Linnea Olsson - Ah! - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

etage7
Aviva-Berlin > Music
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 
  Hier suchen, oder zur Sucheseite!


AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
 


AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2017




Happy Birthday AVIVA




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



<< Kleine Suche
Nutzen Sie gern unsere Suche in größerer Schrift!

TIPP: über den Zurück-Button Ihres Browsers kommen Sie erneut zur Suche.




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 05.11.2012

Linnea Olsson - Ah!
AVIVA-Redaktion

Linnea Olssons Debut-Soloalbum beginnt mit tiefen, traurigen Tönen, die Olsson ihrem Cello entlockt und behutsam aufeinander schichtet, bis sie irgendwann die Melodielinie von "Oceans" auf den...



... höheren Saiten dagegen stellt. Dies könnte darauf hindeuten, dass es sich bei AH! um ein Album handelt, das gut in die momentan sehr angesagte Post-Klassik/Neo-Klassik-Ecke passt. Eine ganz und gar falsche Vermutung, denn Linnea Olsson macht nur in den seltensten Fällen das, was mensch von ihr erwartet.

Und weil dem so ist, unterscheidet sich die Musik auf "AH!" ganz deutlich von der von KünstlerInnen-KollegInnen, die sich in den letzten Jahren mit der Verbindung von klassischen und modernen Stilelementen einen Namen gemacht haben. Olssons Musik zeichnet sich durch einen prägnanten Einsatz von Echo und Loops in ihren Stücken aus. Olsson selbst führt, wenn es um Querverweise und musikalische Inspiration geht, Julia Kent (von Anthony & The Johnsons) und Zoey Keating an.

Manche von uns mag Olsson mit dem vierminütigen Opening Track auf eine falsche Fährte locken, der gleich darauf folgende Titelsong ist allerdings weitaus repräsentativer für das, was in der Folge zu hören ist: Stakkato-artige Noten, die wie ein Echo über leere Landschaften wehen, wo sich schemenhafte Formen langsam zu einer erkennbaren Substanz zu fügen scheinen, während Olssons rauhe Stimme ein verspieltes, magisches Lied singt, das das Verlangen, sich nach einer längeren Zeit des Alleinseins "zu drehen" und "zu tanzen", feiert.
Das Stück ist insofern exemplarisch für ein Debutalbum, das Unvorhersehbarkeit mit einfachsten musikalischen Mitteln verbindet und intime, fast kontemplative Melancholie mit ungezügelter, übersprudelnder Freude kombiniert. Und was die ganze Angelegenheit noch bemerkenswerter macht ist der Umstand, dass - wenn die Hörerin mal vom Einsatz der Darbuka (einer ursprünglich aus dem Nahen Osten/Nordafrika stammenden einfelligen Bechertrommel) absieht – die vierzig fesselnden Minuten des Albums ausnahmslos von zwei Instrumenten getragen werden: von Olssons geliebtem Cello, und ihrer Stimme.

Olsson (die in Halmstadt, einer kleinen Hafenstadt an der schwedischen Westküste, aufwuchs) hegte eigentlich nie wirkliche Zweifel daran, dass es ihre Bestimmung war, einmal Musikerin zu werden, schließlich stammt sie aus einem MusikerInnen-Elternhaus, wo sie schon im Alter von sechs Jahren ihren ersten Cello-Unterricht erhielt. "Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich hinten im Auto meiner Eltern saß, während vorne in voller Lautstärke Paul Simon oder die Beach Boys liefen", erinnert sich Olsson. So, wie die Menschen in ihrer Umgebung (auch die FreundInnen ihrer Eltern und deren FreundInnen waren größtenteils MusikerInnen) einen deutlichen Einfluss auf ihre Musik hatte – "Musik ist so wie Liebe, Essen und die Liebe Teil meines Lebens" – so hat die Schönheit der Landschaft ihrer Heimat Olssons Liebe zur Natur geweckt, was sich immer wieder in ihren Texten wiederspiegelt.

In ihrer Jugend, so erinnert sich Olsson, gab es drei einschneidende Erlebnisse, die ihren weiteren Lebensweg maßgeblich bestimmten. Das erste war, als sie im Alter von elf Jahren Björk´s Song "ArmyOfMe" (von deren 1995er Album "Post") hörte. "Es war eines der tollsten Stücke, die ich bis dahin gehört hatte", erinnert sich Olsson lächelnd, "ab diesem Zeitpunkt war Björks Musik viele Jahre lang einer meiner liebsten Begleiter." Nur wenig später verliebte sie sich in den Soundtrack zum irischen Film "The Commitments", einer Zusammenstellung von Songs, die ihr zeigte, dass der musikalische Horizont viel weiter ist, als sie es bei der formalen Ausbildung zur Chorsängerin bis dato erfahren hatte. "Meine Lieblingszeit war die, wenn ich aus der Schule zurück kam und außer mir noch keiner sonst zu Hause war. Dann konnte ich diese CD einlegen und mir nur die Songs darauf anhören, auf denen Mädchen sangen. Und ich habe dann versucht, genau so wie diese zu klingen."

Die beiden genannten Erfahrungen haben zweifellos ihren Anteil an den charmanten Spleens und der das Album ausmachenden schwungvollen Expressivität, doch Olsson benennt - in der für sie typischen unprätentiösen Art –ein anderes Erlebnis, das sie in ihre jetzige Position katapultierte, nämlich ein öffentlicher Auftritt bei einer Hochzeit, als sie 14 war. "Ich sang bei dieser Party", erzählt Olsson grinsend, "und ich erinnere mich noch daran, dass ich u.a. den "ShoopShoop Song" sang. Das war der erste Auftritt, bei dem ich mit dieser "anderen" Stimme sang, mit dieser "Popstimme", die ich bei meinen einsamen Auftritten zu Hause immer geübt hatte. Und siehe, da, ich machte Eindruck. Die Leute kamen anschließend zu mir und meinten: "Hey, du kannst ja wirklich singen!"

Danach dauerte es nicht mehr lange, und Linnea sang in Bands. Es fing an mit einen Schulcombo, die Covers spielte und in der sie den Bass zupfte und sang, und entwickelte sich weiter zu dem Duo, dem sie während ihres Studiums an der Stockholmer Musikhochschule angehörte. Während dieser Zeit entdeckte sie auch die Loop Station für sich und dies war dann auch die Geburtsstunde der Ästhetik, auf der "AH!" basiert. Wobei Olsson noch eine ganze Weile brachte, bis sie ihre erste Platte im Kasten hatte, denn außer der andauernden Arbeit mit ihrer eigenen Band Paintbox waren ihre Fähigkeiten zunehmend auch bei anderen KünstlerInnen gefragt. So arbeitet Olsson nun schon seit längerem mit ihrer von der Kritik gefeierten Musikerin Ane Bruns (Olsson ist festes Mitglied in Bruns Tour-Begleitband), aber auch mit den schwedischen Singer-Songwriterinnen Frida Hyvonen und Nina Kinert.

"AH!" entstand dann zu einem Zeitpunkt, an dem Olsson, wie sie sagt, plötzlich und für kurze Zeit nicht viel zu tun hatte. "Ich setze mich hin mit meinem Cello, und es kam wie eine Flut über mich. Ich habe alle Songs des Albums in einer sehr kurzen und sehr intensiven Periode geschrieben." Anfangs schrieb sie allein bei sich zu Hause, aber schon bald war auch ihr Freund und Partner Fredrik "Gicken" Johansson mit von der Partie, der nicht nur die Funktion des Mixers und Produzenten übernahm, sondern auch die für das Album so wichtige Darbuka spielte. Das Resultat ist trotz der relativ simplen Methodik eine wirklich unvergessliche Platte. Und das trifft ebenso auf tieftraurige Tracks wie das extrem abgespeckte "Guilt", das atmosphärische "It´s OK" und das beinahe barocke "Never Again" wie auch auf die fröhlicheren Stücke des Albums zu. Zu letzteren zählt z.B. "All 4 U", das an frühe ViniReilli/DuruttiColumn-Aufnahmen erinnert, und natürlich auch auf die Single-Auskopplung "Dinosaur", Olssons eigene Definition von "Kammer-Pop", deren Bubblegum-Sweetness im dazugehörigen Video mit seiner verspielten Neonfarben-Ästhetik noch zusätzlich betont wird.

Das Schöne an der von Olsson verwendeten Technik/Technologie ist, dass sie mit deren Hilfe in der Lage ist, ihre ganz eigene kreative Vision umzusetzen. "Ich nutze das Echo wirklich, wo es nur geht", gesteht Olsson, "es ist mein mit Abstand liebster Effekt. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich ganz allein auf der Bühne stehen und spielen wollte, was ich – wenn man mal von der Aufführung von Bach-Suiten absieht – so noch nie gemacht hatte. Als ich es dann zum ersten Mal tat, war das ein überwältigendes Gefühl von Freiheit. Alle Energie muss aus dem innersten Ich heraus gezogen werden und das Publikum wird plötzlich auf viel deutlichere Weise Teil des Konzerts. Ich werde in der Zukunft vermutlich sowohl Solo-Auftritte machen als auch meine eigenen Songs zusammen mit anderen Musikern spielen. Überhaupt mache ich ständig neue Pläne. Bis jetzt sind die zwar noch geheim, aber ihr werdet schon sehen..."

AVIVA-Tipp: Wer wissen will, wohin Olssons Reise als nächstes hingeht, sollte den Weg der talentierten Musikerin und Sängerin unbedingt auch in Zukunft mitverfolgen. "Ah!" ist ein starkes Album für Cello-LiebhaberInnen, und für alle, die ruhige und doch kraftvolle Töne lieben.

Linnea Olsson
Ah!

Götterfunk Productions|Cargo, VÖ 26.10.2012

Mehr Infos zu Linnea Olsson unter:
www.linneaolsson.net

Weiterhören auf AVIVA-Berlin:

Björk – Biophilia


(Quelle: Community Promotion)

Music Beitrag vom 05.11.2012 AVIVA-Redaktion 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken