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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 25.08.2006

Mari Boine - Idjagiedas (In the hand of the night)
Silvy Pommerenke

Samische Kultur aus norwegischen Landen. Oder norwegische Kultur aus dem Samenland? Wie man es auch wendet oder kehrt, Mari Boine bleibt ein exotisch-nordischer Exportschlager, der meditativ...



...mittsommernĂ€chtlich die Hörerin in den Bann schlĂ€gt! Mehr denn je zollt sie ihrer Heimat und ihren Wurzeln Tribut und klingt fĂŒr die mitteleuropĂ€ischen Ohren gleichwohl unbekannt als auch beeindruckend!

FĂŒnfzig Jahre alt wird die Norwegerin im November, die bereits Mitte der achtziger Jahre ihr DebĂŒt "Jaskatvuooa Manna" hatte. Zwei Dekaden ist das nun her, und seitdem hat sich einiges geĂ€ndert. Anfangs sang sie nĂ€mlich nur in englischer und norwegischer Sprache, mittlerweile ausschließlich auf Samisch, denn: "Es ist eine gute Sprache zum Singen." WĂ€ren doch alle ErklĂ€rungen im Leben so einfach.
Was das samische von den anderen GesĂ€ngen unterscheidet, ist das sogenannte Joiken. Das ist der typische lautmalerische gutturale und oftmals improvisierte Gesang der Samen, der auf uralte schamanische Traditionen und Riten zurĂŒckgreift. Mit Hilfe der JoikgesĂ€nge und rhythmischen SchlĂ€gen auf der Handtrommel wurde einst (und wohl auch heute noch) Kontakt mit Geistern und Göttern hergestellt. Also all das, was uns als MitteleuropĂ€erin so fremd und faszinierend in den Ohren klingt.

Die SĂ€ngerin, die aus dem norwegischen Teil von Lappland kommt, oder auch dem europĂ€ischen Teil des nördlichen Polarkreises, glaubt an Sonnen- und Donnergötter, Wind- und Samengötter. Das hört sich alles befremdlich fĂŒr uns westlich orientierte Businessfrauen an, aber irgendwie hat man gleichzeitig bei Boine das GefĂŒhl: sie ist ganz eins mit der Natur! Das hört man, und wem sich bei ihrer Musik nicht Bilder von weitlĂ€ufigen, kargen, nordischen Landschaften auftun, der ist nicht zu helfen! Marie Boine schafft es, in einem technologisierten Zeitalter den RĂŒckbezug zur NatĂŒrlichkeit herzustellen. Man muss nicht zwangslĂ€ufig mit dem Motorboot durch norwegische Fjorde schippern, um diese Naturgewalten zu spĂŒren.

Ihre musikalische Biographie liest sich abenteuerlich und vielfÀltig:
da gab es eine Coverversion von John Lennon, eine Zusammenarbeit mit Kari Bremnes, eine Veröffentlichung unter Peter Gabriel und eine Kooperation mit Jan Garbarek. VielfÀltigkeit auf der einen, und Traditionalismus auf der anderen Seite zeichnen sie aus.

"Idjagiedas" ist insgesamt ein sehr ruhig gelungenes musikalisches Werk von Mari Boine. Da es sich allen zeitgemĂ€ĂŸen Stilisierungen und Modeerscheinungen versagt, ist und bleibt es ein ursprĂŒngliches StĂŒck nordeuropĂ€ischer Musikgeschichte mit weltweiter Adaption. Mari Boine ist das, was man weitlĂ€ufig als zeitlos bezeichnet. FĂŒr immer und ewig!

Weiterhören: Hedningarna und Ulla PirttijÀrvi.

AVIVA-Tipp: Ethnopop, Weltmusik, Samenjoik - wie auch immer man diese Musik nennen will, sie geht in`s Blut und vor allem in die Seele. Erdverbundene KlĂ€nge fĂŒr alles, was jenseits von Charts, Autobahnen, Fastfood und Hightech liegt.
Mutter Erde lĂ€sst grĂŒĂŸen!


Mari Boine
Idjagiedas (In the hand of the night)

Label: Emarcy Records, VÖ: August 2006.
EAN: 0602498554869
17,99 Euro90008115&artiId=5528072&nav=5247"


Music Beitrag vom 25.08.2006 Silvy Pommerenke 

   




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