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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 13.10.2016

Madeleine Peyroux - Secular hymns
Silvy Pommerenke

Die Idee an sich klingt vielversprechend: Peyroux reduziert sich auf Stimme, Kontrabass und Gitarre. Auch der Aufnahmeort klingt ├Ąu├čerst interessant: eine kleine, historische s├╝dostenglische Kirche. Aber, das Ergebnis ist nicht ├╝berzeugendÔÇŽ



Madeleine Peyroux ist seit zwei Jahren als Trio mit Gitarrist John Herington und Bassist Barak Mori unterwegs, aber das, was sich im ersten Moment als besonders kreativ und innovativ anh├Ârt, n├Ąmlich dass Peyroux eine beschauliche Kirche f├╝r drei Tage angemietet hat, um an diesem ungew├Âhnlichen Ort ihr neues Album aufzunehmen, klingt dann auf der heimischen Anlage eher wie ein schnell produziertes Album mit Cover-Versionen von u.a. Sister Rosetta Tharpe, Stephen Foster und Willie Dixon. Was kann frau/man schon erwarten, wenn von den drei Tagen einer f├╝r den Soundcheck, einer f├╝r einen Live-Auftritt vor den DorfbewohnerInnen und lediglich einer nur f├╝r die Aufnahme des Albums eingeplant ist. Es mag ja sein, dass es nach Aussage der S├Ąngerin: "wahnsinnig Spa├č gemacht [hat], dort mit Jon und Barak zu spielen, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Chemie zwischen uns so gro├čartig ist". Aber Spa├č haben und drauflos spielen reicht einfach nicht, um aus "Secular hymns" ein einzigartiges H├Ârerlebnis zu schaffen.

Dabei hat Peyroux tats├Ąchlich schon unvergessliche Alben aufgenommen, allen voran "Dreamland" von 1996 und "Careless love" von 2004, auf dem Vergleiche mit Billie Holiday durchaus berechtigt sind. Das war Vocal-Jazz vom Feinsten! Trotzdem machten sich bereits auf den letzten Alben immer deutlichere Akzente von Country- und Blues-Musik breit. Vielleicht geht Peyroux damit ihren amerikanischen S├╝dstaatlerinnen-Wurzeln nach, und vielleicht muss frau/man AmerikanerIn sein, um die "spirituelle" Aussagekraft dieses Albums zu verstehen. Von ihren Eindr├╝cken, die sie als junge Stra├čenmusikerin in Paris gemacht hat, ist musikalisch jedenfalls nichts mehr auf dem aktuellen Album zu h├Âren.

Ein weiteres Manko dieses Albums ist die Spieldauer, denn noch nicht einmal 35 Minuten Musik sind auf dem Silberling, und das w├Ąre selbst zu Vinyl-Zeiten ├Ąu├čerst wenig gewesen. Wenn dann aber wenigstens der Inhalt umwerfend w├Ąre, dann k├Ânnte frau/man/ dar├╝ber hinwegsehen, aber so hinterl├Ąsst das neue Album von Peyroux lediglich einen blassen Eindruck, der auch nicht durch "The highway kind" (aus der Feder von Townes van Zandt) und "Tango Till They┬┤re Sore" (im Original von Tom Waits, der durchaus positiv aus den anderen neun Songs heraussticht) gerettet werden kann.

AVIVA-Fazit: F├╝r LiebhaberInnen von spartanischer Blues-, Gospel- und Country-Musik (und demzufolge von Steelguitars...), mag "Secular hymns" ein Ohrenschmaus sein, f├╝r diejenigen, die eher dem Vokal-Jazz zugeneigt sind, ist das neue Werk von Madeleine Peyroux eher nichts. Schade!

Madeleine Peyroux
Secular hymns

Label: Impulse! Records
V├ľ: September 2016

Madeleine Peyroux im Netz: www.madeleinepeyroux.com
Dass Reduktion im Arrangement und in den Instrumenten durchaus seine Vorz├╝ge haben kann, k├Ânnen Sie hier anhand des brillanten Songs "Moon River" von Madeleine Peyroux in Begleitung vom chinesischen Pianisten Lang Lang h├Âren!

Weiterh├Âren auf AVIVA-Berlin:

Half the perfect world
Jazzmusik ganz im Stile der drei├čiger und vierziger Jahre, "in einer derart souver├Ąn-l├Ąssigen Manier interpretiert, als w├Ąre sie selbst eine Zeitgenossin dieser legend├Ąren K├╝nstlerinnen gewesen." (2006)

Bare Bones
Die zur├╝ckhaltende und medienscheue S├Ąngerin hat ein stilistisch sehr differenziertes viertes Album aufgenommen, das Elemente von Jazz, Folk und Blues aufweist. Ihre Stimme ├╝berzeugt dabei einmal mehr, und die ├ähnlichkeiten mit ihrer gro├čen Schwester `Billie Holiday ist frappierend. (2009)

Standing On The Rooftop
Mit mutigeren Kl├Ąngen, einer reiferen Stimme, die sich auch ├╝ber den Jazz hinaus orientiert und neuen musikalischen Weggef├ĄhrtInnen begeistert die US-amerikanische S├Ąngerin mit einem f├╝nften, abwechslungsreichen Album. (2011)


Music Beitrag vom 13.10.2016 Silvy Pommerenke 

   




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