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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 03.01.2005

Jewels im Interview
Sharon Adler + Julia Richter

Vivian Kanner, ehemalige Frontfrau der Münchner Band "Gefilte Fish", ausserdem Schauspielerin, und Sharon Brauner, die seit Jahren als Schauspielerin und Sängerin im Rampenlicht steht.



Im Januar 2004 feierten sie in der Bar Jeder Vernunft Premiere mit ihrem Programm, in dem sie die osteuropäischen Melodien jiddischer Lieder mit lateinamerikanischen Rhythmen und Jazz-Klängen mischen. Seitdem hat das Duo zahlreiche Menschen begeistert und singt fast immer vor ausverkauftem Haus - und das, obwohl sie keine Werbung machen. Alles läuft über Mundpropaganda - "Mundfunk", wie die Jewels es nennen. Sie haben ihr Ziel erreicht, die Herzen der Menschen zu erwärmen. "Unsere Auftritte sollen wie Wellness für sie sein", sagt Sharon Brauner," das ist es übrigens auch für uns."

AVIVA-Berlin: Wann und wie entstand die Idee, "Jewels" zu gründen?
Sharon: Als ich anfing, jiddische Lieder aufzunehmen, rief Vivi an. Nach fast 20 Jahren. Wir kannten uns aus Kindheitstagen, hatten uns aber aus den Augen verloren. Wir trafen uns und haben unsere CDs ausgetauscht. Ich war begeistert von Vivi`s tiefer, dunkler Stimme und dachte: Das ist es! Warum sollten wir beide die gleichen Lieder alleine singen, wenn es sich zusammen schöner anhört und mehr Spaß macht. Ich hab sie gefragt, ob sie nicht Lust hätte, mit mir zu singen. Sie hat zugestimmt und war 3 Wochen später in Berlin.
Vivian: Ich hatte meine Wohnung in München zu dem Zeitpunkt schon gekündigt, weil mir bewußt war, dass ich mein Leben verändern wollte, aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, mich zu erdreisten, Sharon zu fragen: "Willst Du mit mir singen?" Dafür bin ich irgendwie zu schüchtern.

AVIVA-Berlin: Kann man sagen, dass ihr Jiddisch vor dem Vergessen bewahren wollt?
Sharon: Die Frage ist, ob wir das schaffen und ob das nicht eine Lebensaufgabe ist, die gar keinen Platz mehr läßt für anderes. Wir möchten das Jiddische einfach an jüdische und nichtjüdische, alte und junge Menschen herantragen.
Vivian: Vor ca. sechs Wochen hatten wir in Düsseldorf am ersten Abend des jüdischen Jugendkongresses einen sehr bewegenden Auftritt. Zu Beginn waren die Jugendlichen sehr skeptisch und dachten sich wahrscheinlich, "was wollen die zwei Vögel da oben auf der Bühne?" Aber am Ende unseres Auftrittes waren sie ganz begeistert, sind aufgestanden und haben mitgesungen. Das war sehr schön!

AVIVA-Berlin: Eure Interpretation jiddischer Musik folgt nicht dem traditionellen Stil mit Geige und Klarinette. Wieso habt ihr Euch dagegen entschieden?
Vivian: Den Klang der Klarinette kann ich nicht länger als eine halbe Stunde ertragen. Geige und Klarinette gehören eher in den Bereich der Klezmermusik.
Sharon: Das machen so viele Leute - ich wollte einen anderen Stil, eine neue musikalische Mischung ausprobieren. Die heutige Zeit der Globalisierung bietet uns die Möglichkeit, viele Stile zu mischen. Das wollen wir kreativ ausschöpfen.

Fotos von Mathias Bothor
AVIVA-Berlin: Nach welchen Kriterien erfolgt eure Liedauswahl?
Sharon: Wir haben im Kopf gesammelt, kannten einige Stücke noch aus unserer Kindheit. Dann haben wir einfach zusammengeschmissen.
Vivian: Wir waren bei Freunden, die eine unfassbare Sammlung an jiddischen Liedern haben, die nicht zu den "Best-of" gehören. Daher stammen so wunderbare Lieder wie "Miami Beach". Als ich in Israel war, fand ich einem kleinen Plattenladen eine CD der Barry Sisters, die Standardlieder wie "My Way" jiddisch interpretierten. Davon haben wir uns inspirieren lassen.

AVIVA-Berlin: Wann würdet ihr einen Auftritt annehmen bzw. ablehnen?
Vivian: Jeden Auftritt nehmen wir nicht an. Die Location, die Gage oder der Anlass sollten stimmen. Wir sind in der letzten Zeit auf sehr vielen Charity-Veranstaltungen aufgetreten. Dabei haben wir zwar immer dafür gesorgt, dass unsere Musiker Geld bekamen, aber wir haben umsonst gesungen.
Sharon: Es muß irgendwie Sinn machen. Aber das macht es meistens, weil es allein schon irren Spaß macht mit unseren Musikern aufzutreten. Im Prinzip singen wir da, wo man uns hören will und man uns gut behandelt.
Vivian: Unser Auftritt im jüdischen Altersheim war sehr bewegend. Ein 85jähriger Mann, der früher als "Wunderkind von Riga" galt und in der großen Rigaer Synagoge mit den Kantoren gesungen hat, stimmte mit seinem Tenor einfach in unsere Lieder ein und sang mit Sharon "Ich hob Dich zuviel lieb" im Duett.

AVIVA-Berlin: Gab es auch Abende, an denen Ihr auftreten mußtet, obwohl Ihr keine Motivation hattet oder es Euch nicht gut ging?
Sharon: Das ist jedes Mal so, aber nach der Show sind wir immer froh, dass wir es doch gemacht haben.

AVIVA-Berlin: Eure Ziele mit "Jewels"?
Sharon: Wir möchten die Herzen der Menschen erreichen.
Vivian: Menschen ansprechen und bewegen. Wenn Zuschauer nach der Show zu uns kommen und begeistert sind oder sich bedanken, haben wir erreicht, was wir wollten.
Sharon: Nach einer Veranstaltung im Tränenpalast kamen junge Menschen auf uns zu, die sagten, sie seien gegen ihren Willen zu unserem Auftritt "geschleppt" worden, aber wir hätten es geschafft, ihre Herzen zu öffnen, und sie seien uns ewig dankbar dafür. Da haben wir das Gefühl, der Spruch: "Es muß von Herzen kommen, was Herzen erreichen soll", geht voll auf und sind glücklich.
Vivian: Außerdem möchte ich unbedingt in Israel auftreten.
Sharon: Ich würde gern in New York singen. Es gibt ja sehr viele große Städte, in denen der Bedarf nach jiddischen Liedern vorhanden ist, wie Kapstadt und Buenos Aires.

AVIVA-Berlin: Sharon, Du hast eine deutschsprachige Pop-CD produziert, die Du auf Deiner Homepage www.sharonbrauner.de im Internet vertrieben hast. Träumt ihr von einem Plattenvertrag?
Sharon: Träumen nicht. Sollte sich was Interessantes ergeben, gut. Wenn nicht, machen wir halt weiter wie bisher und machen alles selbst. Geht ja auch so.

AVIVA-Berlin: Vivian, Du warst 4 Jahre lang Frontfrau der Band "Gefilte Fish". Worin besteht der Unterschied in der Liedinterpretation bei "Jewels" und "Gefilte Fish"?
Vivian: Der Stil bei "Gefilte Fish"war konzertant: Geige, Gitarre, Kontrabass und Bandoneon. Wenn mich vor einigen Jahren allerdings jemand aufgefordert hätte, jiddische Lieder zu singen, hätte ich es abgelehnt. Ich habe immer Menschen verurteilt, die das "Jüdisch sein" kommerzialisieren. Aber diese Band ist an mich herangetreten und da mir meine Kartenleserin zwei Tage zuvor geraten hatte, mehr mit meiner Stimme zu machen, dachte ich: Das ist ein Zeichen! So wurde ich - ohne jemals Gesangsunterricht bekommen zu haben - die Frontfrau von "Gefilte Fish". Da keiner Tomaten geworfen hat, bin ich immer wieder auf die Bühne gegangen, und ich finde es geiler als Theaterspielen. Ich habe erst in Berlin angefangen, Gesangsunterricht zu nehmen.

AVIVA-Berlin: Hast Du das Theaterspielen jetzt zugunsten Deiner Gesangskarriere aufgegeben?
Vivian: Aufgeben tue ich grundsätzlich nichts. Aber als Theaterschauspieler ist man oft auf Tournee, manchmal 3 oder 4 Monate durchgehend unterwegs. Das war auch ein Streitpunkt zwischen mir und meiner Band in München. Ich habe mich dann für die Arbeit mit der Band entschieden und hauptsächlich Kindertheater gespielt, wo ich nur nachmittags beschäftigt war und abends Zeit für Bandproben und- auftritte hatte.

AVIVA-Berlin: Was wäre deine absolute Traumrolle?
Vivian: Meine absolute Traumrolle habe ich schon gespielt. Das war Winnie the Pooh als Kindermusical, in der Komödie am Bayrischen Hof in München, aber Puck aus Shakespeares "Sommernachtstraum" würde mich auch sehr reizen(d).

AVIVA-Berlin: Was war der Grund für Deinen Umzug von München nach Berlin?
Vivian: Es war immer schon ein Wunsch von mir, nach Berlin zu ziehen. In München hatte ich meines Erachtens alles erreicht, was ich erreichen konnte. Inzwischen bin ich drei Jahre in Berlin und bereue keine einzige Minute, auch wenn es teilweise sehr hart für mich war.

AVIVA-Berlin: Was war hart für Dich an Deinem Umzug nach Berlin?
Vivian: Ich bin ein sehr liebesbedürftiger Mensch und musste viele Freunde in München zurücklassen. Meine Familie ist zerstreut: Meine Eltern und mein Bruder leben in Israel, meine Schwester in Frankfurt am Main. Und so war die kleine Vivian, das Nesthäkchen der Familie, plötzlich allein in der großen Stadt Berlin, die ein sehr hartes Pflaster ist. Ich bin viel zu sensibel, um die ruppige Art dieser Menschen leicht zu verkraften, aber mit Humor und einem Lachen habe ich die Umstellung gut gemeistert. Es war hart, aber auch gut und hilfreich, denn ich glaube, dass man auch durch die tiefen Täler des Lebens gehen muß, um auf den Höhen anzukommen.

AVIVA-Berlin: Woher nimmst Du Deine Kraft, mit schwierigen Situationen oder Rückschlägen umzugehen?
Vivian: Mein irrsinniger Wille treibt mich an. Ich bin wie ein Steh-auf-Männchen. Nach dem Abitur war mir längst klar, dass ich Schauspielerin werden wollte. Ich habe mich bei sämtlichen großen Schauspielschulen wie Falkenberg in München beworben und bekam nur Absagen. Das war ein harter Schlag für mich, aber es hat mich trotzdem nicht davon abgehalten, an die großen Bühnen zu kommen. Ich habe mit vielen berühmten Persönlichkeiten gespielt und dabei gemerkt, dass die auch nur mit Wasser kochen. Diese Erkenntnis hilft einem, viele Dinge zu relativieren, und mit der Zeit wird man ja auch älter und reifer. Das macht es manchmal leichter, Rückschläge zu verkraften.



Fortsetzung

Music Beitrag vom 03.01.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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