristine M. McCusker und Diane Pecknold - A Boy Named Sue. Gender and Country Music

Mary A. Bufwack und Robert K. Oermann – Finding Her Voice. Women in Country Music, 1800-2000

Weiterhören auf AVIVA-Berlin

Coal Miner`s Daughter - A Tribute To Loretta Lynn

V.A. - FLOWERS IN THE WILDWOOD. Women in early country music

Kitty, Daisy And Lewis – Kitty, Daisy And Lewis

Kitty, Daisy And Lewis – The Roots of Rock`n Roll

Peggy Sugarhill - Rockabilly Music Is Bad Bad Bad

Eleni Mandell - Country For June Lovers

Larkin Poe - A Band For All Seasons

Weitersehen auf AVIVA-Berlin

Cadillac Records – ein Film von Darnell Martin



Music Beitrag vom 23.07.2012 Katarina Wagner 

   




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