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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 12.11.2008

Tracy Chapman - Our Bright Future
Henriette Jankow

Drei Jahre ließ die Amerikanerin nichts mehr von sich hören. Nun veröffentlicht sie ihr achtes Studioalbum: bekannt tiefsinnig und gesellschaftskritisch, gepaart mit ungewohnten Stilausflügen.



2008 gilt bereits vor seinem Ende als ein historisches Jahr in den USA. Selten war das Interesse an den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen so groß wie jetzt – nicht nur, weil sie den langersehnten Abschied von George W: Bush einläuten, sondern weil die USA gerade dabei sind, sich einer Werterevision zu unterziehen. Politikverdrossenheit ist derzeit out. Hollywoodgrößen mischen sich zahlreich in den Wahlkampf ein, oder verkünden, wie Susan Sarandon, ihre Auswanderung, sollte Barack Obama nicht der nächste Präsident werden.

Liegt es da nicht nahe, dass eine an und für sich politische Sängerin eine politische Platte veröffentlicht? Schließlich würde sie im schnelllebigen Medienzeitalter damit den Zeitgeist treffen - ein bisschen Klimarettung hier, ein paar Anti-Bush-Phrasen da und Friedenstauben ohnehin überall. Nun ist Tracy Chapman keine dogmatische politische Sängerin, ebenso, wie sie keine Opportunistin ist, die ihre Kunst an Trends verkauft. Sie tritt auch nicht inflationär in Talkshows des US-Fernsehens auf, um ihre Meinung zu den Präsidentschaftswahlen lauthals kund zu tun. (Ganz unter uns: Sie ist natürlich für Obama, hätte es aber lieber gesehen, wenn Hillary den ersten Etappensieg errungen hätte.)

Tracy Chapman ist die stille Revolutionärin, die mit ihren Songs immer den Teil der HörerInnen anspricht, der ebenso erzürnt ist, über die Ungerechtigkeit auf diesem Planeten wie sie und der sich ebenso nach menschlicher Liebe und Wärme sehnt.
Auch auf ihrem neuen Album "Our Bright Future" singt sie von Armut, Krieg, Religion, Liebe und Familie – und wie jedes Mal, wenn sie allein mit ihrer akustischen Gitarre Sehnsüchten ein Ventil verleiht und soziale Ungerechtigkeiten anprangert, glaubt man ihr, weil Tracy in ihrer Art überzeugend ist: melancholisch, tiefsinnig und echt. Sie thematisiert den Krieg, etwa im Titelsong "Our Bright Future", der durch die minimalistische Begleitung Chapmans Stimme und damit ihre Botschaft in den Vordergrund stellt: "To take the path where our bright future is in the past." Ab hier muss selbst gedacht werden. Tracy Chapman war schließlich noch nie jemand, die uns die Gedanken vorgekaut und in den Kopf gelegt hätte.

Sie sagte einmal, dass sie zum 11. September nie einen Song hätte schreiben können, weil sie einfach nicht über Ereignisse schreibe. So singt sie auch nicht über den Irak-Krieg, sondern sie hält Krieg als Zustand fest und prangert ihn an. In "Save Us All" wiederum spricht sie sich für religiöse Verschiedenheit in Zeiten der Islam-Paranoia aus: "Someones god will save us all". Dabei überrascht sie mit einigen Ausflügen ins Country-Genre, begleitet von Steel Guitars und einer Violine.
"I Did It All" wiederum erhält durch Larry Goldings und Rob Burgers Begleitung am Piano und der dunklen Klarinette eine sehr jazzige Note. Dieser Song ist eine Satire auf die eigene Zunft und erinnert an eine verbrauchte Hollywoodberühmtheit, die durch dunkle Spelunken zieht und ihrer eigenen Vergangenheit nachtrauert. "Sing For You", die erste Single-Auskopplung, ebenfalls begleitet von den genannten Pianisten, klingt fast ein bisschen nach Norah Jones. Womöglich hat Larry Klein, Produzent dieser Platte und Bassist auf den früheren, seine Finger im Spiel. Er produzierte bereits einige Platten von Joni Mitchell und Herbie Hancock. Dass es sich bei "Our Bright Future" noch immer um eine Platte von Tracy Chapman, der "First Lady of Folk", handelt, bleibt dennoch unbestreitbar.

Konzerthinweis: Am 19. November 2008 wird Tracy Chapman ihre Geschichte im Berliner Tempodrom live präsentieren.

Weiterhören: Ayo. und Asa

Tracy Chapman im Netz: www.tracychapman.com und www.about-tracy-chapman.net

AVIVA-Tipp: Eingefleischte Fans und Country-PhobikerInnen müssen keine Angst vor einer völligen Stilabkehr haben. Tracy Chapman bleibt sich nach wie vor treu. Ihre Stimme ist noch genau so unverkennbar wie damals, als sie vor 20 Jahren zum 70. Geburtstag Nelson Mandelas allein mit ihrer Gitarre auftrat. Ihre Texte sind noch immer so intelligent und einfühlsam wie ihr Debüt "Fast Car". Chapman war nie diejenige, die durch laute Protestmusik auf sich aufmerksam machte. Sie war stets die stille Beobachterin, die sich mit leisen Tönen und unbiegsamen Texten in einer tollwütigen Medienwelt, einen vorderen Platz erspielte. Diesen dürfte sie mit dieser Platte nur schwer verlieren. Ihre Ausflüge in den Jazz und die Country-Musik erweisen sich nicht als Abenteuerreise, sondern sind leicht und vor allem stilsicher. Sie wirken an keiner Stelle verstörend, sondern bieten einen neuen, melodisch ausgewachsenen Klangteppich für Chapmans dunkle Stimme. Was bleibt also an einem kalten verregneten Sonntag zu tun? Kerzen anzünden und Tracy lauschen, wie sie weise von der Liebe, dem Leben und der Welt singt.

Lesen Sie auch die Rezensionen zu Tracy Chapmans Alben "Let it Rain" und "Where you live" auf AVIVA-Berlin.

Tracy Chapman
Our Bright Future

Label: Elektra (Warner Music Group), VÖ: November 2008

Music Beitrag vom 12.11.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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