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AVIVA-BERLIN.de im April 2014:

Mit Antisemitismus und Antiamerikanismus in die Charts
Annegret Oehme

Immer mehr rechtsextreme und verfassungsfeindliche Inhalte finden bei Internetportalen wie youtube und myspace Verbreitung und gelangen so ungefiltert in die Kinderzimmer und Schulen.



Neuer deutscher Sprechgesang im Internet

Mit einem erschütternd realistischen Vortrag gelang es Ralf Fischer und Juri Eber am 30.08.2007 in den Räumen der Amadeu Antonio Stiftung, auf das Problem von Antisemitismus und Antiamerikanismus im deutschsprachigen Sprechgesang aufmerksam zu machen.
Die Realität lässt sich schnell auf Seiten wie myspace und youtube überprüfen.
Es genügt, einen beliebigen, rechts behafteten Begriff einzugeben und schon tut sich ein brauner Sumpf auf, der kein Ende zu nehmen scheint.
Zahlreiche Weiterleitungen und Links zu anderen Videos beliefern die NutzerInnen mit unzähligen Film- und Musikclips, in denen jedes rechtsradikale Klischee bedient wird.

Nationale Gesinnung und zunehmende antiamerikanische Tendenzen sind auch die charakteristischen Elemente des "Deutschrap".
Ein groteskes Beispiel dafür sind "Die Lätzten", die wüst gegen Amerika wettern und wilde Verschwörungstheorien verbreiten.
Allein die Botschaft "Das ist Deutschrap, weil ich Deutsch rap!" ist bezeichnend. Die ganze Einfältigkeit offenbart sich in der Liedzeile "Anglizismen erobern unsere Sprache wie nichts", gesungen von einer Band, deren Website von eben solchen Begriffen strotzt und die ihr neuestes Album klassisch englisch mit "Overkill" betitelt.
Die Gruppe fordert Deutschrap zurück, "wie er früher war". Eine äußerst merkwürdige Idee, angesichts der Tatsache, dass das Geburtsland dieser Musik die USA sind, von wo sie im Laufe der 80er zu uns gelangte.
Leider bleibt es nicht bei solchen offensichtlichen Kuriositäten. In Zeilen wie "Deutschland erwache" und "deutsche Frauen, deutscher Rap und deutsches Bier" offenbart sich eine Geisteshaltung, die auch das Bekenntnis, "keine Nazis zu sein", nicht relativieren kann.

Ein Begriff, der sich im deutschensprachigen Hiphop zunehmender Beliebtheit erfreut, schockierend klingt und Aufmerksamkeit erregen soll, ist "RapHolocaust".
Von solchen Schlagworten bis zur Musik von "Sturmwehr" und der verbotenen Gruppe "Landser", die in ihren Liedern bloße Propaganda betreiben, ist es nicht weit. Beide sind mit ihren Liedern auch auf youtube vertreten.

Dem Problem der rechtsextremen Videos im Internet widmete "Report Mainz" die Sendung vom 27.08.2007, die ebenfalls bei youtube zu sehen ist.
Die google-Tochterfirma bittet zwar darum, auf Missbrauch aufmerksam zu machen, wie sie aber darauf reagiert, bewies ein Experiment von jugendschutz.net. Auf 100 angezeigte "Hassvideos" erhielt man keine Reaktion.
Wie kann es sein, dass Internetplattformen solche Videoclips ohne Probleme zugänglich machen?
Youtube ist eine Videodatenbank, zu der alle freien Zugang haben und Filme und Clips hochladen können. Da es sich um eine amerikanische Institution handelt, die US-Recht unterstellt ist, lässt sich von deutscher Seite kaum etwas unternehmen.

Dieter Wiefelspütz, innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, äußerte gegenüber Report Mainz: "Die Veröffentlichung dieser Filme erfüllt den Tatbestand der Beihilfe zur Volksverhetzung. Es ist dringend an der Zeit, dass der zuständige Staatsanwalt die Ermittlungen aufnimmt."
Der Zentralrat der Juden erwägt bereits eine Klage. Angesichts von 80.000 mal angeklickten Nazivideos ist das auch dringend notwendig.
Google selbst kündigte eine Reinigung der Plattform von verfassungsfeindlichen Inhalten an. Aber kann dieses Vorhaben überhaupt erfolgreich sein? Filme können anonym bereitgestellt werden und sobald einer gelöscht ist, könnte der nächste online sein. Filtersysteme, die das verhindern sollen, erzielen noch keine befriedigenden Ergebnisse.

Ein deutscher Rapper, der sich zunehmender Beliebtheit erfreut und für seine Musik bereits mit drei goldenen Platten ausgezeichnet wurde, ist der berüchtigte Künstler Bushido. Seine Lieder sind häufig im Radio, auf MTV und VIVA zu hören.
Wegen seiner gegen Frauen und Homosexuelle gerichteten Texte gerät er immer wieder in die Kritik, schreckt aber auch vor zahlreichen antisemitischen und antiamerikanischen Äußerungen nicht zurück.
Zwar werden die Inhalte seiner CDs vor der Veröffentlichung von JuristInnen überprüft und gegebenenfalls bereinigt, aber Lieder wie "11. September" gelangen über das Internet dennoch in die Öffentlichkeit. Der Titel "Taliban" verblieb trotz des Textes "Wenn ich will, seid ihr alle tot. Ich bin ein Taliban" auf dem Album und ist bei Musiksendern zu hören und zu sehen.
In einem Interview vom 08.09.2006 äußerte der Rapper gegenüber netzeitung: "Ich sage Ihnen ganz ehrlich: Mir ist es völlig egal, was am 11. September in New York passiert ist. Genauso egal ist mir, ob jemand in Afrika hungert oder in Südamerika im Ghetto abgeknallt wird. Ich bin da nicht, ich lebe da nicht. Mir geht es gut. Ich brauche nicht aufgrund meines angeblich schlechten Gewissens so zu tun, als hätte ich mit irgendeinem gottverdammten Menschen auf dieser Welt Mitleid."
Warum Musiksender, die sich für Umweltschutz und gegen rechte Gewalt einsetzen, für solche Künstler auch noch werben und deren Musik ausstrahlen, bleibt eine unbeantwortete Frage.
Bushido steht für eine ganze Flut fundamentalistischer Musiker, die den Islam für sich entdeckt haben. Sie betreiben offen einen Bin Laden-Kult, denunzieren Amerika und Israel und verkünden einen neuen Dschihad.
Durch Texte, in denen ein islamistisches Deutschland gefordert wird und alle Andersgläubigen attackiert werden, distanzieren sie sich auch von friedliebenden Moslems. Dabei bilden deutschnationale Gesinnungen und religiöser Fundamentalismus eine beängstigende Mischung.

Es ist gleichgültig, ob diese Musiker nur provozieren wollen oder voll und ganz hinter dem stehen, was sie verkünden, denn die CDs werden gekauft und die Videos angeschaut. Alterskontrollen greifen ins Leere und die Musik von Bushido und seinen Gesinnungsgenossen ist längst in zahlreichen Kinderzimmern gelandet und wird auf dem Schulhof von Handy zu Handy weitergegeben.

Internet – Segen oder Fluch? Im Falle rechtsextremer Propaganda wohl eher Fluch. Sicherlich kämen solche Inhalte auch anders zur jeweiligen Zielgruppe, aber das Cyberspace bietet einen extrem breiten Streubereich und schafft Vernetzungen bis in die entlegensten Gebiete.
Umso wichtiger ist es, dass sich immer mehr Institutionen im Netz, wie jugendschutz.net und Mut gegen Rechte Gewalt, gegen Ausländerfeindlichkeit und für die Freiheit eines jeden Menschen engagieren, ihre Onlinepräsenzen verstärken und mit vielfältigen Angeboten aktiv werden.


Weitere Infos finden Sie unter:
www.jugendschutz.net
www.www.naiin.org
www.amadeu-antonio-stiftung.de
www.mut-gegen-rechte-gewalt.de

(Quellen: Report Mainz, www.netzeitung.de, www.jugendschutz.net, www.youtube.de, www.stern.de)

Public Affairs erstellt: 05.09.2007

   




 
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