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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 01.04.2010

Ayin Aleph - Ayin Aleph II
Nadja Grintzewitsch

Verrückt, schräg, genial – zu dieser Künstlerin fallen einer/m viele Adjektive ein. Die Frau mit dem geheimnisvollen Namen hat sich disharmonisch-experimentellen Klängen verschrieben und zeigt...



...auch keine Scheu davor, klassische Musik mit düsterem Gothic und Metal zu vermischen.

Bei Alben, die nach den SängerInnen oder der gleichnamigen Band benannt sind, ist das ja immer so eine Sache. In den meisten Fällen handelt es sich um musikalische Eintagsfliegen, die ihr Debüt landen wollen - oder aber um blondierte Möchtegern-Diven, deren Lebensziel es ist, sich im CD-Regal für alle Zeiten ein Denkmal zu setzen. Nun ist auf dem Musikmarkt eine Dame aufgetaucht, die bereits ihrem ersten Album den eigenen Künstlerinnennamen aufgedruckt hat – und, damit nicht genug, der Nachfolgeplatte einfach den gleichen Titel mit einer römischen Zwei als Neuerung verpasst.

"Frech", denkt frau sich – und wird neugierig. Übersteigertes Selbstbewusstsein, gar Popsternchen-Egomanie? Vielleicht – aber beim ersten Reinhören stellt sich heraus, dass sich Ayin Aleph in keine der vorgefertigten Schubladen stecken lässt. Denn ihre Musik steht abseits jeglicher Gedanken an kommerziellen Erfolg – sie soll die Hörerin nicht mit ausgelutschten Chartklängen einlullen, sondern verblüffen und wachrütteln. Ayin Aleph macht Musik um der Kunst willen und erhebt den Anspruch, eben genau diese zu produzieren.

Die Songs auf "Ayin Aleph II" sind daher gekonnt disharmonisch, setzen auf donnernde Klavierklänge, wütende Orgelmusik, infernalische Streicher in Kombination mit sinistren Kirchturmglockenschlägen – um ganz plötzlich mit einem einsamen Cembalo ein harmloses Barockfeeling aufkommen zu lassen.

Das Beeindruckendste ist jedoch die Stimme der Künstlerin, welche sich in wirbelnde Höhen schraubt, dort oben Vibratos trällert, dass einer/m die Ohren klingen - um dann wieder abzufallen und sich sanft und zur Abwechslung mal harmonisch einzuschmeicheln. Aber nicht zu lange, denn das ist ja schließlich nicht Sinn der Sache.

Was wissen wir nun über die Frau mit den eigenwilligen musikalischen Ideen? Sie singt englisch mit stark russischem Akzent – und tatsächlich wurde sie auch in Moskau geboren, wo sie viele Jahre lebte und Musik studierte, bevor es sie zu weiteren Studien nach Paris und Brüssel verschlug. Das Klavier beherrscht sie meisterhaft und spielt alle Passagen selbst. Vom Auftreten und von den Texten her (ihre Stücke haben Titel wie "My bloody marriage" oder "The End") ist sie eindeutig der Gothicszene zuzuordnen. Sie soll auch ägyptische Wurzeln haben, was auch die Wahl der beiden semitischen Buchstaben als KünstlerInnenname erklären würde. Doch ansonsten bleibt Ayin Aleph, genau wie die Bedeutung ihres Namens, ein Mysterium.

Absoluter Anspieltipp ist das vierte Lied des Albums, "Grey Ashes", dessen Klavierakkorde à la Rachmaninoff noch lange im Ohr bleiben. Frau kann nicht anders, als bei diesen energiegeladenen Klängen mit dem Fuß mitzuwippen. Es ist eines der melodischeren Stücke auf "Ayin Aleph II".

Das sechste Lied der CD dagegen vereint klassisches Klavier mit einer Stimme, die in den entscheidenden Momenten mit voller Absicht einen halben Ton zu tief singt. "Autsch!" denkt frau sich und schielt beklommen auf die Rückseite des Albums – um erschreckt festzustellen, den einzigen deutschsprachigen Titel neben lauter englischen vor sich zu haben. Das disharmonische Stück hört bezeichnenderweise auf den Namen "Es muss sein" -und frau gesteht schließlich ein, dass hier keineswegs eine Verrückte am Werk war – sondern eine geniale Künstlerin.

Zwischen den einzelnen Stücken gibt es immer wieder Choreinlagen von maximal anderthalb Minuten, die eher an kollektive Pressatmungen in Kreißsälen denken lassen als an Musik. Doch sie passen wunderbar ins Konzept: In einer skurrilen Neuauflage der "Rocky Horror Picture Show" oder einer psychedelischen Version des "Phantoms der Oper" - mit Ayin Aleph in der Hauptrolle als weibliches Phantom - würden sie kaum auffallen.

AVIVA-Tipp: Ayin Aleph ist für LiebhaberInnen avantgardistischer Musik eine Offenbarung, für die Otto-Normal-Hörerin aber nur in ganz speziellen Gemütslagen tragbar- etwa bei Mordgelüsten oder einem plötzlichen Putzfimmelanfall während der Periode. AnhängerInnen der Genres Gothic oder Metal werden sie jedoch lieben. Eine positive Bewertung gibt es alleine wegen des Schneids, so etwas gänzlich Unkommerzielles und Innovatives zu kreieren! Bei soviel Mut zur Disharmonie darf Ayin Aleph ruhig noch weitere zehn Alben mit ihrem Namen versehen. Hauptsache, sie bleibt ihrem Stil treu.


Ayin Aleph im Netz:
www.ayinaleph.com


Ayin Aleph II
Ayin Aleph
Label: Invencis / Twilight VÖ: April 2010

Music Beitrag vom 01.04.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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