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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 14.06.2011

Madeleine Peyroux - Standing On The Rooftop
Marie-Luise Wache

Mit mutigeren Kl├Ąngen, einer reiferen Stimme, die sich auch ├╝ber den Jazz hinaus orientiert und neuen musikalischen Weggef├ĄhrtInnen begeistert die US-amerikanische S├Ąngerin mit einem f├╝nften,...



...abwechslungsreichen Album.


Im Alter von 22 Jahren erschien das Deb├╝t "Dreamland" der ehemaligen Stra├čenmusikerin, seitdem sind drei weitere erfolgreiche Alben erschienen.
Nachdem sie mehrere Auszeichnungen und Anerkennung von internationalen Top-MusikerkollegInnen f├╝r ihre Arbeit erhielt, fand Madeleine Peyroux zwei Jahre nach dem letzten Album "Bare Bones" nun die Inspiration, sich auf andere Art und Weise mit Eigen- und Fremdkompositionen auseinander zu setzen.

"F├╝r dieses Projekt w├╝nschte ich mir ein breiteres musikalisches Szenario als auf den vorausgegangenen Alben", erkl├Ąrt Madeleine Peyroux. "Ich wollte diesmal h├Ąrtere, ja sogar h├Ąssliche Kl├Ąnge ausprobieren..."
Dass die Kl├Ąnge, die Peyroux einsetzt, nicht wirklich h├Ąsslich sind, versteht sich von selbst. Nach wie vor ist der gewohnt sanfte Klang ihrer Stimme und die ├ähnlichkeit zu Billie Holiday und Sarah Vaughn unverkennbar, wie sie ihr unter anderem auf AVIVA-Berlin bescheinigt wird, und verleiht "Standing On The Rooftop" die typische Handschrift der K├╝nstlerin. Jedoch erweitern verzerrte Gitarrenlaute und ein ├╝bereinandergelegter Hall streckenweise den Sound des neuen Albums erheblich.

Um ihr selbst gesetztes Ziel eines neuen Klangs zu erreichen, hat sie sich Unterst├╝tzung durch hochkar├Ątige SongwriterInnen und MusikerInnen geholt. Nachdem die letzten drei Alben von Larry Klein produziert worden sind, ├╝bernahm Craig Street, der daf├╝r bekannt ist, K├╝nstlerInnen aus der Reserve zu locken und unter anderem mit Rebekka Bakken, Norah Jones oder k.d. lang zusammenarbeitete, diesen Part bei "Standing On The Rooftop".

Neben einigen selbstkomponierten St├╝cken sind Neuinterpretationen der Klassiker "Martha My Dear" von den Beatles, "Love In Vain" vom Blueshelden Robert Johnson und Bob Dylans "I Threw It All Away" auf dem neuen Album zu h├Âren, von der K├╝nstlerin in aufregender Weise neu interpretiert.

Eine weitere Herausforderung bildete die Zusammenarbeit mit neuen Partnern f├╝rs Songwriting, so mit dem ehemaligen Rolling-Stones-Bassisten Bill Wyman. Gemeinsam komponierten sie einen der st├Ąrksten Songs auf dem Album: "The Kind You Can`t Afford", welcher mit einem groovigen Bass eine Coolness und L├Ąssigkeit transportiert, wie man sie in der Vergangenheit von Madeleine Peyroux selten zu h├Âren bekommen hat. Nur David Batteau, der auf dem Album unter anderem den Titelsong beisteuerte, ist zum wiederholten Mal als Komponist f├╝r die aus Georgia stammende S├Ąngerin t├Ątig.

Das Zusammenspiel mit den in verschiedenen Musikstilen verankerten Bandmitgliedern und Madeleine Peyroux, die sich eher im Jazz zu Hause f├╝hlt, macht den Sound des neuen Albums aus. Die verschiedenen Einfl├╝sse der au├čerordentlich talentierten MusikerInnen ist mal groovig, mal bluesig oder funky und bildet den Hintergrund f├╝r die unverkennbare Stimme der S├Ąngerin.
Besetzt ist das Ensemble mit der Bassistin Me`Shell Ndegeocello, welche unter anderem f├╝r Santana und die Rolling Stones spielte, dem Gitarristen und Banjospieler Marc Ribot, der bereits mit Tom Waits und Elvis Costello arbeitete, Schlagzeuger Charley Drayton, welcher mit Neil Young und Johnny Cash auf der B├╝hne stand, der mit Norah Jones arbeitende Keyboarder John Kirby und Gitarrist Chris Bruce, der sein K├Ânnen mit Seal oder John Legend unter Beweis stellte.

Anspieltipps: Mit "The Things I`ve Seen Today" ist der S├Ąngerin gemeinsam mit der Violinistin Jenny Scheinman ein sehr d├╝steres, faszinierendes St├╝ck gelungen. Dunkle Gitarren und eine schwere Melodie tragen Madeleine Peyrouxs Gesang, ein Hall, der mehr Tiefe schafft, unterst├╝tzt den etwas unheimlichen Sound.
Ein weiteres St├╝ck , das zu dieser neuen, experimentellen Riege z├Ąhlt und mit einem besonders verzerrten Klang wirkt, ist der Titelsong zum Album "Standing On The Rooftop". Die Mystik einer st├╝rmischen Nacht, die au├čerhalb von Zeit und Raum steht - bis die Sonne aufgeht ÔÇô wird durch einen abgehackten Rhythmus, dunkle Trommeln und wiederholt von einem groovigen Basslaut eingefangen. Gleichzeitig brilliert Madeleine mit einem in den Blues abdriftenden Gesang.
Langj├Ąhrige Peyroux-H├ÂrerInnen k├Ânnen aber beruhigt sein, denn es finden sich neben diesen abenteuerlichen Songs auch vertr├Ąumte, bluesige und funkige St├╝cke, wie "Lay Your Sleeping Head My Love", das einen leichten Genuss durch eine einfache Melodie von Gitarre und Piano schenkt oder das Bob Dylan Cover "I Threw It All Away". Mit langgezogenen Lauten, einer schleppenden Sprache und elektronisch ver├Ąnderten Instrumenten interpretiert Madeleine die alte Version "Love in Vain" von Blueslegende Robert Johnson v├Âllig modern, jedoch ohne die Einfl├╝sse des urspr├╝nglichen Genres auszublenden.

"Ich bin noch dieselbe S├Ąngerin, die ich schon als Teenager war, das hei├čt: eine S├Ąngerin, die in die Musik hineinwachsen m├Âchte, egal woher sie stammt. Ich denke nicht, dass ich etwas aufgegeben habe. Ich habe vielmehr etwas hinzugef├╝gt."

AVIVA-Tipp: In "Standing On The Rooftop" hat Madeleine Peyroux in Zusammenarbeit mit hervorragenden K├╝nstlerInnen die komplette Spannbreite ihres Talents ausgesch├Âpft. Die US-amerikanische S├Ąngerin ist an der neuen Herausforderung gewachsen, ohne etwas von ihrer alten musikalischen St├Ąrke zu verlieren. Sowohl f├╝r Fans als auch f├╝r "Neuzug├Ąnge" ist es diese spannende Entwicklung, die unbedingt zum H├Âren anregen sollte.


Madeleine Peyroux
Standing On The Rooftop

Label: Emarcy Records (Juni 2011)

www.madeleinepeyroux.com

www.jazzecho.de/madeleine-peyroux

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Madeleine Peyroux - Half the perfect world

Madeleine Peyroux - Bare Bones

Music Beitrag vom 14.06.2011 AVIVA-Redaktion 

   




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