School of Seven Bells - Disconnect from Desire - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

etage7
Aviva-Berlin > Music AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Chanukka 5778




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 12.07.2010

School of Seven Bells - Disconnect from Desire
Evelyn Gaida

Nach dem viel gelobten und vom NME als "pop music of the future" betitelten Debütalbum "Alpinisms" legt das Trio am 12. Juli 2010 sein zweites Album vor. Es ist eine in Maßen weiterentwickelte ...



...Fortführung der multiplen, aber merkwürdig zweischneidigen Elektro-Sound-Texturen des Debüts. Futuristisch und rückwärtsgewandt, ätherisch und technoid, träumerisch und blechern bremsen diese Klangebenen sich letztlich gegenseitig aus - und verführen doch immer wieder zum Anhören.

Der Bandname lässt einen phantastischen Geheimbund vermuten, wurde nach Aussage der MusikerInnen aber von einer südamerikanischen Taschendiebakademie übernommen, die vielleicht nie wirklich existiert hat. Die Zwillingsschwestern Alejandra und Claudia Deheza gründeten die musikalische Variante der "School of Seven Bells" im Jahr 2007 gemeinsam mit Secret Machines-Gitarrist Benjamin Curtis. Begegnet waren sich die drei Mitglieder auf einer Tour von "Interpol", die ihre jeweiligen Bands als Vorgruppen begleitet hatten. Sowohl Curtis, als auch die beiden Sängerinnen verließen ihre vorherigen Engagements, um zusammen das aktuelle Projekt zu starten und ein Heimstudio aufzubauen.

Der zugrundeliegende Laptopsound, aus dem man das Tastaturgeklapper des Programmierens gleich mit herauszuhören meint, ist anfangs sehr gewöhnungsbedürftig. Nicht glücklich gewählt ist zudem der Album-Opener: "Windstorm" klingt wie eine Katze, die von Kindern gegen den Strich gebürstet wird. "Disconnect from Desire" gewinnt jedoch definitiv bei mehrmaligem Hören. Letzteres wird allein schon davon angeregt, dem Widerspruch von Missfallen und trotzdem vorhandener Anziehung auf den Grund gehen zu wollen. Fragil und gläsern, mehr gehaucht als gesungen multiplizieren sich die Sci-fi-Sirenenstimmen der Zwillinge zu einem geisterhaft verwehten Chor, der die HörerInnen mit feinen Klangnetzen umspinnt und einfängt. Getragen werden die Kaskaden dieses Stimmflusses von den atmosphärisch vervielfältigten, elektronischen Soundebenen, gedämpft eingestreuten Indie-Gitarrensequenzen und manchmal etwas notorischen Drum-Machine-Beats. Enya meets 80er Jahre Synthie-Power-Pop, New Order und Depeche Mode. Dieses sperrige Experiment, das laut Band die üblichen Genre-Restriktionen transzendieren möchte, entfaltet einen sonderbaren Reiz.

Vom Thema und Titel des Albums her gesehen, erfüllt es im Grunde exakt seine Mission: "Disconnect", vielleicht nicht "from Desire", aber von alltäglicher Bodenhaftung. Diese Songs stimmen die Wahrnehmung mehrere Tonlagen höher und schwereloser, suggerieren eine ruhelose Weite, der die Musik unablässig entgegenstrebt, wenn auch ohne Ziel und Ankunft. In variablen Formationen auseinander- und wieder zusammensummend wie ein Bienenschwarm, erreichen die drei besten Lieder - "Heart Is Strange", "I L U" und "Bye Bye Bye" - genau das: sich immer wieder zu einem energetischen Soundgewebe zu verdichten, das unauffällige, aber wirkungsstarke Details aufleuchten lässt. Schubkraft der Drum-Beats und ätherische Fliegkraft greifen genau ineinander, packen und reißen mit. In "I L U" wird eine untergründige Trauer an die Oberfläche geschwemmt.

Dennoch bleibt das Album gespalten. Andere Songs erreichen diesen zündenden Effekt nicht, sondern verfehlen ihn diffus, stellenweise unangenehm dissonant, und scheinen ihn nicht einmal anzupeilen. Dann wird daraus nicht mehr als eine stressige Hintergrunduntermalung mit Spa-Atmosphäre, die an sterile Lotus-Blüten, virtuelle Kunstwelten, nervösen Leerlauf oder Alu-Folie denken lässt.

AVIVA-Tipp: Technizistische Künstlichkeit und tanzbare Entrückung: Zwischen diesen Polen bewegt sich das schlafwandlerische Widerspiel der "School of Seven Bells", das eine Art neurotische Spannung und ein flirrendes Assoziationsgeflecht hervorruft. Gerade davon geht auch seine Anziehungskraft aus. Der artifizielle "Dream-Pop" dieser Band hat mit manchen Tagträumen etwas Wesentliches gemeinsam: einerseits sirenenhaft in eine andere Sphäre hinüberzuziehen, andererseits über das Illusionäre nicht hinauszukommen, das zugleich faszinierend und haltlos ist.

School of Seven Bells -
Disconnect from Desire

Label: Full Time Hobby, VÖ 12. Juli 2010

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.sviib.com

www.myspace.com/schoolofsevenbells

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Enya - Amarantine

Enya - And Winter Came ...

Music Beitrag vom 12.07.2010 Evelyn Gaida 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken