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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 05.11.2014

Zola Jesus- Taiga
Christina Mohr

Von ambitioniertem Klassik-Goth zu Dancefloor-Hymnen? Die 25-jährige Singer-/Songwriterin Zola Jesus, ursprünglich Nika Roza Danilova, hat sich für ihr neues Album "Taiga" einiges vorgenommen...



"Taiga" ist das bereits vierte Album von Zola Jesus. Die in Phoenix, Arizona aufgewachsene Künstlerin bezeichnet es aber als ihr eigentliches Debüt: Noch nie habe sie sich so offen und befreit gefühlt als bei diesen Aufnahmen, "Taiga" sollte ihr erstes richtiges Popalbum werden. Tatsächlich klingt Nika Roza Danilova (so ihr bürgerlicher Name) wie ausgewechselt: Die Tage des depressiven Dark-Gothic-Wave scheinen vorüber. Die dramatische Geste, die Zola Jesus schon früher mochte, wird in den elf neuen Songs hingebungsvoll perfektioniert: Wuchtige Drums treiben die atmosphärisch höchst aufgeladenen Stücke voran und münden in tanzbare (Disco!)-Beats, ihre außergewöhnliche Opernstimme darüber stark und triumphal. Fast alle Tracks sind pompös und hymnisch angelegt, und sind dabei, besonders der Singlehit "Dangerous Days", extrem zugänglich.

Zunächst mutet es seltsam an, "Taiga" wie ein ganz "normales" Popalbum zu goutieren, denn schließlich zeigte sich seine Urheberin bei früheren Veröffentlichungen (vor allem beim mit großem Orchester eingespielten "Remix"-Album "Versions") so ambitioniert und dezidiert anti-poppig wie kaum jemand sonst, und wie sonst kaum jemand im Pop verfolgt(e) Zola Jesus ihre eigene künstlerische Vision. Ihre sphärischen, quasi außerweltlichen musikalischen Beschwörungen rissen einen Kritiker gar zu dem Bonmot hin, dass Zola Jesus – verglichen mit anderen Gothic-Acts – nicht damit kokettiere, Stimmen aus dem Totenreich zu hören, sondern "schon tot sei". Nun, das war eine krasse Fehleinschätzung, denn auf "Taiga" präsentiert sich Danilova/Zola so vital wie nie zuvor. Ihre klassisch trainierte Opernstimme bestimmt nach wie vor den gesamten Sound, aber es ist auch unüberhörbar (zum Beispiel im tanzbaren "Hunger"), dass sie Kolleginnen wie Rihanna eingehend studierte, um deren Gesangsstil mit ihrem zu kalibrieren.

Auch die Hinwendung zur Natur sorgt für Lebendigkeit: Der boreale Nadelwald, auch Taiga genannt, repräsentiert nicht nur Danilovas russische Wurzeln, sondern steht auch für eine oberflächlich gesehen karge Landschaft, die bei näherer Betrachtung eine Fülle an Leben beherbergt – offensichtlich ein Identifikationsobjekt für Zola Jesus.

Leider lässt sich nicht verschweigen, dass "Taiga" nicht das monumentale Pop-Großwerk geworden ist, das Zola Jesus im Sinn hatte. Zu viele Songs haben nur Füllstoffcharakter, Theatralik und mit Synthies erzeugte Atmosphäre sind eben doch nicht alles – und verglichen mit den zwar wenig poppigen, aber faszinierenden Kompositionen auf ihrem Album "Conatus" (2011) fallen Stücke wie "Dust" oder "Lawless" doch ziemlich ab.

Zola Jesus´ großes Missverständnis scheint zu sein, dass sie Pop mit Vorhersehbarkeit in Struktur und Aufbau gleichsetzt (siehe oben: beinah jeder Track gipfelt in einer technoid-hymnischen Entladung/Erlösung) – so wie sie Rihanna als stimmliches Vorbild in punkto Pop-Appeal erwählte, sollte sie bei anderen KollegInnen genau hinhören wie das so geht mit dem Pop.

AVIVA-Tipp: Zola Jesus hat ihr Album zwar der Taiga gewidmet, gemacht ist diese Musik aber für die große Bühne und ja, für den Mainstream.

Zola Jesus im Netz:

www.zolajesus.com

Zola Jesus
Taiga

11 Tracks, Label: Mute/GoodToGo
VÖ: 02.10.2014

Weiterhören auf AVIVA-Berlin:

Zola Jesus – Conatus

Zola Jesus - Stridulum II



Music Beitrag vom 05.11.2014 Christina Mohr 

   




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