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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 04.06.2008

Letzter Runder Tisch zum Berliner Aktionsplan gegen häusliche Gewalt
Andrea Petzenhammer

Die Zusammenarbeit von Polizei, Gesetzgeber und Organisationen ermöglicht Opfern von Gewalttaten, sich aus ihrer Situation zu befreien. Opfern, Tätern und Kindern wird Hilfe und Beratung angeboten.



Der "Runde Tisch zum Berlin Aktionsplan gegen häusliche Gewalt" erarbeitete in Kooperation von Gesetzgeber, Justiz, Polizei und Organisationen Vorgehensweisen, wie häusliche Gewalt gegen Frauen am effektivsten bekämpft werden kann. Auf einer Pressekonferenz am 5. Juni 2008 stellte der "Runde Tisch" im Berliner Rathaus die Ergebnisse des Jahres 2007 vor. Für Harald Wolf, Senator für Wirtschaft, Technologie und Frauen, Gisela von der Aue, Senatorin für Justiz, Dieter Glietsch, Polizeipräsident von Berlin und Patricia Schneider, Koordinatorin bei der Interventionszentrale gegen Gewalt an Frauen ("BIG") stehen Opfer und Täter gleichermaßen im Mittelpunkt. Über das Präventionsprojekt der Zentrale werden auch Kinder für das Thema sensibilisiert.

2007 wurden 13.222 Fälle häuslicher Gewalt der Polizei gemeldet. Das bedeutet eine Steigerung um 700 Taten im Vergleich zu 2006. Seit 2001 hat sich die Zahl der bekannt gewordenen Fälle mehr als verdoppelt. Harald Wolf, Senator für Wirtschaft, Technologie und Frauen, sieht darin aber keinen Anstieg der Gewaltvorfälle sondern eine verkleinerte Dunkelziffer. "Wir konnten die Öffentlichkeit sensibilisieren und dadurch häusliche Gewalt stärker kriminalisieren. In Kombination mit den vielfältigen Hilfsangeboten schaffen es immer mehr Frauen, sich gegen eine Gewaltsituation zu wehren. Trotzdem braucht es durchschnittlich sieben Versuche, um sich endgültig zu befreien."

Täter-Therapie wegen zu vieler zurückgezogener Anzeigen

Auffallend viele Strafverfahren werden aus Mangel an Beweisen eingestellt - das bedeutet normalerweise, dass die Betroffene ihre Strafanzeige zurückgezogen hat. Gisela von der Aue, Senatorin für Justiz, sieht hier vor allem Scham als Grund. "Den Frauen ist die Situation vor ihren Nachbarn und Bekannten peinlich. Oft zeigt der Partner direkt nach der Anzeige, wenn auch nur kurzfristig, eine gewisse Reue. Dann hoffen die Frauen, dass die Beziehung doch noch zu retten ist." Da viele Frauen sich trotz emotionaler und körperlicher Gewalt häufig nicht von ihren Partner trennen - meistens ist der Täter der Beziehungspartner - konzentrierten sich die Bemühungen des Runden Tisches auch auf die "täterorientierte Intervention". Die Männer werden in wöchentlichen Sitzungen mit den Geschehnissen konfrontiert und über die Gründe für ihr Verhalten aufgeklärt. Außerdem lernen die Täter, ihre Wut anders zu kanalisieren. Die Kurse dauern 26 Wochen und orientieren sich am Vorbild von amerikanischen Anti-Gewaltkursen, normalerweise werden sie von Gerichten angeordnet. Zahlen zur Effizienz dieser Kurse werden im Bericht 2008 veröffentlicht.

Beamte sind jetzt auf häusliche Gewalt sensibilisiert

Auch in der Arbeit der Polizei hat sich einiges geändert. Polizeipräsident Dieter Glietsch sieht im Rückgang der Dunkelziffer vor allem ein höheres Vertrauen der Opfer in die Arbeit der Beamten. Bereits in der Ausbildung werden Polizisten inzwischen auf den Umgang mit dem Thema häusliche Gewalt geschult, sie wird nicht mehr als Privatsache oder als "schlichtbar" abgetan. Mit der Möglichkeit der "Wegweisung" kann dem Täter seit dem 1. Januar 2002 bis zu 14 Tage der Zugang zur Wohnung und die Annäherung an Familienmitglieder oder die Partnerin verboten werden. Während dieser Zeit greift die Zusammenarbeit von Polizei und Organisationen. Die Polizei gibt nach Einverständniserklärung der Betroffenen die Telefonnummer an eine beratende Organisation weiter, die dann mit dem Opfer Kontakt aufnimmt. Dank dieser sogenannten "proaktiven Intervention" konnten 70 Prozent der Angesprochenen, die sich sonst keine Hilfe geholt hätten, unterstützt werden.

Kinder mit Gewalterfahrung brauchen Hilfe

"Jedes fünfte Kind berichtet von Gewalt, entweder zu Hause oder auf dem Schulweg", so Patricia Schneider von BIG, der Berliner Intervention gegen Gewalt an Frauen. "Wer als Kind nicht lernt, Probleme ohne Gewalt zu lösen, wird später oft selbst zum Täter." Die Initiative hat sich hier ein umfangreiches Paket überlegt. Sie bietet für Schule Workshops, Kindersprechstunden und Ausstellungen an. "Wir zeigen Kindern, wie sie ihren Eltern helfen können und dass das nicht schwer sein muss." Außerdem organisiert BIG mehrsprachige Elternabende und Fortbildungen für LehrerInnen und ErzieherInnen zur Früherkennung.

Runder Tisch beschließt Fachkommission, um die Arbeit fortzuführen

Der "Berliner Aktionsplan gegen Gewalt" wurde 2002 zunächst mit einer Laufzeit bis März 2006 geplant, die enthaltenen Maßnahmen konnten fast komplett umgesetzt werden. Eine Verlängerung bis 2008 kam dann vor allem Migrantinnen und behinderten Frauen sowie der täterorientierten Intervention und dem Jugendbereich zugute. Die Arbeit des "Runden Tisches" wird jetzt unter dem Dach des "Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramms" weitergeführt. Hierfür wurde die Einrichtung einer Fachkommission "Häusliche Gewalt" beschlossen.

Was ist "häusliche Gewalt"?

Der Fachbegriff umfasst unterschiedlichste Formen von Zwangsausübungen. Die geläufigste Assoziation ist Körperliche Gewalt, also sämtliche Handlungen, die Schmerz erzeugen, z. B. Schlagen, Würgen, Schubsen oder Werfen von Gegenständen. Seit 1988 auch in der Ehe als Straftat geächtet ist die Sexualisierte Gewalt, also jede Form von Nötigung zu sexuellen Handlungen. Oft zuwenig beachtet wird die Psychische Gewalt, die sich in Form von Beleidigungen, Bedrohungen und Demütigungen äußert. Oft werden vom Täter die Kinder für eine Erpressung genutzt, die dem Opfer "weggenommen" würden. Nach der Trennungssituation kämpfen die Betroffenen häufig mit "Stalking", also ständigen Belästigungen, Kontrollanrufen und Auflauern durch den/die Ex-PartnerIn. Zu selten wird auch die Ökonomische Gewalt als solche wahrgenommen. Eine finanzielle Abhängigkeit, wenn z. B. der/dem Betroffene/m ein eigenes Geld oder eine eigene Erwerbstätigkeit verboten wird, zählt zur Ausübung von Gewalt.

Hilfe per Telefon, SMS und Chat

Hilfe erhalten Betroffene inzwischen in vielen Frauenhäusern und beratenden Organisationen. Die Berliner Interventionszentrale bei häuslicher Gewalt (BIG) hilft bei der Befreiung aus einem Gewaltverhältnis und berät bei juristischen und organisatorischen Fragen, bei Bedarf auch zu Hause. Die Hotline ist telefonisch unter 030/611 03 00 täglich von 9:00 - 24:00 Uhr erreichbar. Außerdem bietet die BIG-Website www.big-hotline.de inzwischen eine umfangreiche Online-Auswahl. Barrierefreie Hilfsmöglichkeiten wie SMS oder Chat mit Beraterinnen helfen beispielsweise Hörgeschädigten oder auch Menschen, die zunächst anonym bleiben möchten.

Weitere Informationen unter:
www.berlin.de
www.big-hotline.de
www.berlin.de/polizei

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Public Affairs Beitrag vom 04.06.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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