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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 07.03.2003

Musik + Entertainment populärer jüdischer KünstlerInnen aus Wien, Berlin, Hamburg und München, 1903-1936
Natasa Konopitzky

... das waren Zeiten! Ton-Dokumente der blühenden jüdischen Kulturszene vor der Shoah sind gesammelt auf 3 CDs erschienen...



Die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts waren eine künstlerisch sehr bewegte Zeit. Viele der berühmten LiteratInnen, SchauspielerInnen, SängerInnen, KabarettistInnen waren Juden bzw. Jüdinnen. Sie leisteten bis hinauf in die 30iger Jahre einen wesentlichen Beitrag zum kulturellen Leben in Österreich und Deutschland. Die Machtübernahme der Nazis ließ die literarisch wertvolle und schillernde Unterhaltungs- und Kleinkunstszene aus dem deutschsprachigen Raum verschwinden.

Jüdische Musik & Entertainment von 1903-1936 in Wien. In Wien entstand kurz nach der Jahrhundertwende eine eigenständige Form der Kabarettkunst mit Chansons, Couplets, Balladen, lyrischen Texten, Operetteneinaktern, Volksliedern und Parodien, die zum Großteil jüdisch war. Der jüdische Humor der Kabarettszene, welcher sich durch seine pointierte Satire auszeichnete, wurde zu einer Art Markenzeichen Wiens. Umjubelte Künstler wie Heinrich Eisenbach und Armin Berg traten in der "Budapester Orpheums-Gesellschaft" auf. Die legendären und bis heute unvergessenen Doppelconférencen von Karl Farkas und Fritz Grünbaum waren ein absoluter Publikumsmagnet im Kabarett "Simpl", wo auch Josma Selim und Gisela Werbezirk auftraten.

Die Szene blühte, Zeitungen und Fremdenführer waren voll von Varieté- und Kabarettanzeigen. Die Wiener vergnügten sich im "Simpl", bei Franz Engel in der "Hölle" oder lachten über Hermann Leopoldi und Fritz Wiesenthal im "Etablissement L.W".
Ein sehr seltenes Tondokument ist jenes von Karl Kraus, dem meistgelesenen Kritiker, Satiriker und Chronisten jener Zeit, der auch, was weniger bekannt ist, ein hervorragender Rhetoriker war. Zunehmend schwieriger wurde die Situation für die jüdischen KünstlerInnen in den 30iger Jahren, bis 1938 der Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland die jüdische Kulturszene endgültig zum Erliegen brachte. Manche entkamen dem Nazi Regime durch Flucht ins Exil, viele, unter ihnen Fritz Grünbaum und Franz Engel wurden von den Nazis ermordet.

Jüdische Musik & Entertainment von 1903-1933 in Berlin, Hamburg, München. Zahlreiche Etablissements in Deutschland, wie das "Herrnfeld-Theater" in Berlin, waren von jüdischen Künstlern dominiert. Der beliebte Martin Bendix sang im "Herrnfeld" Varieté-Nummern, Couplets und Operetten-Lieder. Einen ganz besonderen Stellenwert in der regionalen deutschsprachigen Unterhaltungsszene nahmen Künstler wie Julius Thannhauser, die Gebrüder Wolf oder Alfred Auerbach ein. Sie sangen im Berliner, Münchner, Hamburger und schwäbischen Dialekt. Legendär war das Berliner "Metropol", wo ein Hit nach dem anderen produziert wurde. Die Wienerin Fritzi Massary feierte dort ihre großen Erfolge. Paul O`Montis, der große Chansonnier und Plattenstar, konnte es sich dank seiner Beliebtheit leisten, auch Lieder in Jiddisch aufzuführen.

Anfang der 30iger Jahre entwickelte sich Berlin zum Zentrum des neuen Mediums Film und seines Ablegers, der Tonfilmoperette. Die Sängerin Gitta Alpar war der Star der filmischen Operetten-Rennaisance. Am 5.3. 1934 erfolgte der Erlass durch Josef Geobbels, der alle öffentlichen Auftritte von "Nicht-Ariern" ab sofort verbot und somit die jüdische Unterhaltungsszene auslöschte. Einige KünstlerInnen flohen und konnten sich retten, für viele aber endete das Leben im Gas, wie auch für den einst gefeierte Schauspieler Kurt Gerron, der mit dem weltbekannten Titel "Mecky Messer" auf der CD zu hören ist. Er wurde von den Nazis gezwungen, den Propagandafilm "Der Führer schenkt den Juden eine Stadt" zu drehen. Um jegliche Spuren zu verwischen, wurden er und die anderen Mitwisser nach Fertigstellung des Filmes nach Auschwitz deportiert und vergast.

Mit der Doppel-CD Berlin, Hamburg, München und der CD Wien kann frau anhand der wichtigsten populären KünstlerInnen in die lebendige jüdische Musik- und Kabarett-Szene vor der Shoah eintauchen. Die CDs sind einerseits ein einzigartiges Ton-Dokument einer vergangenen Epoche und verdeutlichen andererseits anhand der tragischen Schicksale der KünstlerInnen die Grausamkeit der Nazi-Herrschaft. Das traurige Bewusstsein wird bestärkt, dass durch die Ermordung von Millionen Juden, KünstlerInnen und Nicht-KünstlerInnen, nicht nur ein kultureller sondern auch menschlicher Zusammenbruch stattfand. Ein Verlust, der trotz aller Bemühungen, weder in Österreich noch in Deutschland jemals wieder gutzumachen ist.



Populäre jüdische Künstler
Musik & Entertainment 1903-1933
Berlin Hamburg München

C & P TRIKONT 2001, US-0292, LC 04270, GEMA
ISBN/EAN 4015698029222
14,99 €100010969308"

Populäre jüdische Künstler
Musik & Entertainment 1903-1936
Wien

C & P TRIKONT 2001, US-0291, LC 04270, GEMA
ISBN/EAN 4015698029123
18,99 €

Music Beitrag vom 07.03.2003 AVIVA-Redaktion 

   




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