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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 02.09.2014

Miriam´s Song
Sarah Ross

Das aus der Ukraine stammende Duo Kalinowsky, bestehend aus Semjon (Viola) und Bella Kalinowsky (Klavier), widmet seine neue CD sechs jüdischen Komponistinnen des 19. Und 20. Jahrhunderts



Die spannendsten Projekte schreibt immer noch das Leben! Die von Semjon Kalinwosky (Viola) und Bella Kalinowska (Klavier) eingespielte und herausgegebene Werksammlung sechs jüdischer Komponistinnen, in Form eines CD-Albums mit dem Titel "Miriam´s Song: Music by Jewish Women Composers", war kein von vorne herein geplantes Projekt, sondern ist ein reines Zufallsprodukt, das mit einer allgemeinen Recherche zu Komponistinnen vor ca. zwölf Jahren begann. Obwohl es damals bereits eine wissenschaftliche und auch künstlerische Auseinandersetzung mit den Werken von Komponistinnen allgemein gab, so war und ist der Weg von deren Entdeckung bis zu einer gewissen Popularität dieser Frauen und ihres musikalischen Schaffens noch weit.

Auf ihrer Spurensuche kamen Semjon und Bella Kalinowsky mit verschiedenen Institutionen, ExpertInnen und Privatpersonen in Kontakt (darunter das Archiv Frau und Musik in Frankfurt und der Furore Musikverlag in Kassel), die ihnen viele Anregungen für ihre Arbeit gaben und sie schließlich auf die Fährte jüdischer Komponistinnen brachten. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, als es für Frauen ohnehin kein leichtes war, sich als anerkannte Komponistinnen durchzusetzen, war es für jüdischen Frauen (aber auch Männer) wegen des herrschenden Antisemitismus gleich doppelt so schwer: um in der damaligen christlichen Mehrheitsgesellschaft als Komponist bzw. Komponistin erfolgreich sein zu können, konvertierten einige sogar zum Christentum, wie etwa Felix Mendelssohn-Bartholdy und seine Schwester Fanny Hensel (geborene Mendelssohn). Darüber hinaus standen den Frauen die traditionellen Geschlechterrollen der damaligen Zeit im Weg. So schreibt Werner Bodendorff, Autor des CD-Booklets:

"Wenn die Frau überhaupt Musik betreiben durfte, war das Singen einfacher Lieder erlaubt, aber nicht über den normalen Hausgebrauch hinaus. [...] Was darüber hinaus in den Bereich des Kreativ-Kompositorischen ging, wurde dies der Frau mit Hinweis auf schlechten Geschmack abgesprochen, musste sich den Vorwurf anhören, eine schlechte Hausfrau, Gattin und Mutter zu sein oder sie durfte als Komponistin ein Nischendasein führen" (S. 5).

Dass die jüdischen Komponistinnen Helene Liebmann, Fanny Hensel, Vally Weigl, Minna Keal, Sarah Feigin und Lena Stein-Schneider alles andere als einen kompositorisch schlechten Geschmack besaßen, beweisen die Aufnahmen auf der hier vorliegenden CD. Die eingespielten Werke dieser Komponistinnen wurden größtenteils extra für Viola und Klavier vom Duo Kalinowsky neu arrangiert. Zum Teil handelt es sich auch um eine erstmalige Aufnahme der Stücke.

Helene Liebmann, geboren am 16.12.1795 in Berlin unter dem Nachnamen Riese und gestorben 1835 vermutlich in der Nähe von Hamburg, war eine Pianistin, Komponistin und Sängerin. Im öffentlichen Konzertwesen Berlins war sie vor allem als Pianistin sehr bekannt. Als Komponistin widmete sie sich vorwiegend den Klaviersonaten und der Kammermusik. Von ihren Werken sind nur sehr wenige erhalten geblieben, was eine übergreifende Charakterisierung ihres Kompositionsstils erschwert. Die letzte überlieferte Komposition Helene Liebmanns stammt aus dem Jahr 1816 – aus der Zeit, als sie noch gemeinsam mit ihrem Ehemann John Joseph Liebmann in London lebte, wo sie Kompositionsunterricht bei Ferdinand Ries nahm. Die hier eingespielten drei Sätze der Sonata op. 11 in B-Dur (ursprünglich für Cello und Klavier geschrieben) stammen in etwa aus der Zeit zwischen 1813 und 1815 und waren für das Duo Kalinowsky Liebe auf den ersten Ton. Hierin verwendet Liebman, die sich in ihren Werken gerne an den Ansprüchen der gehobenen Gesellschaftsschicht ihrer Zeit sowie an ihrem Vorbild Wolfgang Amadeus Mozart orientiert, den damaligen klassischen Duktus. Somit entstand ein elegantes wie auch wirkungsvolles kammermusikalisches Stück. Ihre Sonate op. 11 zeichnet sich des Weiteren durch eine gleichberechtigte und mit den anderen Instrumenten dialogisierende Stimmführung des Cellos (in dieser Aufnahme der Viola) aus.

Während es über das Leben von Helene Liebmann nur recht wenige Informationen gibt, ist die in Hamburg geborene und in Berlin verstorbene Komponistin Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), auch bekannt unter den Namen Fanny Mendelssohn Bartholdy, oder Cäcilia Hensel, die wohl bekannteste aller sechs Komponistinnen, die auf dieser CD repräsentiert werden. Die Komponistin, Pianistin, Dirigentin und Konzertorganisatorin Fanny Hensel ist eine Gallionsfigur dieses CD-Projektes, so Bella Kalinowska, weil sie ein Paradespiel dafür ist, dass es Frauen ihrer Zeit aufgrund des Hemmnisses ihres vor- bzw. fremdbestimmten Lebensweges als Ehefrau, Hausfrau und Mutter unmöglich gemacht wurde, weder ihre musikalische Begabung noch ihre eigentliche Identität als Jüdin ausleben zu dürfen. So ähnelt ihr kurzes Adagio (Track 4) eher einem schlichten Schubert-Stück und weist keinerlei musikalische Anspielungen auf ihr jüdisches Erbe hin. Auch wenn letzteres, nämlich eine prononciert jüdische Kunstmusik zu schaffen, weder das erklärte Ziel Fanny Hensels oder ihrer zeitgenössischen jüdischen KomponistInnen war, so bleibt dennoch unumstritten, dass sie trotz der christlichen Taufe ihre eigentliche jüdische Identität niemals in Frage gestellt hat. Die Darstellung Fanny Hensels als Prophetin Miriam, als Anführerin der jüdischen Frauen in Musik und Tanz, in einem Bild ihres Ehemannes Wilhelm Hensel, war der Ideengeber für den Titel der CD.

Im Gegensatz dazu konnte und hat die Komponistin und Musikpädagogin Sarah Feigin ihr Jüdischsein nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in ihren Werken voll ausleben können. Sarah Feigin (1928-2011) wurde in Lettland geboren und studierte Klavier und Komposition am Rigaer Musikkonservatorium, wo sie 1959 ihren Master in Musik erwarb. 1972 emigrierte sie nach Israel. Dort gründete sie 1973 ein Konservatorium in Holon, an dem sie bis 1983 als dessen Direktorin sowie als Professorin für Musik und Komposition arbeitete. Von 1973 bis 1990 arbeitete sie zudem für "Jeunesses Musicales d´Israel", in dessen Rahmen sie zahlreiche Konzerte organisierte. Ihre Werke, die international aufgeführt wurden, sind die einzigen der auf dieser CD vertretenen Komponistinnen, die den klarsten Bezug zur jüdischen Musik und ihren volksmusikalischen Traditionen aufweisen. Für ihre "Reflections on a Niggun" erhielt sie eine Auszeichnung beim Kompositionswettbewerb in Miami.

Aber auch die Stücke Minna Keal (Ballade in F-moll von 1927) und Vally Weigl ("Old Time Burlseque" von 1937) orientieren sich in Thematik und Harmonik an der jüdischen Folklore. Lena Stein-Schneiders Biographie ist die tragischste von allen: 1874 wurde sie in Leipzig als Helene Meyerstein geboren, wo sie auch Klavier und Gesang studierte. Während des Nationalsozialismus hatte sie unter der systematischen Ausgrenzung sowie unter dem Auftrittsverbot als Musikerin und Komponistin zu leiden. 1942 wurde sie ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, aus dem sie jedoch 1945 wieder befreit werden konnte. Nach einem kurzen Zwischenstopp in der Schweiz zog sie wieder zurück nach Berlin, wo sie bis zum ihrem Tod 1958 lebte. Obwohl Lena Stein-Schneider vor dem Krieg als Komponistin recht bekannt war, sind so gut wie keine ihrer Werke erhalten geblieben.

AVIVA-Tipp: Die CD "Miriam´s Song" des Duos Kalinowsky zeichnet sich nicht durch eine überzeugende Auswahl und Interpretation der Stücke durch zwei herausragende MusikerInnen aus. Vielmehr rücken sie ein besonderes und größtenteils vergessenes Kapitel der jüdischen und europäischen Musik-und Kulturgeschichte in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, ebenso, wie sie die jeweiligen Schicksale der jüdischen Komponistinnen erzählen, die sich hinter jedem Namen verbergen. Nicht zu verachten ist dabei, dass Semjon und Bella Kalinowsky mit ihrer Arbeit ein einzigartiges kompositorisches Schaffen, das, mit kleinen Ausnahmen, der breiten Musiköffentlichkeit unbekannt geblieben ist wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Über das Duo Kalinowsky:
Bella (Klavier) und Semjon Kalinowsky (Viola) stammen beide aus der Ukraine. Bella Kalinowska studierte Klavier an der Hochschule für Musik in Odessa und an der Universität in Kiew, wo sie ihr Studium mit Auszeichnung abschloss. Semjon Kalinowsky studierte an der Hochschule für Musik Lwow, dann in Danzig, wo er ebenfalls sein Studium mit Auszeichnung abschloss. Derzeit arbeitet er als Solo-Bratschist auch in der "Klassik Philharmonie Hamburg". Das Duo konzertiert sowohl in Deutschland als auch im Ausland und hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, die Musik von oft zu Unrecht in Vergessenheit geratenen KomponistInnen, besonders jene des 19. Jahrhunderts, neu zu beleben.

Gefördert wurde die CD Miriam´s Song: Music by Jewish Women Composers unter anderem von der Stiftung ZURÜCKGEBEN Förderung jüdischer Frauen in Kunst und Wisssenschaft

CD:

Miriam´s Song: Music by Jewish Women Composers

Interpret: Semjon Kalinowsky (Viola), Bella Kalinowska (Klavier)
Verlag/Label: Zuk Records 332
13,90 EUR

Gleichnamige Notenausgabe:

Das Lied der Mirjam: Jüdische Komponistinnen des 19. Und 20. Jahrhunderts

Bearbeitet für Viola und Klavier
Hersg. von Bella und Semjon Kalinowsky
Furore Verlag
Editionsnummer Band 1: Fue 10050
ISMN: 979-0-50182-050-4
Editionsnummer Band 2: fue 10064
ISMN: 979-0-50182-064-1
16,00 EUR

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.viola-raritaeten.de

www.viola-raritaeten.de

www.bodensee-musikversand.de

furore-verlag.de

www.stiftung-zurueckgeben.de


Music Beitrag vom 02.09.2014 Sarah Ross 

   




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