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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 23.08.2003

Mit dem Zweiten sieht Mann besser
Jana Scheerer

Und wieder dürfen wir wählen: Nach dem Superstar soll Deutschland im neuen Format "Unsere Besten" jetzt die/den größte(n) Deutsche(n) wählen. Dem ZDF fallen dazu nur 37 Frauen ein. Und 263 Männer.




Als unsere Urgroßeltern zur Schule gingen, wurden alle SchülerInnen einer Klasse nach ihrer Leistung durchnummeriert, jede(r) bekam einen Rang. Dieses Verfahren ist in der Schule längst abgeschafft - und scheint plötzlich zum Medientrend geworden zu sein: Immer mehr Formate beruhen auf dem Prinzip des Auswählens und Bewertens.

Ob es ums Singen, Modeln, Witze reißen oder Schlausein geht: Sendungen wie "Deutschland sucht den Superstar", "Popstars" oder "Star Search" laufen nach dem immergleichen Prinzip ab: Aus einer großen Masse von Menschen wird in mehreren Durchgängen eine "Elite" herausgesiebt.

Das ZDF bedient diesen Trend mit der neuen Sendung "Unsere Besten", die nach dem britischen Vorbild "Great Britons" gestaltet ist. Bis zum 15.September können im Internet, per SMS, Postkarte oder Telefonanruf die "wichtigsten" Deutschen gewählt werden, lebendig oder tot. Als Anregung veröffentlicht das ZDF eine Liste von 300 Namen, Eigenvorschläge sind jedoch genauso möglich.

Der große Erfolg dieser Formate überrascht in einer Zeit, in der das Glücklichwerden nach eigener Fasson zum gesellschaftlichen Prinzip geworden zu sein scheint. Wird denn nicht überall von Vielfalt, Toleranz und Individualismus gesprochen? Ist nicht mit der Postmoderne jede Verbindlichkeit abgeschafft worden?

Die Antwort ist: Ja und Nein. Ja, strenge gesellschaftliche Regeln sind aufgeweicht und Rollenmuster kaum noch vorhanden. Und nein, denn trotzdem gibt es Vorstellungen davon, was moralisch möglich ist und was nicht. Diese Werte sind allerdings so unklar definiert, dass ein großer Bedarf nach ihrer ständig neuen Verhandlung besteht.

In einer fragmentarisierten Gesellschaft wirken die Massenmedien auf zwei Ebenen konsensbildend: Erstens bestimmen sie durch "Agenda-Setting", worüber überhaupt gesprochen wird, zweitens liefern sie - in den neuen Formaten - auch noch den Ausgang dieses Gesprächs mit.

Für "Unsere Besten" bedeutet das: Durch die Frage, wer die wichtigsten deutschen Persönlichkeiten sind, bringt das ZDF dieses Thema in die öffentliche Diskussion. Das ist an der Reaktion der Lobby für Menschenrechte e.V. deutlich zu sehen: Sie kritisiert zu Recht den verschwindend geringen Frauenanteil von nur 12% an der Vorschlagliste des ZDF und ruft zum verstärkten Vorschlagen weiblicher Persönlichkeiten auf. Durch die Sendung wird also eine Art thematischer Konsens gebildet.

In einem zweiten Schritt liefert "Unsere Besten" auch den Ausgang dieser Diskussion: In der Finalsendung am 28.November 2003 wird die/der Beste der Besten ermittelt - natürlich einmal mehr per ZuschauerInnenabstimmung. Das ist es auch, was diese Formate von den "Klassenreihenfolge" in der Zeit unserer Urgroßeltern unterscheidet: Nicht mehr eine Autorität von oben bestimmt, wer am besten ist, sondern - völlig demokratisch - der Mehrheitsentscheid.

Damit ist in einer Gesellschaft, die ein unendlich breites Wissens- und Unterhaltungsangebot und zugleich kaum noch verbindliche Werte hat,
auf demokratische Weise eine intersubjektive Entscheidung gefunden:
Jetzt wissen wir, wer Deutschlands bester Sänger, Deutschlands schönstes Model, Deutschlands beliebtester Song und bald auch "Deutschlands Beste(r)" ist - zumindest bis zur nächsten Sendung.




Vom 7.08.2003 bis 15.09.2003 kann hier nominiert werden:
Internet:
Telefon: 01 37/9 09 09 09 (0,49 Euro pro Anruf aus dem Festnetz der Deutschen Telekom)
SMS: Bitte geben Sie an: "ZDF Vorname Name" Ihrer Kandidatin - alles durch Leerzeichen getrennt. Die SMS schicken Sie an die Kurzwahl 8 21 33. (0,49 Euro pro SMS)
Postkarte: ZDF, "Unsere Besten", 55111 Mainz
Pro Medium hat jede(r) eine Stimme.
Unter www.lobby-fuer-menschenrechte.de findet sich eine Liste "vergessener" Frauen, zu deren Vervollständigung die Lobby für Menschenrechte ausdrücklich anregt.




Public Affairs Beitrag vom 23.08.2003 AVIVA-Redaktion 

   




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