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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 08.10.2009

Shakira - She Wolf
Lisa Erdmann

Hinter einem Cover, welches jede emanzipierte Frau als Diskriminierung verstehen kann, versteckt sich ein orientalischer Mix aus feinsten RnB- und Electroklängen, die sowohl club-...



... als auch chartverdächtig daherkommen.

Es scheint fast erschreckend, wie sich Shakira nach zwei Jahren Kreativpause in ihrem neuen Video zur Single She Wolf mit hautfarbenen Catsuit im Käfig rekelt. War die Künstlerin einst musikalische Ikone der Weiblichkeit, fragt Frau sich nun beim Anblick des Covers, warum Shakira sich nach fast 20 Jahren Bühnenerfahrung getreu dem "Sex sells"-Motto vermarkten muss. Mit Wespentaille und jeder Menge Photoshop-Retusche präsentiert sich der Betrachterin keine "She Wolf", sondern eine vogelscheuchenartige Plastikpuppe, die sich in eine Paillettencorsage zwängt.

Produzent der ersten Singleauskopplung zum gleichnamigen Album "She Wolf" war niemand geringeres als John Hill, der nicht zuletzt durch seine Produktion des Santigold (früher Santogold)-Albums weltweit allerbeste Kritiken bekam. Sehr elektronisch kommt sie diesmal daher, die kolumbianische Wölfin und sie hat sich ordentlich Unterstützung mitgebracht - die Produzentengrößen Wyclef Jean und Pharrell Williams haben auch bei Shakiras achtem Album, zugleich ihr drittes englischsprachiges Studioalbum, wieder mitgemischt und treten bei mehreren Tracks als Co-Writer auf.

Die Lateinamerikanerin zeigt, wie komplex ihre Musik ist. Kommt Track Nummer Drei "Long Time" noch ganz südländisch mit verspielten Tango-Rhythmen und nach Reggaetonmanier ins Ohr, führt der nächste Titel "Why Wait" in eine andere Welt. Zusammen mit "Good Stuff verzaubern die beiden Songs mit einer Spur "Tausendundeine Nacht". Orientalische Klänge und viele einheizende Trommeln laden ein zu einer Reise in arabische Nächte und Bollywoodsphären. Es klingt nicht gezwungen, sondern nach Spaß am Musikmachen und Frau kauft Shakira diese feurigen Latinoklänge auf Grund ihrer Herkunft und ihres familiären Backgrounds ab, auch ohne getuntes Sexy-Vamp-Cover.

Spielt man den nächsten Song an, ist man sofort wieder im Hier und Jetzt, elektronische Pop-Beats holen die Hörerin zurück und Shakira schreit ihre wichtigste Frage heraus: "Where are all the men in this town" – es sind die Bässe, die bei diesem Album überzeugen, die Texte sind es nicht.

Zwiespältig bleiben vor allem die ersten beiden Titel des Albums, denn rhythmisches Gestöhne, Plastikbeats und eine knappe Melodie gefallen nicht jeder, vor allem nicht Hörerinnen, die Shakiras Musik nach gesanglichen Qualitäten und nicht nach dem Kriterium der Clubtauglichkeit bewerten.

Besonders gelobt werden muss jedoch, dass die Kolumbianerin auch ihr rockiges Können mit der Tanznummer "Mon Amour" beweist und vor allem Track Sieben, "Gipsy" sofort zum Ohrwurm avanciert. Gitarren, eingängige Percussion und ein Banjo im Background zeigen Shakiras Leidenschaft für Musik und eine ganz neue, eher minimalistische Seite der Sängerin. Shakiras Musik erinnert hier wieder an Bluegrass á la Alison Krauss und selbst der Text dieses Folklorehits hebt sich qualitativ von den anderen ab. Doch nicht nur bei diesem Titel fällt auf, dass Shakira sich von den lolitahaften Pop-Püppchen stark unterscheidet. Trotz Kreativität und Experimentierfreude bleibt sie sich selbst treu. Deshalb sind die Titel She Wolf, Did It Again, und Why Wait sowohl in englischer, als auch in spanischer Version auf dem Album vertreten – schließlich hatte die selbständige Songwriterin vor ihrem internationalen Erfolg in ihrer Heimat bereits seit ihrer Jugend eine riesige Fangemeinde.

Shakira landete in Deutschland bisher drei Nummer-Eins-Hits, weltweit gingen ihre Veröffentlichungen mehr als fünfzig Millionen Mal über den Ladentisch. Ihre letzten beiden Alben, "Fijación Oral Vol. 1" und "Oral Fixation Vol. 2", die beide 2005 erschienen und in Deutschland vierfach Platin erhielten, verkauften sich über acht Millionen Mal.

Shakira im Netz: www.shakira-online.de

AVIVA-Tipp: Sieht man vom unangenehmen Cover einmal ab, befinden sich auf dem abwechslungsreichen Album neben tanzbaren Uptempo-Sounds auch sanfte Balladen sowie typische Shakira-Latino-Tracks, die an den kolumbianischen Wurzeln der Künstlerin keinen Zweifel lassen.

Shakira
She Wolf

Label: Sony Music, VÖ: Oktober 2009

Music Beitrag vom 08.10.2009 Lisa Erdmann 

   




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