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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 31.03.2008

Gründung der EXIT-Familienhilfe
Britta Leudolph

Am 27.03.2008 stellte EXIT Deutschland die neue EXIT-Familienhilfe vor, die Familien mit rechtsextremen Familienmitgliedern berät und begleitet. Im Gegensatz zu bestehenden Familienhilfen...



...sind in dieser Arbeit AussteigerInnen aus der rechtsextremen Szene direkt involviert.

EXIT-Deutschland ist eine von dem Ex-Kriminaloberat und polizeilichem Staatsschützer Bernd Wagner und Ex-Nazi-Führer Ingo Hasselbach mit Hilfe der Amadeu Antonio Stiftung, der Freudenberg Stiftung und dem Magazin Stern gegründete Initiative, die seit 2000 AussteigerInnen aus der rechtsradikalen Szene Hilfe zur Selbsthilfe bietet.

Die bedeutende Rolle der Familie in der praktischen Auseinandersetzung mit rechtsextremen Herausforderungen wurde bisher unterschätzt. Während ihrer langjährigen Arbeit erfuhren EXIT MitarbeiterInnen immer wieder von ehemaligen Rechtsextremen, wie wichtig Diskussionen mit Andersdenkenden für sie waren, um kritische Fragen zur rechtsextremen Ideologie zu entwickeln und damit die Grundlage für Ausstiegsoptionen zu schaffen.

Diesen Ansatz greift die neue EXIT Familienhilfe auf und will damit den Gedanken des Ausstiegs aus der extremistischen Szenen von EXIT mit bisherigen Ansätzen sozialer Familienarbeit verknüpfen.

Das Verhältnis von Rechtsextremismus und Familie kann anhand von vier typischen Familienkonstellationen beschrieben werden:

1. Rechtsextreme Eltern mit rechtsextremen Kindern: Historisch gewachsene, rechtsextreme Familienzusammenhänge erscheinen besonders problematisch, der Einstieg in rechtsextreme Ideologie und Lebensform findet hier für die Kinder mit der Geburt statt, schon früh werden sie mit rechtsextremer Ideologie, Kult und Tradition konfrontiert. Auffällig ist auch, dass diese Eltern ihre Kinder weitestgehend aus nicht-rechtsextremen Zusammenhängen heraus halten. Der Ausstieg aus diesen Strukturen ist besonders schwierig, weil er fast zwangsweise mit einem Bruch mit der Familie, den Freunden und der individuellen Geschichte einhergeht.

2. Rechtsextrem orientierte Eltern mit nicht-rechtsextrem orientierten Kindern
Anders als bei der ersten Konstellation ist die rechtsextreme Ideologie der Eltern hier weniger wichtig, äußert sich zwar in Aussagen, Sprüchen und Interpretationen, ist aber nicht grundsätzlich Leitlinie der Erziehung. Eine nicht-rechtsextreme Orientierung der Kinder führt zwar meistens zu Spannungen, bedeutet aber nicht zwangläufig den Bruch mit den Eltern.

3. Nicht-rechtsextrem orientierte Eltern mit rechtsextrem orientierten Kindern
In vielen Orten bestehen rechtsextrem orientierte Cliquenzusammenhänge sowie ein gewichtiges rechtsextrem orientiertes Aktionsprogramm der rechtsextremen Szene. Eine Orientierung Jugendlicher an diesen Gruppenzusammenhängen beim Übergang in die Pubertät kann eine rechtsextreme Orientierung innerhalb weniger Wochen oder Monaten nach sich ziehen und im schlimmsten Fall zu einer rechtsextremen Fundierung führen.

4. Nicht-rechtsextrem orientierte Eltern mit nicht-rechtsextrem orientierten Kindern
In einigen Regionen spielt Rechtsextremismus durch die hohe Präsenz rechtsextrem orientierter Jugendlicher in Schule, Jugendarbeit und öffentlichem Leben selbst in dieser Konstellation eine Rolle. Hier besteht die Gefahr, dass Rechtsextremismus als eine Meinung unter vielen interpretiert und als Normalität verstanden wird, wie jede andere Gruppe oder Person auch. Verkannt wird hier die Problematik für explizite Opfergruppen rechtsextremen Denkens und Handelns und der daraus resultierenden alltäglichen Gefahr.

Die EXIT-Familienhilfe will Unterstützung für Beteiligte in allen Konstellationen bieten, also nicht nur für Eltern, sondern auch für Geschwister, Großeltern, NachbarInnen, LehrerInnen, SozialarbeiterInnen oder PolizistInnen. Sie bietet Beratung, Begleitung und Unterstützung für diese Personen in der Auseinandersetzung mit den rechtsextrem orientierten Menschen. Geplant sind außerdem die Gründung von bundesweiten EXIT-Jugendnetzen, eines EXIT-Familiennetzes und eines EXIT-Großelternnetzes.

Die EXIT-Familienhilfe nutzt vor allem aber die Erfahrungen und Kenntnisse ihrer AussteigerInnen und stellt deren Wissen betroffenen Familienmitgliedern zur Verfügung.

Bei der Vorstellung der EXIT-Familienhilfe sprach auch die ehemals rechtsextreme Aktivistin Tanja Privenau. Sie machte anhand ihrer persönlichen Geschichte deutlich, wie schwierig ein Ausstieg aus der rechtsextrem orientierten Szene ist.
Sie war über 20 Jahre Mitglied unterschiedlicher legaler und verbotener nazistischer Organisationen, hatte führende Positionen inne. Ihr Stiefvater ist verurteilter Holocaustleugner, der damalige Ehemann, mit dem sie fünf Kinder hat, ist fest in der rechtsextremen Szene verwurzelt.
Nach ihrem Ausstieg mit ihren Kindern vor drei Jahren ist sie einer doppelten Verfolgung ausgesetzt, zum einen aus der rechtsextremen Szene, zum anderen durch ihre Familie. Begleitet von der ständigen Angst vor der Entführung ihrer Kinder, musste sie in den letzten Jahren sechs Mal ihren Wohnort wechseln, tritt bei Pressekonferenzen verkleidet auf.
Tanja Privenau unterstützt EXIT Deutschland seit 2006 und ist Mitbegründerin der Initiative "Alles aussteigen – der Scheiß endet hier".

Im Rahmen dieser Initiative will EXIT zudem die Erweiterung auf Personenkreise aus anderen extremistischen Szenen wagen und bietet eine gezielte Beratung für Personen an, die sich islamistischen Gruppen angeschlossen haben.

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:
5 Jahre EXIT-Deutschland - eine Bilanz

Weitere Informationen zur Initiative finden Sie unter:
www.exit-familienhilfe.de
www.exit-deutschland.de
www.mut-gegen-rechte-gewalt.de

Anlaufstellen Rechtsextremismus / Demokratieentwicklung:

www.annefrank.de
www.bpb.de
www.raa-berlin.de
www.schule-ohne-rassismus.org
www.zentrum-demokratische-kultur.de

Public Affairs Beitrag vom 31.03.2008 Britta Leudolph 

   




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