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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 15.02.2004

Rosenstolz - Alles eine Frage des Lichts
Sharon Adler + Anja Kesting

Seit 13 Jahren stehen AnNa R. und Peter Plate gemeinsam erfolgreich auf der Bühne. Im März 2004 erscheint ihr neuntes Album: "Herz". AVIVA-Berlin sprach mit ihnen über Liebe, Laster und Marotten.



NEWS Mit ihrer großartigen Ballade "Liebe ist alles" werden Rosenstolz am 19.03.2004 beim deutschen Vorentscheid zum Grand "Germany 12 Points" auftreten.

Damit kehren sie mal wieder, zumindest als Gäste, auf die deutsche Grand Prix Bühne zurück.

NDR Unterhaltungschef Jürgen Meier-Beer: "Ich freue mich sehr, dass Rosenstolz bei uns ihren neuen Titel "Liebe ist alles" präsentieren. Sie waren die ersten, die den Neubeginn beim Grand Prix in Deutschland eingeleitet haben...“

Fans und Freunde des Berliner Pop-Duos dürfen sich auf einen spektakulären TV-Auftritt von AnNa R. und Peter Plate freuen.


AVIVA-Berlin: Ihr singt auf eurem neuen CD "Herz" viel über Liebe, Trennung, Liebeskummer, Entfremdung, Sehnsucht... Ist das neue Album, das am 22. März 2004 erscheint, Euer Persönlichstes?
AnNaR.: Darum ging es schon immer, aber ich glaube, "Herz" ist das Album, das uns am nächsten kommt.
Peter Plate: Es ist sehr bei uns geblieben, das hatten wir gar nicht so geplant. Als erstes entstanden die Lieder "Liebe ist tot" und "Ich will mich verlieben". Die sind so privat - hätten wir Allerweltslieder dazu gemischt, hätte es einfach nicht gepasst. Jetzt ist es ein persönliches Tagebuch geworden.

AVIVA-Berlin: Wie geht ihr mit Liebeskummer um, was ist für euch das Schlimmste an einer Trennung?
Peter Plate: Im Moment leben AnNa und ich beide in glücklichen Beziehungen. Meine dauert jetzt schon 14 Jahre. Du hast aber trotzdem immer diese Angst vor Trennung. Auch wenn Du Dir deines Partners sehr sicher bist, wohnen Albträume in Dir. So ist auch "die Liebe ist tot" entstanden. Man träumt, dass der andere weggegangen ist und nicht wiederkommt, nicht mehr will, oder einem sagt: "Ich liebe dich nicht mehr".

AVIVA-Berlin: Oder sich in jemand anders verliebt.
Peter Plate: Ich glaube, das geht noch, da kann man sich ein Feindbild aufbauen. Meine erste große Liebe hat mich mit den Worten verlassen: "Ich liebe Dich nicht mehr."

AVIVA-Berlin: Wobei das ja auch ehrlich ist.
Peter Plate: Ja, das war total ehrlich.
AnNa R.: Ich wurde wegen einer anderen Frau verlassen, und habe es erst vier bis fünf Wochen später erfahren, das war hart. Ich habe sehr lange gebraucht, um das nachvollziehen zu können, um damit umgehen zu können.
Peter Plate: Glücklicherweise können wir ja darüber Lieder schreiben.

AVIVA-Berlin: "Hab mich zu weit entfernt, hab mich selbst ausgesperrt..."
In welcher Situation ist dieses Stück entstanden?
Peter Plate: Es ist über ein negatives Gefühl. Manchmal passiert’s, wenn ich morgens aufwache, dass ich mich überhaupt nicht mehr spüre und gar nicht weiß, wer bin ich jetzt eigentlich und weshalb mach´ ich den ganzen Quatsch. Und "wenn das dann das nächste Mal passiert, dann lass ich das nicht mehr zu, dann kämpf ich für mich, ich werde dich nicht mehr rausschmeißen". Wir haben damals den ersten Textentwurf meinem besten Freund vorgespielt und er meinte: "Das geht so gar nicht". Er kennt das Gefühl nicht. Dementsprechend haben wir es überarbeitet, damit es ein bisschen verständlicher wird. Ich glaube, jetzt begreift man das Lied und das dazugehörige Gefühl.

AVIVA-Berlin: Ihr habt das aktuelle Album in Hamburg aufgenommen? Wegen der Technik? Oder ist es manchmal nötig, sich von zuhause zu entfernen, um zu sich zu kommen?

AnNa R.: Das war nur ein angenehmer Nebenaspekt. Es ist eigentlich durch Zufall entstanden. Die Frau des Schlagzeugers war schwanger und vor der Aufnahme hatten wir mit der Band Proben. Da sie in Hamburg leben und wir nicht wussten, wann das Kind kommt, haben wir uns entschlossen, in Hamburg zu proben. Die angenehmen Aspekte waren: Wir hatten keine Rechnungen zu bezahlen, keinen Steuerberater, der anruft, man muss keine Lebensmittel einkaufen, was auch immer so die täglichen Sachen ausmachen.

AVIVA-Berlin: "Meine nächste Zigarette ist das einzige, was mich aufrecht hält". Ein Leben ohne Zigarette ist wie...
AnNa R.: Für mich wäre das furchtbar, ich kann es mir gar nicht vorstellen ohne Zigarette. Aber die Zigarette ist ja eigentlich nur ein Symbol. Es geht nicht unbedingt um sie, es geht um die feste Größe, dass hätte auch der Kaffee sein können, dass man sich an was festhält, an was klammert.
AVIVA-Berlin: Wie findet ihr die Sprüche auf den Zigarettenpackungen?
AnNa R.: Die bringen überhaupt nichts, ganz im Gegenteil. Junge Leute, die es abschrecken sollte, sehen es eher als einen Scherz. Alles was mit Verboten und Schildern zu tun hat, ist spannend für Menschen, das ist völlig logisch. Man glaubt immer, dass für Männer der Spruch mit der Impotenz was bringen könnte, aber das glaube ich nicht. Wer raucht, der guckt da gar nicht mehr drauf.

AVIVA-Berlin: "Liebe ist alles.....alles was wir brauchen". Was braucht ihr sonst noch?
Peter Plate: Musik natürlich, Gemeinschaft, Sex. Es gibt auch Sex ohne Liebe, für einige Menschen. (lacht) Für mich auf jeden Fall, aber das würde ich gar nicht zur Message erklären wollen. Das muss jeder so machen, wie er es gerne hat...Gesundheit.

AVIVA-Berlin: "Schlampenfieber" performt ihr immer wieder neu. Habt ihr schon eine Idee für einen neuen Stil auf der kommenden Tour?
Peter Plate: Ja, aber wir wissen noch nicht ob die Idee funktioniert. Wir hatten schon so viele Ideen zu "Schlampenfieber" die nicht funktioniert haben...wir müssen es erst mal probieren. Aber es wird wieder etwas ganz anderes sein, als bei den vorherigen Konzerten.

AVIVA-Berlin: "Amo Vitam" – ich liebe das Leben und "das gelbe Monster". Wie schafft ihr den Spagat zwischen Melancholie und Euphorie?
AnNa R: Wie schafft das der Mensch an sich? Also, ich halte das für eine völlig normale Geschichte. Es gibt kaum Menschen, die nur glücklich oder nur traurig sind. Es gehört einfach dazu, sich gut zu fühlen, sich schlecht zu fühlen. Mal traurig zu sein, mal euphorisch zu sein. Ich glaube, so ist der Mensch konzipiert. Was ja auch ganz gut ist, sonst würde man sich ja zu Tode langweilen.

AVIVA-Berlin: Langeweile ist das Schlimmste, oder kommt das gar nicht vor?
AnNa R. Doch, doch, natürlich kommt das vor. Langeweile ist auch zwischenzeitlich ganz toll. Im Urlaub beispielsweise, da will ich mich langweilen, weil dann der Erholungseffekt erst einsetzt. Die Regeneration des Körpers, des Geistes beginnt erst, wenn die Langeweile einsetzt und das kann man ja planen, das finde ich völlig korrekt.
Peter Plate: Bei mir ist es anders. Ich hasse Langeweile, ich finde Langeweile fürchterlich. Ich langweile mich so etwa viermal im Jahr und das ist ganz schlimm. Ich versuche, alles zu tun, damit das nicht vorkommt. Ich fühle mich dann so in meine Kindheit zurückkatapultiert, da hatte ich oft Langeweile.

AVIVA-Berlin: Inga Humpe, Marc Almond, Nina Hagen, Nena, Hella von Sinnen – mit wem wollt ihr unbedingt mal zusammen auf der Bühne stehen, einen Song machen, oderoderoder......
Peter Plate: Im Moment sind wir so intim, ein Herz und eine Seele, da ist noch nicht einmal der Gedanke entstanden.
AnNa R.: Das kann ich nicht sagen, das muss sich ergeben. Ich habe niemand, mit dem ich unbedingt performen müsste. Das ist immer eine persönliche Sache. Man ist irgendwo, trifft zufällig irgendwen und da fällt einem plötzlich ein, wie lustig das doch wäre, zusammen etwas zu machen. Aber planen kann man das nicht.
Peter Plate: Es hängt auch mit anderen Sachen zusammen, aber es muss sich größtenteils aus der Situation heraus ergeben. Mit Hella von Sinnen hatten wir einen amüsanten Abend und dachten, wir müssen mal was gemeinsam machen. Bei Nina Hagen haben wir angerufen, weil der Song eigentlich total auf sie zugeschnitten war, der passte zu ihr. Sie hat eine halbe Stunde später zurückgerufen und "Ja" gesagt.

AVIVA-Berlin: "Wenn ihr etwas nicht versteht, dann muss es doch nicht gleich falsch sein" – wie sind eure Erfahrungen mit ignoranten Menschen?
AnNa R. Wir versuchen generell in solchen Texte, den Leuten auch einen kleinen Schubs zu geben. Nachdenken, nicht ignorieren, hinterfragen. Wenn ich heute einen ignoranten Menschen treffe, würde ich ihn nicht überzeugen wollen, das ist Energieverschwendung. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass manche im Leben noch dazu lernen.
Peter Plate: Ich bin ein Überzeugungstäter, ich kämpfe dann schon bis zum letzten Moment. Ich versuche, den anderen zu überzeugen. Es macht mich krank, wenn ich das nicht schaffe. Ich rege mich echt total auf.
AnNa R.: Das habe ich mir völlig abgewöhnt. Ich habe mich früher viel aufgeregt. Wenn ich mich dann ärgere, dann aber richtig. Das schafft mich monatelang. Irgendwann sagte ich mir: "Da habe ich keinen Bock drauf, wenn sich jemand meinen vernünftigen Argumenten verschließt, hat er Pech gehabt".

AVIVA-Berlin: Ihr seid beide seit 2002 verheiratet – und das im Showbiz – wie geht das? (geht das gut)?
Peter Plate: Wir nehmen am Showbiz nicht wirklich dran teil. Wir machen eine Platte und geben auch Interviews, aber nur an bestimmten Tagen, die machen dann auch richtig Spaß. Ich freue darauf, weil ich weiß, das hat ein Ende. Ich will das gar nicht 50 Tage im Jahr.
AnNa R: Ich halte auch eigentlich nichts davon. Wenn ich jetzt zu der Platte etwas zu sagen habe, dann tu ich das, das ist in Ordnung. Ich stehe auch gerne im Mittelpunkt, so ist das nicht, aber das mach´ ich dann auf der Bühne. Ich muss mich nicht mit allen anderen auf irgendwelchen Parties vor jeder Kamera präsentieren. Zudem ich gar nicht gerne fotografiert werde.
Wir erlauben uns den Luxus, nicht 200 Tage im Jahr auf Tour zu gehen.

AVIVA-Berlin: Was macht Ihr dann so?
AnNa R.: Das was jeder macht. Mit Freunden ausgehen, alleine ausgehen. Zuhause bleiben, DVDs gucken, gammeln, kochen, alles Mögliche. Ich glaube, das ist auch ganz wichtig, auch noch ein "normales Leben" zu haben.
Peter Plate: Ich und mein Freund stehen morgens mit Rosenstolz auf, schreiben Musik und organisieren. Das macht uns totalen Spaß. Abends kommt aber der Punkt, wo das Wort Rosenstolz nicht mehr fallen darf, es funktioniert inzwischen automatisch, da muss man gar nichts mehr zu sagen. Meistens ist dann so um 23 Uhr Schluss. Dann schaut man noch eine DVD, oder unterhält sich, oder hört trotzdem noch Musik, aber versucht die Sache zu genießen. Es ist ganz wichtig abzuschalten. Früher haben wir uns oftmals noch nachts angerufen: "Du ich habe eine tolle Idee", so dass man dann nicht schlafen konnte.
AnNa R.: Tür zu, und dann privat: Das ist schon wichtig.

AVIVA-Berlin: Seit 1991 macht ihr zusammen Musik, fühlt ihr euch da auch manchmal wie ein altes Ehepaar? Geht ihr euch auch auf die Nerven? Wer hat von wem welche Marotten angenommen?
AnNa R.: Bis jetzt noch keine.
Obwohl Angewohnheiten die Angewohnheit haben, sich zu verstärken, je älter man wird.
Peter Plate: Vielleicht merken wir ja das auch nicht mehr, aber bewusst haben wir nichts von einander übernommen. Wir sind sehr unterschiedlich.
AnNa R.: Gott sei Dank - Wenn wir uns ähnlich wären, würden wir uns wahrscheinlich nicht verstehen. Oder uns würde langweilig werden. Wer hat denn Lust mit sich selbst zu streiten? Oder sich mit sich selber abzugeben?

AVIVA-Berlin: Ihr habt immer das Neue, Experimentelle - mit dem Mut zum Risiko - gewagt und nie ein Blatt vor den Mund genommen. Was inspiriert euch?
AnNa R: Es sind nicht immer wir persönlich. Man hat ja auch Freunde, das, was einem im Leben beeinflusst oder was einem im Jahr passiert ist. Es geschieht ja auch relativ viel, uns zumindest.
Peter Plate: Gestern hat ein Journalist zu mir gesagt: "Das ist eine richtige Rosenstolz Platte", Das war eigentlich auch unsere Absicht, so was wieder zu machen. Die beiden Vorgänger waren Platten, die nach außen wollten. "Herz" will jetzt wieder nach innen, es ist eigentlich eine Platte für uns. Bis auf unseren Freund kannte auch niemand irgendwelches Demomaterial. Dann war das Ding und ich fing an, es vorzustellen. Ich war völlig aufgeregt.., ja das sind halt wir (Rosenstolz) in der Platte, das ist anders als bei den Beiden vorherigen. Und bin auch total gespannt, wie unsere Fans das neue Album finden.

Vielen Dank für das Gespräch!

"Herz"- Das neunte Album von Rosenstolz kommt am 22. März 2004 in die Plattenläden. Die AVIVA-Berlin-Redaktion hat vorab schon einmal reingehört und ist der einheitlichen Meinung: Das schönste und persönlichste Rosenstolz-Album.



Konzertdaten der "Herz"-Tour unter:
www.rosenstolz.de

Music Beitrag vom 15.02.2004 AVIVA-Redaktion 

   




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