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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 30.01.2012

AVIVA-Aufruf zum Protest, bitte unterzeichnen und weiterleiten - Der Kiosk-Hitler vom 30. Januar 2012
Susann S. Reck

Die Stimme des Radiomoderators verkündete an diesem Morgen nicht ohne Sensationslust, dass es wieder soweit war: "Ab heute könnt ihr euch die dritte Ausgabe von Auszügen aus Hitlers `Mein Kampf`...



... am Kiosk holen."

Ich ließ das Gehörte ein paar Sekunden sacken, hier in Berlin und 67 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs.
Zum dritten Mal, war mein erster Gedanke, wie konnte ich den Start verpasst haben. Und wieso am Kiosk, war mein zweiter. Was hat Hitlers "Mein Kampf" am Kiosk zu suchen, auch wenn die Auszüge von Experten kommentiert wurden, auch wenn sie bislang unleserlich gemacht werden müssen, weil der Rechtsstreit des britischen Verlegers Peter McGee mit dem Freistaat Bayern, bei dem bis 2015 die Rechte liegen, noch nicht beigelegt ist.



Der Gang zum Kiosk fühlte sich merkwürdig an und als ich die Ausgabe kaufte, poppig aufgemacht wie NEON oder INTERVIEW, sah ich mich um bevor ich zugriff. Weil ich mich schämte? Weil ich mich erklären wollte? Als ich die türkische Zeitungsverkäuferin fragte, ob ich ein Foto von der Ausgabe zwischen all den anderen Magazinen machen dürfte, antwortete sie das wäre kein Problem, das Ding sei der Renner. Zu Hause riss ich die Zellophantüte mit den bislang unlesbar gemachten Originalauszügen und der Beilage, zwei Zeitungen von 1933 auf: "Die Frankfurter Zeitung" und "Der Angriff". Beide kommentierten sie die Wahl Hitlers zum Reichskanzler.



Warum regte ich mich auf? Erregung und Empörung gelten im Jahr 2012 als etwas eher Altmodisches und wer wollte das schon sein? Ich will keinen Kiosk-Hitler, schoss mir trotzdem durch den Kopf. Die unlesbaren Textstellen von "Mein Kampf" machten neugierig, sie waren die beste PR für die geplante Erscheinung der gesamten (wenn auch gekürzten) Ausgabe im Juni. Auf der Rückseite des Heftes war von einem "Bestseller" zu lesen, den bislang kaum einer gelesen haben sollte.
Das Wort "Bestseller" wenigstens aktivierte meinen Verstand. Es ist geschmacklos, die Vorlage für einen Genozid einen "Bestseller" zu nennen, da war ich mir sicher. Abgesehen davon wurden die meisten Haushalte damit ungefragt beliefert. Als Hochzeitsgeschenk beispielsweise erhielten die Deutschen zwischen 1933 und 1945 vom Standesbeamten "Mein Kampf".



Es war auf der Rückseite des Kiosk-Hitlers "Zeitungszeugen" auch davon die Rede, dass die Hetzschrift fast 70 Jahre lang "unzugänglich" war. Wieso "unzugänglich", fragte ich mich. Jede größere Bibliothek führt ein Exemplar, im Internet ist es auch problemlos zu finden. Wer es lesen will, kann es tun. Bis 1945 gab es das Buch, wie schon erwähnt, in fast jedem Haushalt und ein sicher nicht unerheblicher Teil modert bis heute auf den Dachböden von Freiburg bis Königsberg.

Das wirklich Geschmacklose an dieser Publikation ist nicht nur, dass der Verleger Peter McGee aus der Hetzschrift "Mein Kampf" einen kommerziellen Nutzen zieht. Es ist die Tatsache, dass Teile dieser Schrift jetzt im Zeitgeistformat an jedem Kiosk zwischen der BILD, dem STERN, der GALA, DER ZEIT und der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN herumliegen, dass sich 67 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs eine zynische "Normalität" eingeschlichen hat die, mit ansprechendem Design, gewieftem Vorgehen und dem Argument der Aufklärung einfach so durchkommt.
Die Tatsache, dass die Originalauszüge unlesbar gemacht aber trotzdem verkauft werden, ist der eigentliche Knüller, denn jetzt wollen die KäuferInnen erst recht alle wissen, was Hitler geschrieben hat. Dass mit der Veröffentlichung nicht gewartet wurde, bis der Rechtsstreit mit dem Freistaat Bayern beigelegt ist, lässt am didaktischen Motivs MCGees mehr als zweifeln und eine perfide Marketingstrategie erkennen.

AVIVA-Berlin plant, mit den KioskbetreiberInnen in einen Dialog zu treten und sie aufzufordern, das Schmuddelheft aus dem Verkauf zu nehmen, AVIVA-Berlin ruft alle LeserInnen auf, in Eigeninitiative ebenfalls aktiv zu werden!

Darüberhinaus werden wir ein Schreiben an den "Verband der Deutschen Kioskbesitzer" senden, in dem wir verlangen, dass der Kiosk-Hitler "Zeitungszeugen" aus den Regalen genommen wird.
Pressefreiheit hin oder her.

Erstunterzeichnerinnen:

Susann S. Reck

Sharon Adler

Britta Meyer

Aurélia Vartanian

Britta Jürgs

Xenia Kadlec

Shoshana Evers

Cia Rinne

Eybe Ahlers

Carola Linder

Vlada Zdesenko

Caterina Lazzarini

Gabriele Jeuck

Vivian Kanner

Ines Bauer

Uta Hódi

Gisela und Ullrich Bauer

Britta Gansebohm

Karen Margolis

Marion Böker

Ilona Bubeck

Brigitte Bialojahn

Evelyn Gaida

Matthias Sauer

Kerstin Nordmann

Andrea Barckhausen

Janina Bartmann

Elke Pampel

Christel Schütte

Dagmara Janiaczyk

Gabriele Palm-Funke

Wer unterzeichnen möchte, sende uns bitte eine eMail an: info@aviva-berlin.de


Public Affairs Beitrag vom 30.01.2012 Susann S. Reck 

   




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