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AVIVA-BERLIN.de im November 2017 - Beitrag vom 07.12.2011

Sookee - Bitches Butches Dykes and Divas
Britta Meyer

Dass es intelligenten Hip-Hop gibt, wissen wir schon lange. Dass es ihn auch auf eine Weise gibt, die sich kritisch mit gegenderten Machtstrukturen, Heterosexismen und Geschlechterstereotypen...



... auseinander setzt, daf├╝r sorgt seit einigen Jahren Sookee. Ihr mittlerweile drittes Soloalbum nimmt sich f├╝nfzehn Tracks lang Zeit f├╝r aufhorchwillige Individuen jeden Geschlechts.

Wenn jemand linguistisch Geschultes sich daran macht, Sprechgesang zu schreiben, dann ist das generell eine interessante Sache. Wenn diese Person, wie im vorliegenden Fall, auch noch genderpolitisch unterwegs ist, dann f├Ąngt der Spa├č erst richtig an. An Themen f├╝r Sookees Texte herrscht wahrlich kein Mangel. Entmenschlichte Bildungssysteme, das Recht, sich ├╝ber Geschlechtergrenzen hinweg nach Belieben zu kleiden und zu verlieben, die Verharmlosung sexualisierter Gewalt oder die schmerzhafte Trauerarbeit nach einer Trennung, es gibt eine Menge, was hier in Worte gefasst wurde.

"Schluss mit der guten und der schlechten Frau
diese Trennung hat uns zu oft guten Sex versaut"


In jedem Song mindestens zweimal erlebt frau pers├Ânliche Wiedererkennungsmomente, wie beispielweise bei "Einige meiner besten Freunde sind M├Ąnner": Mansplaining und aggressives Dominanzgebaren ausgerechnet in gesellschaftlichen Umfeldern, die sich der kritischen Dekonstruktion ebensolcher Unterdr├╝ckungsmechanismen verschrieben haben? Ja, das gibt es, und zwar st├Ąndig.

"Ungefragt erkl├Ąrt er dominantes Redeverhalten
und merkt nicht, niemand hat ihn gebeten, ne Rede zu halten
Er findet Mackertum zwar schlimm und den Sexistenschei├č
aber fragt mich dann, ob ich meine Texte selber schreib"


Das Inspirierende des Albums liegt in seinem bei aller Wut ungebrochenen Optimismus. Sprache wird gezielt als eines der m├Âglichen Werkzeuge gebraucht, um Kritik zu ├╝ben, Absurdit├Ąten aufzuzeigen, Alternativen zu formulieren und lila Utopien zu schmieden. Sookees KollegInnen Refpolk, Bad Kat, Pyro One, Kobito und Captain Gips liefern dabei sprachliche Unterst├╝tzung. Getragen werden die beredten Zeilen von tanzaffinen Beats, gerade der extra f├╝r den Slutwalk geschriebene Titeltrack "Bitches Butches Dykes & Divas" erweist sich als ├Ąu├čerst hartn├Ąckiger Ohrwurm:

"Ich hasse keine M├Ąnner und ich trink mir keinen Mut an
wir nehmen zur├╝ck, was euch niemals zustand"


Es wird hingebungsvoll zerpfl├╝ckt, analysiert, seziert, parodiert, neu sortiert und zusammengef├╝gt, was nervt, was be├Ąngstigt, was hemmt und beschr├Ąnkt. Eine nicht zu untersch├Ątzende Infektionsgefahr ist gegeben und, wie die hier Schreibende argw├Âhnt, h├Âchstwahrscheinlich intendiert.

"Meine Utopie ist gar nicht so weit weg, hab ich verstanden
denn sie wohnt sehr wohl in meinem Kopf, somit in meinem Handeln
Ich glaub kaum an die Wahrheit, aber an Realit├Ąt
um zu glauben, es wird nix mehr, ist es viel zu sp├Ąt"


Und tanzen kann mensch dazu auch noch.

Zur K├╝nstlerin: Sookee, geboren 1983, hat germanistische Linguistik und Gender Studies studiert. Von 2003 bis 2007 trat sie zusammen mit der Crew "Profi Rap" auf. Im Jahr 2006 erschien ihr erstes Soloalbum "Kopf, Herz, Arsch", 2010 folgte "Quing" sowie das Gemeinschaftsprojekt "Deine Elstern" mit Kobito und Schlagzeiln. Sookee, auch unter dem Namen "Quing of Berlin" bekannt, kommt urspr├╝nglich aus Mecklenburg-Vorpommern und lebt seit 1986 in Berlin. Sie engagiert sich in der Bewegung "Smash homophobia" und trat unter anderem bei der "1000-Kreuze-in-die-Spree"-Demonstration im Jahr 2010 auf.

AVIVA-Tipp: Repeat. Repeat. Nochmal. Weil die Beats sich festsetzen, weil mensch die Lyrics am liebsten mitschreiben will. Rasend schnell, eloquent und im Wechsel witzig und w├╝tend auf den Punkt gebracht. Ihre Energie ist genauso ansteckend wie ihre Sehnsucht nach einer Welt der Menschen, nicht der Geschlechtergrenzen.
Geh nach Hause, Bushido, hier ist eine, die was zu sagen hat.

Lesen Sie auch unser Interview mit Sookee.

Bitches Butches Dykes & Divas
Erscheinungsdatum : 2. Dezember 2011
Label: Springstoff
Copyright: 2011 SPRINGSTOFF
Gesamtl├Ąnge: 56:55

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.sookee.de

www.springstoff.de

www.myspace.com/sookeeberlin

www.facebook.com/sookeeberlin

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