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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 01.04.2009

PJ Harvey and John Parish - A Woman A Man Walked By
Claire Horst

Spätestens seit ihrem 1995er Album "To Bring You My Love" gehört PJ Harvey zur ersten Riege der englischsprachigen Singer-Songwriterinnen. Nun hat sie gemeinsam mit John Parish ein neues...



... Album produziert.

Die Erwartungen an "A Woman A Man Walked By" sind recht hoch. Mit John Parish hatte PJ Harvey immer wieder zusammengearbeitet, seit sie in den Achtzigerjahren in seiner Band "Automatic Dlamini" ihre Karriere begann. Auch während ihrer jeweiligen Soloprojekte – Parish arbeitete zwischenzeitlich mit MusikerInnen wie Giant Sand, Eels und Goldfrapp – war Parish mehrfach als Gastmusiker auf Harveys Platten vertreten, 1996 produzierten sie gemeinsam das Album "Dance Hall At Louse Point".

Das Besondere an Polly Jean Harveys Musik war immer die düstere und melancholische Atmosphäre und der leicht schräge Gesang – genau das brachte ihr auch einen Job als Gastsängerin auf Nick Caves Album "Murder Ballads" ein. Insofern überrascht, vielleicht enttäuscht der erste Song des neuen Albums zunächst. "Black Hearted Love" ist ein klassischer, geradliniger Rocksong, perfekt produziert, aber etwas zu eingängig.

Doch gerade das ist das Spannende an dem neuen Album: seine Vielseitigkeit. PJ Harvey legt großen Wert darauf, sich nicht zu wiederholen. "Ich könnte ohne weiteres immer wieder dieselbe Formel benutzen, und viele Leute würden das wahrscheinlich sogar großartig finden. Aber ich würde dabei innerlich absterben.", meint sie. Insofern ist Harvey und Parish mit "A Woman A Man Walked By" tatsächlich ein großer Wurf gelungen. Es handelt sich nicht um ein Konzeptalbum, bei dem alle Songs ein großes Ganzes ergeben würden. Stattdessen zeigen sie ihre große Wandlungsfähigkeit.

"Sixteen, Fifteen, Fourteen", das zweite Stück, überrascht mit einer Banjo-Linie, die an amerikanische Folkmusic denken lässt. Das wunderbare "April" zeigt die Sängerin wieder von einer ganz anderen Seite. Ihr Hang zum Theatralischen, ihre Freude an der Verstellung und Stimmimitation kommen hier zum Tragen und bewirken eine skurril-schräge Stimmlage. Was einige KritikerInnen bierernst nehmen und als unfreiwillig komisch abtun, ist tatsächlich komisch gemeint. PJ Harvey ist überzeugt davon, dass SongwriterInnen nicht immer ernst sein müssen. "Mir macht Singen und das Schreiben von Texten so viel Spaß, aber die Leute nehmen diese Dinge oftmals viel zu ernst – das passiert andauernd. Ich finde das besonders seltsam, wenn man bedenkt, dass ich hin und wieder absichtlich in albernen Stimmlagen singe."

Dieses Talent wird beim Titelsong besonders deutlich. "A Woman A Man Walked By / The Crow Knows Where All The Little Children Go" ist ein wütender Song, der klingt, als hätte Harvey den gesamten Text mit zusammengebissenen Zähnen gesungen. Gleichzeitig klimpert die Musik dazu verspult-esoterisch, und Harvey singt von "chicken liver balls" – womit sie die eigene Wut wieder zu persiflieren scheint. Das Bild im Beiheft zeigt Polly Jean Harvey mit den Händen vor dem Mund, scheinbar erschrocken kreischend, während John Parish ihr einen Apfel hinhält. Schön ironisch.

Überraschend folgt auf das wutschnaubende und angespannte "A Woman" ein ruhiger, trauriger Song, "The Soldier". Hier klingt PJ Harvey mädchenhaft-zart, begleitet wird sie von einer ebenso zart gezupften Ukulele. "I imagine a dream / In which I'm a soldier, / and I'm walking/ on the faces of dead women, / and everyone I've left behind me." Trotz aller Ironie hat PJ Harvey keine Angst vor großen Gefühlen.

"Pig Will Not" wiederum ist ein einziger Aufschrei: "I will not, noooooo!", brüllt es aus der Sängerin hervor – wobei auch hier die Texte wieder alle Ernsthaftigkeit aufs Korn nehmen. "I am your guardian, I am your fairy, do my will ... woof woof!". Hörbaren Spaß hatte PJ Harvey auch hier an den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten ihrer Stimme. Sie schwankt zwischen kehligem Rockgesang und quietschender Mädchenstimme, angetrieben von einer rockigen Gitarre und immer wieder unterbrochen von psychedelischen Geklimper – der Song erinnert an Spielereien der Sechziger und Siebzigerjahre, etwa "Good Morning" der Beatles. Dem Beiheft zufolge ist der Song von Charles Baudelaire inspiriert.

PJ Harvey im Netz: www.pjharvey.net, www.pjharvey.de

Weiterhören:
PJ Harvey - Uh Huh Her, PJ Harvey - The Peel sessions 1991 - 2004

AVIVA-Tipp: Das neue Album von PJ Harvey wird sicherlich einige alte Fans irritieren, denn es ist keine Wiederholung der erfolgreichen Vorgängeralben. Stattdessen leben Harvey und Parish ihre Experimentierfreude aus. Das Album erfordert Flexibilität beim Zuhören, belohnt aber mit vielen fantastischen Einfällen. Bei jedem Hören fallen neue Details auf. Großartig!

PJ Harvey & John Parish
Label: Universal Island Records Ltd., VÖ März 2009

Music Beitrag vom 01.04.2009 Claire Horst 

   




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