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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 12.12.2015

Garbage - Garbage. 20th Anniversary Deluxe Edition
Julia Lorenz

Nach Trennungsger├╝chten, privaten Dramen und zuletzt eher mittelm├Ą├čigen Alben besinnen sich die Alternative-Legenden auf ihre goldenen Zeiten in den fr├╝hen 90ern und legen ihr Debutalbum neu auf.



Schon immer waren Garbage sp├Ąt dran - und doch ihrer Zeit voraus. Als sie 1994 ihr selbstbetiteltes Debutalbum ver├Âffentlichten, war der Grunge mit Nirvana-Frontmann Kurt Cobain zu Grabe getragen worden, und auch die Riot-Grrrl-Bewegung hatte ihren Zenit ├╝berschritten. Dennoch gelang dem Quartett mit ihrem Alternative-Rock ein sensationeller Erfolg: ├ťber vier Millionen Mal verkaufte sich das Album weltweit.

Shirley Manson, Butch Vig, Steve Marker und Duke Erikson elektrifizierten den Grunge, erweiterten den schweren Gitarrensound der fr├╝hen Neunziger um Pop- und Electronica-Einfl├╝sse und persiflierten den d├╝steren Nihilismus des Genres: "You know I love it when the news is bad/ And why it feels so good to feel so sad" sang Shirley Manson in "Only happy when it rains", einem der gr├Â├čten Hits der Band. Wirklich sicher, wie ernst es der charismatischen, charmant-morbiden Frontfrau mit dem Lebensverdruss ist, konnte mensch sich nie sein.

Zum 20. Jubil├Ąum legt die Band ihr legend├Ąres Debut als Doppel-CD neu auf, angereichert mit Remixen der Originalsongs und bislang unver├Âffentlichten Versionen der Tracks. Eine Entscheidung, die zu einer Band passt, die im Mainstream oft als Projekt eines genialen Produzenten wahrgenommen wurde: Butch Vig, der Platten f├╝r Gr├Â├čen wie Sonic Youth produzierte und bereits zu Beginn der Neunziger eine Art Legendenstatus innehatte, galt seit jeher als "Mastermind" von Garbage.

Dabei pr├Ągte vor allem S├Ąngerin Shirley Manson mit ihrer markant-nasalen Stimme und ihrem radikalen Auftreten das Image der Band. Die geb├╝rtige Schottin stie├č 1994 zu Garbage und sollte in der Folgezeit zu einer der kontroversesten Pers├Ânlichkeiten in der Musiklandschaft der 90er avancieren. Manson sprach offensiv ├╝ber Sex, spielte mit ihrem Status als extravagante Frontfrau und sang mit "Queer" einer Hymne f├╝r alle Menschen, die sich als "the queerest of the queer, the strangest of the strange" f├╝hlten.

Und doch blieb auch Manson vom Sexismus im Musikgesch├Ąft nicht verschont. So habe sie etwa den Bandnamen Garbage stets gehasst - doch ├änderungsw├╝nsche seien bei ihren m├Ąnnlichen Bandkollegen auf taube Ohren gesto├čen. "Ich habe ein paar sehr frostige Blicke als Antwort bekommen und das war es. Danach habe ich das Thema nie wieder angeschnitten", sagte Manson im Interview mit dem Deutschlandfunk. Im Gespr├Ąch mit dem Musikportal laut.de erz├Ąhlte die S├Ąngerin, dass Plattenfirmen sie seit jeher zum "Pop-P├╝ppchen" transformieren wollten.

Doch sie und Garbage blieben sich treu, trotz privater und beruflicher Krisen: Nach den Erfolgen mit ihrem Debutalbum und dem Zweitwerk "Version 2.0" behinderten Krankheitsf├Ąlle und Reibereien innerhalb der Band das kreative Fortkommen. Nach der Ver├Âffentlichung des vierten Studioalbums "Bleed like me" machte sich Ersch├Âpfung bei der Band breit. Es folgte die Absage ihrer Europatour und Trennungsger├╝chte, welche die Band jedoch dementierte. Als schlie├člich 2007 mit "Absolut Garbage" ein Best-of-Album erschien, schien es endg├╝ltig so, als arbeite die Band an ihrer eigenen Musealisierung. Auch ihr letztes Studioalbum, "Not your kind of people" von 2012, f├╝gte dem Sound mit dem Garbage bekannt geworden sind, kaum Neues hinzu.

Die Wiederver├Âffentlichung ihres Debuts ist nun eine gute Gelegenheit, sich an die gro├čen Tage von Garbage zu erinnern. V├Âllig neu entdecken werden H├ÂrerInnen die Band auch nicht mittels der B-Sides. Und doch d├╝rfte das Doppelalbum alten und neuen Fans eine Erkenntnis liefern: Songs wie "Vow" und "Supervixen", die Popmelodien mit kratzb├╝rstigem Rock verm├Ąhlen, haben den Jahren standgehalten. Und erinnern in ihrer Direktheit daran, dass das Frauenbild in der Rockmusik der fr├╝hen Neunziger sehr viel innovativer war als heute vielerorts.
AVIVA-Tipp: Ein Muss f├╝r Fans, ein perfekter Einstieg f├╝r NeuentdeckerInnen: Das legend├Ąre Garbage-Debut von 1994 ist ein Klassiker, der mit B-Sides und Remixen zwar nur um neue Nuancen erg├Ąnzt wurde, aber noch immer ├╝berzeugt.

Zur Band Garbage wurde von Butch Vig, Steve Marker und Duke Erikson gegr├╝ndet. Ein Jahr sp├Ąter stie├č Shirley Manson, bis dato S├Ąngerin der Band Angelfish, zu Garbage. Die Band ver├Âffentlichte bislang f├╝nf Studioalben. Nach Trennungsger├╝chten und l├Ąngeren kreativen Pausen touren Garbage seit 2012 wieder regelm├Ą├čig.

Weitere Infos zur Band unter www.garbage.com

Garbage
Garbage (20th Anniversary Deluxe Edition)

Label: Pias Coop/Stun Volume (rough trade)
V├ľ: Oktober 2015
www.roughtrade.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Riot Grrrl Revisited. Geschichte und Gegenwart einer feministischen Bewegung. Herausgegeben von Katja Peglow und Jonas Engelmann. Erweiterte Neuauflage mit Pussy Riot und Slutwalks


Music Beitrag vom 12.12.2015 Julia Lorenz 

   




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