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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 28.08.2008

Serie von homophoben Übergriffen in Berlin
Sylvia Rochow

Beschädigung des Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen stellt Höhepunkt dar. LSVD und Maneo sehen Anstieg bei Hasskriminalität.



Es war der traurige Höhepunkt einer Serie homophober Übergriffe in Berlin in den vergangenen Wochen und Monaten: In der Nacht zum 16. August 2008 wurde das erst Ende Mai nahe dem Brandenburger Tor eingeweihte Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen von unbekannten Tätern beschädigt.
Nach Angaben der Polizei wurde das Sichtfenster eingeschlagen, hinter dem ein Video in Endlosschleife zwei sich küssende Männer zeigt, sowie ein Bauzaun umgeworfen.

Im Juni hatten Unbekannte mehrere Frauen auf der Kreuzberger Oranienstraße zusammengeschlagen, die sich auf dem Heimweg von einem Drag-Festival im SO36 befanden.

Im Juli wurde auf einen heterosexueller Mann, der von den Angreifern für schwul gehalten worden war, im Volkspark Friedrichshain brutal eingeschlagen, er erlitt einen doppelten Kieferbruch und schwere Prellungen. Die Täter wollten vermutlich cruisende Schwule überfallen.

Der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD), Günter Dworek, erklärte dazu: "Berlin hat in den vergangenen Wochen eine Gewaltserie gegen Schwule und Lesben erlebt. Es ist dringend notwendig, die gesellschaftlichen Anstrengungen gegen Homosexuellenfeindlichkeit deutlich zu verstärken: in Schule und Jugendarbeit, in der Integrationspolitik, bei der Gewaltprävention. Antihomosexuelle Gewalt muss endlich auf allen politischen Ebenen ernst genommen werden. Wir brauchen einen nationalen Aktionsplan gegen Homophobie. Praktizierte Homophobie schränkt die Entfaltungsmöglichkeiten von lesbischen Bürgerinnen und schwulen Bürgern empfindlich ein. Das kann ein demokratisches Gemeinwesen nicht hinnehmen."

Bereits der Berliner CSD 2008 stand unter dem Motto "Hass du was dagegen?", um auf das Thema Hasskriminalität hinzuweisen. Zuvor hatte das Anti-Gewalt-Projekt Maneo in einer nicht repräsentativen Onlineumfrage, an der bundesweit 17.500 (in Berlin: 2150) schwule und bisexuelle Jugendliche und Erwachsene teilnahmen, festgestellt, dass die Gewalt gegen homosexuelle Männer in Berlin offenbar zunimmt. 43 Prozent der Befragten berichteten von Gewalterfahrungen, im Vorjahr waren es 39 Prozent. Maneo hatte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 187 Fälle mit schwulenfeindlichem Hintergrund registriert, die dem Umfrageergebnis zufolge nur die Spitze des Eisbergs darstellten.

Sachbeschädigung, körperliche Gewalt, Beleidigung – Hasskriminalität hat viele Gesichter. Ausgerechnet am Rande des schwul-lesbischen Stadtfestes 2008 machte auch AVIVA-Redakteurin Sylvia Rochow mit Freundinnen und Freunden eine unerfreuliche Erfahrung im Nollendorfkiez.

Ihren Erfahrungsbericht lesen Sie hier.

Hass Du was dagegen, dass wir hier sitzen und was trinken? Nein. Erst nachdem Ihr bezahlt habt.

Sonntagabend, das schwul-lesbische Stadtfest war wegen einer Unwetterwarnung gerade 15 Minuten früher als geplant zu Ende gegangen. Bei der EM standen Italien und Spanien zum Anstoß der zweiten Halbzeit ihres Viertelfinals bereit.

Passt doch, denken wir uns. Eine Viertelstunde länger den Kusinen zu lauschen wäre zwar auch schön gewesen, aber so bekommen wir wenigstens noch was vom Fußball mit. Zu siebend – fünf Lesben und ein Hetero-Pärchen – fällt unsere Wahl schließlich auf die mit mehreren Flachbildschirmen ausgestattete Terrasse des "Sixties Diner", Nollendorfplatz Ecke Motzstraße. Noch ist vom angekündigten Unwetter nicht viel zu sehen, und notfalls gibt es auch drinnen genügend Sitzplätze und Fernseher.

Langsam zieht sich der Himmel zu, und als der Regen stärker wird, wechselt ein Teil unserer Gruppe nach innen. Einige andere Gäste kommen nach, aber der Großteil harrt auf der Terrasse aus, wie auch zwei unserer Freundinnen. Als der Wirt des Diners offenbar der Meinung ist, dass die Markisen den Wassermassen nicht mehr Stand halten können, greift er zum Besenstiel und befördert sie mit einigen Stößen hinunter – auf die Terrasse, mitten zwischen seine Gäste. Ob es irgendeine Vorwarnung gab, können wir von innen nicht mitbekommen. Die Verwunderung in den Augen der Menschen auf der Terrasse spricht aber nicht dafür. Die meisten bleiben dennoch draußen sitzen, gehen wahrscheinlich von einer Einzelaktion aus oder wollen sich einfach nicht zu sehr vom Fußballspiel ablenken lassen.
Doch es bleibt keine Einzelaktion – das Prozedere wiederholt sich im Laufe des Abends noch einige Male. Als der Regen weiter zunimmt, füllt sich das Diner innen immer mehr.

Nach der Verlängerung und dem Elfmeterschießen oder, anders ausgedrückt, nach dem Konsum diverser Biere, Softdrinks und Eisbecher zahlen wir und wollen uns gerade zum Aufbrechen sammeln, als wir eine unserer Freundinnen von oben bis unten völlig durchnässt auf der Terrasse stehen sehen. Außer ihr sind kaum noch Gäste draußen. Als sie auf uns wartete, hatte der Wirt ein weiteres Mal die Markisen entwässert. Dieses Mal definitiv ohne irgendeine Vorwarnung, und vor allem: Nicht neben oder zwischen jemanden, sondern scheinbar gezielt genau auf unsere Freundin! Ein aufgebrachter Wortwechsel zwischen einigen aus unserer Gruppe und dem Wirt folgt, er ist sich keiner Schuld bewusst. Schließlich versucht eine freundliche Kellnerin, mit einigen Servietten zumindest das Gröbste zu beheben. Dafür wird sie vom Wirt noch angefahren: "Ich sag´ Dir, Du sollst die Schlampen rausschmeißen, und Du gibst denen auch noch Servietten?" Und in unsere Richtung: "Macht, dass Ihr wegkommt, Ihr Dreckslesben!"

Für uns belegt dieser Abend nur zu deutlich: Das Motto des diesjährigen CSD "Hass Du was dagegen?" war leider mehr als treffend gewählt. Und mit "Gleiche Rechte für Ungleiche!", dem Slogan des schwul-lesbischen Stadtfests, hatte der Abschluss des Wochenendes auch nichts zu tun.

Wir hoffen, mit unserem Beitrag die Szene rund um den Nollendorfplatz und alle anderen Berlinerinnen, Berliner und Gäste zu sensibilisieren und rufen sie auf, in Zukunft von einem Besuch im "Sixties Diner" Abstand zu nehmen.

Wer keine Toleranz gegenüber Lesben und Schwulen zeigt, sollte auch nicht an ihnen verdienen!

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter:
www.lsvd.de
www.maneo.de/
www.homo-denkmal.de

Public Affairs Beitrag vom 28.08.2008 Sylvia Rochow 

   




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