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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 11.11.2011

Beschämender Bambi für Bushido
Britta Meyer

Der selbsternannte Gangster-Rapper Bushido ist mit dem "Bambi" 2011 ausgezeichnet worden. In welcher Kategorie? Frau höre und staune: Integration. Die verantwortliche Jury der Hubert Burda Media ...



... hat es anscheinend versäumt, seine Texte zu lesen.

Trotz schärfster Proteste von TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e.V., dem Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) und vielen anderen Organisationen und Privatpersonen hat Bushido, mit bürgerlichem Namen Anis Mohamed Youssef Ferchichi, am 10. November 2011 den Bambi-Award für Integration erhalten. In der Begründung der Jury hieß es, "Bushido setzt sich ein gegen Gewalt und für ein respektvolles Miteinander" und sei damit ein Beispiel gelungener Integration. Dieser vorbildliche Einsatz für eine friedliche Gesellschaft auf Augenhöhe sieht zum Beispiel so aus:

"Wer macht Stress kommt mit aufs Mädchenklo, ihr wollt Romantik, ich ficke mit der Faust, ich mag es wenn du weinst, komm, Nutte, bounce! Spar dir deine Blumen, hoch mit dem Rock, komm in meinen Bezirk ich jag dich um den Block, du bist eine Schwuchtel wie Dreck auf dem Boden"

Einen eigenen Preis für die nahtlose Eingliederung in eine deutsche Mehrheitsgesellschaft auszuschreiben, ist an sich schon in seiner Ignoranz fragwürdig. Ihn dann ausgerechnet an Ferchichi zu vergeben, ist ein Armutszeugnis für die Jury des Burda-Verlags. Bushido selbst hält Integration von MigrantInnen für essentiell, denn wer in Deutschland lebe, die/der müsse sich "assimilieren". Frauenverachtung und Homosexuellenhass gehören für ihn anscheinend zur Anpassung mit dazu. Auf die Frage, warum er mit Texten, wie der von "Nutte bounce" provoziere, antwortete Bushido, er meine mit "Nutten" nicht alle Frauen, sondern, so wortwörtlich, nur "echte Schlampen". Ach so. Na dann ist es ja gut. Was allerdings sind "echte Schlampen"? Offenbar Frauen, die den Fehler gemacht haben, a) mit Herrn Ferchichi ins Bett zu gehen oder b) nicht mit Herrn Ferchichi ins Bett zu gehen.

Der Rapper selbst nennt seine Texte ironisch und regt sich auf, wenn mensch ihn einen Frauenfeind oder Schwulenhasser nennt. Bleibt die Frage, ob seine oft jugendlichen Fans bei Texten, wie "nur weil du eine Frau bist und man dir in den Bauch fickt, heißt es nicht, dass ich dich nicht schlage bis du blau bist", "Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel" und "Ich entscheide, wann du Homo stirbst" die subtile Ironie zwischen den Zeilen zu lesen und zu deuten vermögen. Oder ob sie die Hassparolen ihres Idols einfach in ihr Weltbild übernehmen und es für akzeptabel halten, ein instabiles Selbstbild durch aggressive Abgrenzung gegenüber allem was nicht männlich und heterosexuell ist aufzuwerten.

Auf der Preisverleihung erntete "Rosenstolz"-Songschreiber Peter Plate Applaus, als er die Entscheidung der Jury kritisierte, jemanden, der solche wie die zitierten Texte gesungen habe, öffentlich auszuzeichnen. Bushido selbst gab sich einsichtig und mit seinen 33 Jahren altersweise. Er werde heute bestimmt nicht mehr sagen, was er vor zehn Jahren gesagt habe.
In der Tat. 2011 rappt der Geläuterte nur noch "Dein schlimmster Albtraum ist wahr geworden, Nutte, guck wie ich jetzt auf die Stars von morgen spucke" und "Du kleiner Fisch, ich bin ein übermieser Hai ohne Rücksicht, komm mal hier vorbei und ich fick dich" und "Deutscher Rap ist mein Grundstück, du willst nicht dass ich dich vor deinen Freunden in den Mund fick, komm und du gehst drauf, Mann, ich schreib den Song im Ausland, die Bitch bringt Entrecôte mit Austern".

Wir sehen, da hat jemand aus seinen Fehlern gelernt und steht inzwischen für Integration pur.

Ein nach wie vor präsentes Thema seiner Texte ist die ausführliche Schilderung von bewaffneten Raubüberfällen. Dies zeugt zumindest von Phantasie, denn das gewagteste Verbrechen, das Herr Ferchichi je begangen hat, ist die – zugegebenermaßen massive - Verletzung von UrheberInnenrechten.

Aber auch das hat ja gute, mehrheitsdeutsche Tradition.

Public Affairs Beitrag vom 11.11.2011 Britta Meyer 

   




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