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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 02.08.2006

Justine Electra - Soft Rock
Tatjana Zilg

Eine Australierin in Berlin. Das Debut-Album der modernen Globetrotterin verknüpft kontrastreiche Elemente zu einem melodiösen Patchwork aus Folk, Blues, Jazz, New Acoustic, 80ies Beat



Roboter & Retro & Romantik - geht das?
Die Website der Newcomerin anklicken und selbst beurteilen - das Video zu
„Fancy Robots“ zeigt einen lilliputanisch anmutenden Roboter, der sich seinen Weg sucht durch eine saalähnliche Wohnzimmerlandschaft in distanziert warmen, dunklen Rottönen vor strukturalen Hintergründen. Schließlich erblinzelt er eine liegende Dame mit sehnsüchtigen Augen. Kurzerhand erklettert er seinen singenden, femininen Gulliver.

Eine spielerische Tagtraumepisode, phantasievoll, erotisch und wohlklingend, die ein betörend-passioniertes Debut einleitet - 13 Tracks, die ineinander fließen, sanft verführen und doch genug Ecken und Kanten bieten, um die Spannung über das gesamte Album zu halten.

Entdeckt wurde Justine Elektra an einem warmen Samstagabend im Berliner Spätherbst. Doch sehr beeindruckt war sie nicht, als Christof vom Cityslang-Label sie nach einem Auftritt in dem Mini-Venue „Waffengalerie“ in Mitte ansprach. Entgegen aller Branchen-Konventionen überreichte sie ihre Demo-CD nicht mit einem charmanten Lächeln, sondern forderte 10 Euro. Glücklicherweise einigten sich Künstlerin und Label-Mensch auf einen Preis von 5 Euro. So stand der kritischen Beurteilung während der nächtlichen Heimfahrt nichts mehr im Wege. Und Christof bereute die Investition nicht.

„Blues & Reds“ erklingt. Wow! Was ist das? Ein Sample? Diese Stimme! Das war eben in der Waffengalerie durch das Wodkajohlen so dann doch nicht heraus zu hören. Was ist da noch alles los? Ist das jetzt Trip Hop? Nein. Zum Glück nicht. Das hat den Blues. Die Dame hat den Blues. Und eine gesunde Portion Größenwahn. Mann, ist das gut. Klingt aber auch gefährlich. Bedrohlich. Und dann wieder zerbrechlich.“ Das australische Stimmtalent hat offensichtlich nicht zuviel verlangt für ihre CD, der Cityslanger ist begeistert und Justine Electra hält kurz darauf ihren Plattenvertrag in den Händen.

Fünf Jahre lebte sie bereits in Berlin, meist in besetzten Häusern/Wohnungen, machte sich einen Namen als DJane für Hard Tech und entwickelte ihre ganz private Popmusik. Aufforderungen zu Teilnahmen an Kunst-Projekten stellten sich schnell ein. Sie war Gastautorin und -sängerin im Umfeld des Sonarkollektivs und bei Static und Tarwater, entschied sich dann aber für die Konzentration auf die Fertigstellung des eigenen Albums.

AVIVA-Tipp: Justine Electras Stimme legt sich wie eine Samtdecke um die Sinne der Lauschenden. Mal schmeichelnd, dann widerständig, plötzlich fordernd, um wieder verführerisch zu werden - ein gekonntes Spiel mit sanften und experimentellen Tönen.


Die Sängerin im Web: www.justineelectra.org/

Justine Electra
Soft Rock

Label: Cityslang, Rough Trade, VÖ Juni 2006
EAN: 5033197379821
16,99 Euro90008115&artiId=5452056&nav=5247"


Music Beitrag vom 02.08.2006 AVIVA-Redaktion 

   




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