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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 24.03.2011

Clare Burson - Silver and Ash
Jonathan Scheiner

Silber und Asche. Clare Burson packt das Schicksal ihrer jüdischen Familie in großartige Songs. Spätestens seit Joan Baez sind junge sendungsbewusste Frauen, bewaffnet mit nichts als der Gitarre,..



... ganz groß in Mode.

Aber mal ehrlich: Man ist dieser Form des musikalischen Vortrags während der letzten fünfzig Jahre ein wenig überdrüssig geworden, ist das Strickmuster dieser Songs doch ebenso schnell durchschaut wie die sich wiederholenden Gefühlsbefindlichkeiten der Musikerinnen. Trotzdem gibt es in den USA einen geradezu inflationären Nachwuchs an Singer- and Songwriterinnen.

Innerhalb dieser Spezies gibt es, zumal auf jüdischer Seite, prächtige Exemplare. Zum Beispiel das jüdische Country-Girl Eleni Mandell oder auch die Amerikanerin Clare Burson. Ihr Debüt-Album "Silver and Ash" gibt es hierzulande bislang nur im Internet zu kaufen. In den USA dagegen werden die zehn Songs über das renommierte JDub-Label vertrieben, der Heimat so illustrer Musiker wie dem chassidischen Rapper Matisyahu oder DJ Socalled alias Josh Dolgin.

Auf der oberen Hör-Ebene entspricht die Musik auf "Silver and Ash" dem "Mädchen mit Gitarre"-Schema, das zuweilen zu einer Indierock-Band erweitert wird, durch Gast-Musiker wie den Gitarristen Mark Spencer, Andy Cotton am Bass oder Tony Leone am Schlagzeug. Das alles ist gut gemacht, aber nicht mehr als erwartungsgemäße Mustermädchenmusik.
Wären da nicht diese Texte! In "Everything´s Gone" etwa skizziert Clare Burson mit ein paar Worten eine heile Welt: Vater mit Baby im Wohnzimmer, die Mutter macht den Abwasch und das Radio läuft. "Alles ist vorüber, aber wir sind immer noch hier", fasst Burson die Situation knapp zusammen.

Das klingt zunächst ungefährlich, ein wenig mysteriös vielleicht. Doch diese Familie in diesem Song, das ist die Familie der jüdischen Großmutter von Clare Burson, Ende der Dreißigerjahre in Deutschland.
Das dramatische Schicksal von Bursons Familie schlummert hinter jedem ihrer Verse. Eine Zugfahrt ans Meer ist nicht einfach eine Zugfahrt in die Sommerfrische und selbst der Titel "Silver and Ash" (Silber und Asche) scheint nicht bedeutungslos. Kaum denkbar, bei Zeilen wie "My baby is in the sky/my baby is in the river" nicht an Paul Celans "Todesfuge" zu denken. "Ich wollte keine Holocaust-Geschichten erzählen. Mich hat es interessiert, die emotionale und psychologische Reichweite meiner Familiengeschichte auszudrücken", konkretisiert Burson.
Clare Bursons Familie lebte in der Thomasiusstraße in Leipzig und kam gerade noch davon. Das Cover der CD zeigt das rettende Schiff via England nach New York. Ein anderer Teil der Familie konnte zunächst nach Riga entkommen, wo sich die Spuren verlieren. Aber das hat Clare Burson erst viel später erfahren. Ihre Spurensuche hatte ursprünglich damit begonnen, dass sie als Kind das Schweigen ihrer Großmutter brechen wollte, wenn sie nach dem Inhalt dieser silbrig schimmernden Schwarzweiß-Fotografien (daher der Album-Titel) fragte, die die Oma aus Deutschland gerettet hatte. "Die Bilder waren eine Art Fenster, durch das hindurch ich meine Großmutter besser verstehen konnte".

Erst viel später hat Burson sich die Welt ihrer Großmutter und die ihres Urgroßvaters Leopold Rabinowitsch, der in Leipzig ein Rauchwaren-Geschäft (also einen Pelzhandel) betrieb, mit eigenen Augen angeguckt. Mitte der Neunzigerjahre hat sie für zwei Jahre in München, Frankfurt und Berlin gelebt. Sie hat am Fritz Bauer-Institut und am Haus der Wannseekonferenz gearbeitet. Sie hat die deutsche Sprache gelernt und hat das deutsche Essen gegessen. Und sie hat gelernt zu differenzieren. Heute entspricht ihre Haltung gegenüber Deutschland weder der ihrer Großmutter, die nichts mehr mit ihrem Geburtsland zu tun haben wollte, noch der ihres komplett assimilierten Großvaters mütterlicherseits, Erich Cohen. Seine Familie lebte seit dem Mittelalter in Deutschland. Trotz Shoah hatte er "für sein Geburtsland nicht anderes als Liebe übrig", staunt die Enkelin.

"In Deutschland zu leben hat das Land für mich entmystifiziert. Es ist heute weder das schaurig-düstere Land meiner Kindheit noch das romantische Alte-Welt-Märchenland aus den Tagen, als ich erwachsen wurde. Ich bin sehr berührt vom heutigen Deutschland, zumal von Berlin, wenngleich ich stets einen enormen Verlust fühle bei dem Gedanken, was alles hätte sein können."


Clare Burson
Silver and Ash

Rounder Records 2010/JDub Records

clareburson.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Eleni Mandell - Artificial Fire

Music Beitrag vom 24.03.2011 AVIVA-Redaktion 

   




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