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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 27.08.2006

Autonervous
Tatjana Zilg

Eine San Francisco-Berlin-Connection: Das verspricht bizarr-schräges, originelles, aus eingetretenen Genre-Pfaden Herauspreschendes. Laut, schnell, erotisch, elektronisch, mit Saxophon bereichert




Was passiert, wenn zwei Musikerinnen mit extravagantem und vielseitig-experimentellem Background aufeinander treffen? Klar, dass man da Außergewöhnliches erwarten darf, was sich selbstbewusst gegen gängige Trends stemmt.

Das Duo Autonervous besteht aus zwei Ladies, die diesseits und jenseits des Atlantiks in innovativ experimentellen Underground-Projekten mitgewirkt haben.

Die Kalifornierin Jessie Evans entzog sich den Anfängen einer allzu klassisch angelegten musikalischen Ausbildung, als sie mit 4 Jahren ihre Übungsgeige beiseite legte, um sich zahlreichen anderen Instrumenten zuzuwenden. Mit 15 Jahren entsagte sie auch der Schule, um sich mit Herz und Blut ihrer Musik-Leidenschaft zu widmen.
Sie studierte Jazz und spielte in San Francisco Bass und Saxophon in Bands wie Subtonix, Knives, Deep Throats.
2001 gründete sie ihr eigenes Projekt The Vanishing. Die Band sammelte schnell
vor den Clubbühnen eine Truppe von treuen Fans, die von Jessies unvorhersehbarem Live Verhalten fasziniert waren.
Vor zwei Jahren entschloss sich die extravagante Performerin, ihren Hauptlebensort
von der schillernden amerikanischen Metropole nach Berlin zu verlagern , wo sie in der ständig in Bewegung seienden Musikszene auf Bettina Köster trifft - und mit ihr eine Persönlichkeit, die wie kaum eine andere die deutsche Independent-Szene maßgeblich mitgeprägt hat. Sie ist Sängerin und Saxophonistin von Malaria, eine der wenigen Bands der 80er Jahre, die international große Beachtung fanden und sogar von John Peel zu den persönlichen Favoriten gezählt wurden. Schon die Vorgängergruppe Mania D. nannte er liebevoll „Queens Of Noise“.

Treibende elektronische Beats, mysteriöse Grundatmosphäre, raffinierte Highlights durch gekonnt vielseitigen Einsatz des Saxophons und eine provokative Bühnenshow, angesiedelt zwischen Underground-Kabarett, 80er Jahre Dark New Wave Posing und Electroclash-Attitüde - das sind Bettina Köster und Jessie Evans alias Autonervous heute.

Während die Stimme von Bettina Köster in tiefste Tiefen taucht, entdeckt Jessie Evans Gesangslagen in höheren Gefilden. Mal englische narrative Texte, mal deutsches Poetry-Slam, dann wieder ein Queer-Mix aus deutschen und englischen Sprachfetzen - es gibt viel zu entdecken auf den neun Tracks des Debutalbum.
In „Hello Lover“ erscheint der Gesang wie in einem Kinderlied, ergänzt durch erstaunlich fröhliches Saxophonspiel, bipolar veredelt zu einem Vampirella-Mythos durch die tiefen Backgroundvocals von Bettina Köster.
Einer Seelengefährtin aus den 70ern widmen sich Autonervous in „Gold“.
Der eindringliche Song mit dem verrucht-verführerischen Gesang, der die animalischen Sinne in Bewegung versetzt und kaum mehr loslässt, ist ein Remake eines Hits von Amanda Lear, der Glam-Pop-Sängerin mit der rätselhaften Geschlechtsidentität.

AVIVA-Tipp: Ein dunkel-abenteuerlicher Musik-Thrill, der den Puls extrem höher schlagen lässt, aufregend und tanzbar wie ein Cross Clash aus Siouxie & The Banshees und Le Tigre, erwachsen sexy wie The Cramps.

Autonervous
Autonervous

Label: Cochon Records, VÖ Juli 2006
ISBN: 6-76941-77732-7

www.autonervous.com

Music Beitrag vom 27.08.2006 AVIVA-Redaktion 

   




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