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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 12.12.2002

Wissenschaftsorganisationen im Wandel - Neue Perspektiven für die Gleichstellungspolitik
Ilka Fleischer

Unter dieser Fragestellung tagten AkademikerInnen im Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) - ohne viel Optimismus zu versprühen...



Frauen in der Forschung: Karrieren mit Barrieren

"Aber der Schrecklichste der Schrecken ist die Wissenschaftlichkeit der Weiber" postulierte am Ende des 19. Jahrhunderts der Philosoph Adolf Lasson. Am Beginn des 21. Jahrhunderts scheint seine These noch immer weite Verbreitung zu finden - in der außer-universitären Welt genauso wie im Wissenschaftsbetrieb. Im Rahmen der Tagung "Wissenschaftsorganisationen im Wandel - Neue Perspektiven für die Gleichstellungspolitik?" am 5./6. Dezember wurden im WZB jedenfalls kaum Erfolge gefeiert.


Gemessen an der Anzahl der Studienanfängerinnen wirken die Hochschul-Verhältnisse seit Mitte der 90er Jahre verheißungsvoll: An den Unis stellen Frauen mehr als die Hälfte und an den Fachhochschulen ca. 40 Prozent der ErstsemesterInnen.
In ihrer Abhandlung "Privilegiert und doch nicht gleich - Zum Arbeitsmarkt von Akademikerinnen" arbeitete Franziska Schreyer im November 2001 heraus, dass Akademikerinnen in Relation zu Nicht-Akademikerinnen in den meisten privatwirtschaftlichen Arbeitsbereichen zwar besser dastünden. Andererseits betont sie die bedenklichen Geschlechtsspezifika der Arbeitskonditionen: Im Unterschied zu den männlichen Ex-Kommilitonen arbeiten Akademikerinnen entsprechend eher auf unteren und mittleren Hierarchie- und Einkommensebenen und häufiger in befristeten Arbeitsverhältnissen, die unterhalb ihres Qualifikationsniveaus liegen.

Die Situation in den Wissenschaftsorganisationen stellt sich ebenso ungleich dar und weist dito gleichstellungspolitischen Bedarf auf. Trotz optimistischer Grundstimmung benennt auch Edelgard Bulmahn, Bundesministerin für Bildung und Forschung, im Rahmen der programmatischen Broschüre Mehr Frauen an die Spitze! Gender Mainstreaming in Forschungseinrichtungen die prekäre Lage:

"Wir haben eine breite Basis hochqualifizierter Frauen, aber an der Spitze sind Wissenschaft und Forschung nach wie vor fest in männlicher Hand."

Quantitativ bilden die diesjährigen "Informationen aus der Hochschulstatistik" und die "Fünfte Fortschreibung des Datenmaterials von Frauen in Führungspositionen" einen imposanten Einblick in die patriarchale Struktur der Hochschul-Welt. In Zahlen stellt sich die geschlechtsspezifische Auslese auf der Karriereleiter folgendermaßen dar:

49% Studienanfängerinnen
45% Uni-Absolventinnen
34% Promoventinnen
18% Habilitantinnen
15% von Frauen besetzte C3-Stellen an Forschungseinrichtungen
7% von Frauen besetzte C4-Professuren insgesamt
3% von Frauen besetzte C4-Stellen an Forschungseinrichtungen


Vor diesem Hintergrund wurde im Rahmen der WZB-Tagung vor allem der Frage nachgegangen, was Frauen von den gegenwärtigen Reformen in der deutschen Wissenschaft - Dienstrechtsreform, neue Befristungsregeln, Juniorprofessur, leistungsorientierte Budgetierung - zu erwarten hätten. Während Frau Bulmahn die dzgl. Initiativen der Bundesregierung als gleichstellungspolitisch aussichtsreich einschätzt, vertrat Dagmar Simon vom WZB die Auffassung, dass bislang noch nicht einmal der Versuch unternommen worden wäre, strukturelle Hürden zu beseitigen.
Zu den Kernaussagen der Tagung zählt in Konsequenz die These, nicht die Frauen lehnten eine Karriere in der Wissenschaft ab, sondern in das System eingebaute Barrieren behinderten sie. Eine subtile Anti-These dazu scheint Dr. Barbara Bludau, Generalsekretärin der Max Planck Gesellschaft im Rahmen der o.g. BMBF-Broschüre aufstellen zu wollen: "Ich engagiere mich gern und mit aller Energie für leistungsbereite Frauen!" Dazu wiederum passt das Tagungsergebnis, wonach sich die außeruniversitäre Forschung - also MPG & Co. - in Deutschland am wenigsten durch innovative Konzepte auszeichne...

Zur Optimierung des gleichstellungspolitisch mangelhaften Status Quo in den deutschen Wissenschaftsorganisationen wurden folgende Forderungen festgehalten:
  • Die Geschlechterfrage muss bei den gegenwärtigen Reformen des Wissenschaftsbetriebs eine größere Rolle spielen und
  • sie soll in das Forschungsmanagement der wissenschaftlichen Einrichtungen integriert werden.
  • Gleichstellungsbeauftragte sollten sich verstärkt in den Reformdiskurs einmischen.
Inwieweit die gesellschaftlichen und hochschulpolitischen Strukturen hinter der Idee vom ‚Schrecklichsten der Schrecken" damit aufgeweicht werden, bleibt abzuwarten...

Public Affairs Beitrag vom 12.12.2002 Ilka Fleischer 

   




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