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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 24.04.2007

Gemeinsamer Kampf gegen häusliche Gewalt geht weiter
Clarissa Lempp

Am 17.04.2007 tagte zum fünften Mal der "Runde Tisch zum Berliner Aktionsplan zur Bekämpfung häuslicher Gewalt". Dabei wurden bestehende Projekte bilanziert und weiterführende Maßnahmen diskutiert.



Senatsmitglieder, Verwaltungen, Polizei sowie verschiedene Anti-Gewalt-Projekte beschlossen das Arbeitsprogramm für 2007 und die Fortschreibung des Berichts zum Berliner Aktionsplan häusliche Gewalt 2002-2008, der zu Datenerhebung und Statistikerstellung dient.

Besonders hervorgehoben wurde die dauerhafte Etablierung des proaktiven Ansatzes nach dem Auslaufen der Modellphase. Die "proaktive" Intervention war als neues Projekt durchaus erfolgreich. Die Polizei gibt nach Einsätzen wegen häuslicher Gewalt mit dem Einverständnis der Opfer deren Telefonnummer an eine Anti-Gewalt-Beratungsstelle oder die BIG-Hotline weiter, die ihrerseits Kontakt aufnehmen. So erhalten Betroffene Informationen über eine adäquate Unterstützung in ihrer Situation. Das Modell ist beispielhaft für den in Berlin existierenden Kooperationsverbund und stellt nachdrücklich die gute Zusammenarbeit von Polizei und Beratungseinrichtungen unter Beweis.

Dazu Polizeipräsident Dieter Glietsch: "Häusliche Gewalt ist nach wie vor ein Phänomen, das wir in einem breiten Bündnis aller Verwaltungen und freier Träger bekämpfen müssen. Als aufgeklärtes und menschliches Gemeinwesen dürfen wir es nicht dulden, dass vor allem Frauen in ihrer Privatsphäre schutzlos der Gewalt ausgeliefert sind. Gleichzeitig müssen wir verhindern, dass Kinder immer wieder gewalttätige Übergriffe miterleben und in ihrer Persönlichkeitsentwicklung beschädigt werden." Deshalb nahmen die Mitglieder des Runden Tisches Sitzung zum Anlass, auch auf die Verknüpfung der Erfahrung von erlebter Gewalt im sozialen Nahraum in der Kindheit und späterem, eigenem Gewaltverhalten hinzuweisen. Vor diesem Hintergrund gilt es, bereits frühzeitig in Kita und Schule präventiv anzusetzen. Staatssekretär Eckart R. Schlemm erklärte: "Wer in seiner Kindheit Gewalt erlebt, hat später häufig weniger Hemmungen, selbst Schläge auszuteilen. Darum ist es umso wichtiger, in Kita und Schule Anzeichen von Gewaltanwendung zu erkennen, und in Zusammenarbeit mit Beratungseinrichtungen und Polizei dagegen vorzugehen. Hilfreich wird hierbei das vom Senat beschlossene "Netzwerk Kinderschutz" sein."

Im Jahr 2006 wurden 12.522 Fälle häuslicher Gewalt bei der Polizei registriert. Dies bedeutet einen Anstieg um 7,4% oder 863 Fälle im Vergleich zum Vorjahr. Die Belegungszahlen in Frauenhäusern und Zufluchtswohnungen waren aber relativ konstant geblieben. Durchschnittlich nehmen jährlich ca. 1.620 Frauen mit ebenso vielen Kindern einen Schutzplatz in Anspruch. Bei der Nutzung der BIG-HOTLINE, ein Angebot der Berliner Initiative gegen Gewalt gegen Frauen e.V., ist eine erhebliche Steigerung der Anrufe um mehr als 1.000 auf 7.348 zu verzeichnen. Die gestiegenen Zahlen verdeutlichen den erweiterten Bekanntheitsgrad der Hilfeangebote und ein stärkere Wahrnehmung des Deliktsphänomens häusliche Gewalt. Bis zum Abschluss des Aktionsplans im März 2008 ist neben der Weiterarbeit an den bisherigen Schwerpunkten der Öffentlichkeitsarbeit und Beratung, auch ein Workshop zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung psychisch traumatisierter Frauen mit Gewalterfahrungen geplant. In diesem Zuge soll die Einrichtung eines Gremiums zu Schutzmaßnahmen und Unterstützungsangeboten betroffener Frauen mit Behinderungen, sowie die Verankerung des Themas häusliche Gewalt in den Curricula der Krankenpflege- und Hebammenausbildung erfolgen.

Der für Frauen zuständige Senator Harald Wolf zog positive Bilanz, sah aber auch weitere Maßnahmen nötig: "Die Anstrengungen aller Beteiligten bei der Bekämpfung häuslicher Gewalt können sich sehen lassen. Ihre Arbeit ist Vorbild für viele andere Bundesländer und wird auch international beachtet. Die vorgelegte Fortschreibung zu Datenerhebung und Statistik bildet eine gute Grundlage, um aktuellen Handlungsbedarf erkennen zu können. Wir planen daher, den Bericht in dieser Form auch für das Jahr 2007 weiterzuführen. Die erfolgreiche Kooperation müssen wir nutzen, um bis zum Abschluss des Aktionsplans zur Prävention auch die Interventionsmaßnahmen dauerhaft zu etablieren, die direkt am gewalttätigen Verhalten der Verursacher häuslicher Gewalt ansetzen." Deshalb soll das nächste große Arbeitsvorhaben auch die Umsetzung täterorientierter Interventionen in Berlin beinhalten.

Die BIG e.V. Hotline bietet Hilfe bei häuslicher Gewalt gegen Frauen:
Tel. 030 - 611 03 00 (Täglich von 9 - 24 Uhr)
oder im Internet:
www.big-hotline.de

Die Berliner Interventionszentrale bei häuslicher Gewalt bietet auf ihrer Internetseite Informationen und Adressen für Betroffene:
www.big-interventionszentrale.de

Die Berliner Polizei unterstützt Betroffene in akuten Krisen und Gewaltsituationen und bietet auch präventive Maßnahmen an.

Public Affairs Beitrag vom 24.04.2007 Clarissa Lempp 

   




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