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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 23.05.2009

Chairlift - Does You Inspire You
Tatjana Zilg

Dass die beiden Gründungsmitglieder des amerikanischen Trios sich in einem Wirtschaftskurs an der Universität kennenlernten, ist ihren Songs ganz und gar nicht anzuhören. Gekonnt spielen sie mit ...



... Elementen aus Glam Rock, Schweden Pop, Electro Dance Music und geben einen Schuss extravaganten New Yorker No Wave hinzu.

Schon längst haben Caroline Polachek und Aaron Pfenning den Uni-Campus in Colorado hinter sich gelassen. Ihre ersten Gehversuche im Studio unternahmen sie in Los Angeles. Das Ergebnis sicherte ihnen den Übergang vom Hörsaal ins turbulente Profi-Musikgeschäft. Mittlerweile leben sie in Brooklyn/New York und sind bei Sony unter Vertrag. Ihre beliebten Ohrwürmer "Bruises" und "Evident Utensil" sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie noch viel mehr als muntere Pop-Sommerhit-Kandidaten im Repertoire haben.

Dazu trug auch bei, dass die Position des dritten Bandmitglieds neu besetzt wurde, als es mit dem Einstieg ins Musikgeschäft ernster wurde. Ihren neuen Bassisten Patrick Wimberly kannten sie ebenfalls von der Uni, wenn auch nur vom Sehen. Patrick erlebte zu dieser Zeit ein Chairlift-Konzert in einem kleinen Club und war so begeistert, dass er sich schwor, eines Tages Teil der Band zu sein. Er sorgte nicht nur für frischen Wind am Bass, sondern brachte durch sein Studium in Jazz und Orchester-Arrangement viele neue Ideen zur Erweiterung des Chairlift-Sounds mit. Bisher waren die jungen Leute vor allem als Electro-Folk-Band zum Insider-Tipp geworden.

Auf ihrem Longplay-Debut "Does You Inspire You" gesellen sich so zu den eingängigen Pop-Songs orchestral angelegtere Stücke, die weitschweifigen Glam Rock und Electro Beats vereinen. Ein Exampel per excellence hierfür ist "Somewhere Around Here", das mit zuckersüßem, leisem Wechselgesang und einer sich im langsamen Tempo entfaltenden Songstruktur, die mit Glockenspiel-Klängen aufgehellt wird, in den Bann zieht. Noch mehr in Richtung Las Vegas Glam Style bewegt sich der Sechsminüter "Territory", der durch leidenschaftlich-balladesken Gesang, magische Instrumental-Soli-Einschübe und einen düsteren Grundrhythmus eine geballte Ladung an Sehnsucht und Melodramatik erzeugt.
Zu einem besonderen Vergnügen werden die auditiven Perlen von Chairlift dadurch, dass sie sich selbst nie zu ernst nehmen und stets eine humorvolle Ironie zwischen den Melodien und Texten aufblitzen lassen. Das erinnert an Dadaismus und Surrealismus und kann in den Videos zu "Evident Utensil", "Bruises" und "Planet Health" visuell vertieft werden.

Wie in den humorvollen und raffinierten Wortspielereien kleine Provokationen als Hookline hervorgehoben werden, zeigt sich in "Garbage", "Le Flying Saucer Hat" (ein französischsprachiges Discofunk-Stück) und "Bruises", wo aus einem "handstand" ein "headstand" wird. Gegen Ende des Albums wagen sich Chairlift zu einer persönlichen Perspektive auf die gängigen Klischees der Americana-Szene vor. "Don´t Give A Damn" schwelgt in getragenen Gitarren-Akkorden und zelebriert Liebesschmerz, Einsamkeit und Leben On The Road.

Weiterhören: Dear Reader und Elysian Fields

Chairlift im Netz: www.chairliftmusic.com und auf Myspace

AVIVA-Tipp: Im Zentrum des New Yorker Trios steht die ausdruckstarke Stimme von Caroline. Sie beherrscht alle Facetten, die Gesangsparts variationsreich und kurzweilig werden lassen. Zu munteren Pop-Melodien findet sie genau wie zu wildem Rock oder dunklem Glam das perfekte Timbre und bezieht dabei Kieksen, Summen, Juchzen und Hauchen mit ein. Aaron setzt in einigen Songs Kontrastpunkte mit seiner tiefen, geschmeidigen Stimme.
Dass sie in Amerika bereits auf dem besten Weg zum Kult sind, zeigt sich auf den vielen originellen Laien-Cover-Versionen zu "Bruises", die von Amerikas Indie-Jugend auf Youtube hochgeladen wurden. Die Ergebnisse des auf der Website von Chairlift ausgerufenen Wettbewerbs für Garage-Cover-Versionen zu "Evident Utensil" können folglich mit Spannung erwartet werden.

Chairlift
Does You Inspire You

Label: Sony, VÖ Mai 2009

Music Beitrag vom 23.05.2009 AVIVA-Redaktion 

   




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