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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 14.03.2009

Soap and Skin - Lovetune for Vacuum
Claire Horst

Es ist schwierig, über Anja Plaschg alias Soap&Skin zu schreiben, ohne in schon hundertfach bemühte Klischees zu fallen. Zu viele, oft bediente Schubladen bieten sich an. Da wäre die des ...



... frühreifen Wunderkindes, denn schon sehr jung schrieb sie ihre eigenen Songs, die sie im Kinderzimmer einspielte, und mit dem Klavierspielen fing sie mit sieben Jahren an.

Gern wird auch staunend ihre Herkunft aus einem südösterreichischen Dorf erwähnt. "Anja Plaschg, die Tochter eines steirischen Schweinezüchters", nennt sie die Zeit. Das klingt so, als könne gute Musik nur aus der Großstadt kommen. Und natürlich wird immer wieder mit Besorgnis über sie geschrieben – so jung, so hübsch und schon so traurig! In manch einem männlichen Rezensenten scheint sie einen Beschützerinstinkt zu wecken – da schreibt einer, er wolle ihr am liebsten einen heißen Kakao machen, andere erwähnen immer wieder ihre Angst, die so empfindsame Musikerin könne sich die Pulsadern aufschneiden.

Von ihrer Musik ist meistens weniger die Rede als von der Person, die dahintersteckt. Dabei wäre gerade darüber genug zu sagen. "Lovetune for Vacuum", das gerade erschienene Debütalbum, erfüllt alle Erwartungen. Und Erwartungen gab es reichlich, seit Anja Plaschgs Single "Mr. Gaunt PT 1000" im Jahr 2006 auf dem Label Shitkatapult herauskam. Die damals erst 16-Jährige, die bereits an der Wiener Akademie der Künste studierte, hatte den Track an mehrere Labels geschickt. "Mr. Gaunt PT 1000" wurde hymnisch gefeiert, Anja Plaschg zu zahlreichen Festivals eingeladen und ihre Myspace-Seite tausendfach aufgerufen. Ihr Kunststudium hat Plaschg inzwischen abgebrochen. Stattdessen widmet sie sich ganz der Musik.

Und das hat sich gelohnt. Das Album fesselt schon beim ersten Hören. Neben Plaschgs zutiefst berührender, ätherischer und trotzdem eindringlicher Stimme sind es vor allem die Texte, die im Gedächtnis haften bleiben: "When I was a child / Peers pushed me hard / In my head/ In my neck/ In my chest/ In my waist/ In my butt." Wie in diesen Zeilen aus dem Stück "Spiracle" geht es bei Soap&Skin zumeist um Einsamkeit, um Verzweiflung und das Leiden an der Welt. Über ihren Weltschmerz singt Plaschg nicht nur, sie flüstert, schreit, krächzt ihn heraus. Wer sie einmal live erlebt hat, ist beeindruckt, vielleicht auch schockiert davon, wie viel sie von sich preiszugeben scheint. Dass Plaschg sich inszeniert wie eine Figur aus der Spätromantik – sie könnte in ihren schwarzen Gewändern, ihrem leichenblassen Gesicht und wirren Haar einem Roman von Mary Shelley entstammen – und mit ihren gerade 19 Jahren von einer scheinbar weit entfernten Kindheit singt, kann man belächeln. Ihre Musik aber ist mehr als eine Inszenierung.

Plaschg untermalt ihre Texte mit betörend schöner Musik, Kompositionen aus Klavier – auch das spielt Plaschg selbst – weiteren klassischen Instrumenten wie der Geige – ebenfalls Plaschg – , und Laptopeinsprengseln aus Alltagsgeräuschen. Die Kombination von klassischer Instrumentierung, verzerrtem und dennoch melodiösem Gesang und elektronischen Effekten erinnert manchmal an CocoRosie oder Anthony and the Johnsons, und auch Vergleiche mit Nico oder Kate Bush drängen sich auf. Plaschg selbst hat als Einflüsse Xui Xui, Cat Power, Björk, Nico, Aphex Twin, Sergej Rachmaninov und Arvo Pärt genannt.

Ihre Ähnlichkeit mit Nico ist auch anderen aufgefallen, was 2008 zu ihrer Besetzung in dem Stück "Nico - Sphinx aus Eis" von Werner Fritsch an den Berliner Sophiensaelen führte. Aus der mittelmäßigen Inszenierung ragte sie sowohl durch ihr beeindruckendes Auftreten als auch durch ihre Stimme heraus, die den einzigen bleibenden Eindruck hinterließ. Das Klischee von der Ausnahmekünstlerin ist bei Soap&Skin tatsächlich angebracht.

Konzerthinweis: 26.März 2009 Berlin – Festsaal Kreuzberg

Soap&Skin im Netz: www.soapandskin.com und auf MySpace

Weiterhören: Sophie Hunger und Marissa Nadler

AVIVA-Tipp: Soap&Skins Musik jagt eine Gänsehaut über den Körper, und bei Konzerten löst sie eine atemlose Stille aus, die noch sekundenlang anhält, wenn die Musik verklungen ist. Entgegen allen Vereinnahmungsversuchen hat Anja Plaschg ihre Wirkung durchaus im Griff. Um sie müssen wir uns keine Sorgen machen.

Soap&Skin
Lovetune for Vacuum

Label: PIAS Germany, VÖ März 2009

Music Beitrag vom 14.03.2009 Claire Horst 

   




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