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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 24.03.2010

Amparo Sanchez - Tucson-Habana
Tatjana Zilg

Mit Amparanoia bereicherte die Spanierin die Konzert-Biografie etlicher Musikfans um unvergessliche Erlebnisse. Gemeinsam brachte die Band sieben Studio-Alben heraus. Aber alles was gut ist, ...



... findet irgendwann ein Ende und gibt das Feld frei f├╝r neue Wege.

Im Sommer 2007 trennten sich Amparanoia. Schon vorher hatte Amparo Sanchez frischen Wind geschnuppert, als sie bei einem Jazzfestival in Montreal mit nur zwei Musikern den angek├╝ndigten Auftritt bestreiten musste. Der Rest der Crew hatte den Flug nach Kanada verpasst. Mit ihrem Bassisten und ihrem Schlagzeuger pr├Ąsentierte sie ihren fetzigen Latino Rock deshalb ganz ungewohnt als akustisch-reduzierten Set, woran sie und das Publikum viel Gefallen fanden und wodurch die Glut f├╝r ein eigenes Projekt entz├╝ndet wurde: "Was an diesem Tag geschah, war f├╝r mich ein fantastischer Zufall. Denn ich wollte schon lange das Publikum auf subtilere Art und Weise ber├╝hren und es mit meiner Musik und dem Klang meiner Stimme verf├╝hren."

Da traf es sich gut, dass sie schon seit 2003 mit Joey Burns und John Convertino von Calexico in regen Kontakt stand und einige Male zusammengearbeitet hatte. Die Jungs der Mega-Erfolgsband weilten w├Ąhrend des Festivals ebenfalls in Montreal und so wurden die Pl├Ąne f├╝r Amparos Soloalbum gemeinsam geschmiedet. Joey Burns hatte als optimale Umgebung f├╝r den Neustart das Wabelab Studio in Tucson, Arizona, vor Augen und ├╝berzeugte die Front-Senora davon, mit der W├╝ste in unmittelbarer N├Ąhe die Koordinaten f├╝r ihre ureigenen Songs zu bestimmen.

"Es war eine wunderbare Erfahrung. Ich habe in Tucson genau die richtige Stimmung f├╝r meine St├╝cke gefunden. Wichtig war nicht nur die Anwesenheit von John, Joey und der ganzen Crew. Tucson hat auch die Seele einer Grenzstadt. Ich habe mich in der Sonora W├╝ste sofort zuhause gef├╝hlt" beschreibt Amparo das inspirierende Setting.
Und doch wollte sie zugleich einer alten Liebe Tribut erweisen: Sie gab ihrer Begeisterung f├╝r kubanische Musik nach und reiste nach Kuba, um die zweite H├Ąlfte ihres Albums in den legend├Ąren EGREM-Studios in Havanna aufzunehmen. Joey Burns und Joey Convertino folgten ihr und trafen dort im Mai 2009 ein.

So stand der Vollendung von "Tucson-Habana" nichts mehr im Wege:
"In diesen Studios sp├╝rt man noch die Seele der vielen K├╝nstler, die sich dort die Klinge in die Hand gaben: Benny More, Ry Cooder mit Buena Vista ÔÇŽ die ganze Geschichte der kubanischen Musik."

In den vierzehn Songs trifft verwegenes Westernflair auf die lebenslustigen Rhythmen der Sonneninsel, welches gleich in den ersten beiden Songs zum Ausdruck kommt: In "Aqui Estoy" weisen weitschweifige E-Gitarren auf ferne Horizonte hin und bringen die Sehnsucht im Herzen zum Brennen, w├Ąhrend der Text pointenreich das ├ťberleben in einer Welt voller Haifische und Falken schildert. Danach flattert der beschwingte Rhythmus von "Hoja En Blanco" in den Raum. L├Ąssig dahinh├╝pfend auf einer gezupften Gitarre und von einem schwelgenden Background-Chorus begleitet, umrahmt er mit einnehmenden Charme die feminine Reife in der Stimme von Amparo Sanchez. Diese widmet sich mit Leidenschaft und Humor kleinen und gro├čen Geschichten ├╝ber Liebe und Ungerechtigkeiten, endlosen Reisen und dem Auf und Ab der Gef├╝hle w├Ąhrend eines ereignisreichen Lebens.

Amparo Sanchez mischte sich schon immer gerne unter die Musikleute an allen Orten, wo sie ihr eigener musikalischer Instinkt hinzog. In den 1990ern war sie mittendrin in der Madrider Szene, in der lateinamerikanische und spanische Jungtalente aufeinandertrafen und spontan miteinander jammten. Einer ihrer engsten Vertrauten war zu dieser Zeit Manu Chao.
Auch in Kuba tauchte sie spielend leicht ein in die Szene, die sp├Ątestens seit 1996 durch Ry Cooders Projekt "Buena Vista Social Club" und Wim Wenders┬┤ gleichnamigen Dokumentarfilm weltweit in aller Munde ist. Mit der legend├Ąren - heute 79 Jahre alten - S├Ąngerin Omara Portuondo teilte sie sich das Studio-Mikrophon f├╝r das Duett "La Parrandita De Las Santas", das sich in in einer bestechend sch├Ânen Sanftheit in die Ohren der H├ÂrerInnen wiegt. Immer wieder scheint in den Songs das virtuose Trompetenspiel von Jacob Valenzuela hervor - wie auch auf der ersten Singleauskoppelung "Corazon De La Realidad". Salvador Duran h├Ąlt hier Amparos Stimme einen maskulinen Gegenpart entgegen und ruft mit seinem markanten Tenor eine Mariachi-Stimmung hervor.

Weiterh├Âren auf AVIVA-Berlin: Amparanoia und Rupa Marya

Amparo Sanchez im Netz: www.amparosanchez.info und www.myspace.com/amparotucsonhabana

AVIVA-Tipp: Kakteen und kubanische N├Ąchte waren genau die richtigen Inspirationen f├╝r Amparo Sanchez. Mit "Tucson-Habana" ist ihr ein ausgewogener und kraftvoller Solo-Einstand gelungen, der jeglichen Trennungsschmerz der Fans schnell in Freude ├╝ber das Hinzugewonnene verwandeln wird. S├╝dliche Sinneslust und rockender Revolutionsgeist vereint sie mit grazi├Âser Nachdenklichkeit und intuitiver Innenschau. Durch die langsameren Kl├Ąnge einiger Songs treten St├Ąrken ihrer Stimme hervor, die bisher noch ein wenig im Schatten so mancher lauter Latino Rock-Fiesta gestanden haben.
Und nicht zuletzt eignet sich ihr Soloalbum bestens f├╝r die Aktivierung der Spanischkenntnisse f├╝r den Reisesommer 2010. Neben fotogenen Impressionen ihrer Kuba-Visite enth├Ąlt das Booklet alle Texte in englischer ├ťbersetzung.

Amparo Sanchez
Tucson-Habana

Label: Wrasse Records, Harmonia Mundi, V├ľ M├Ąrz 2010



Music Beitrag vom 24.03.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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