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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 07.03.2005

8. März - Grund zum Feiern? - Antworten von Renate Schmidt
Ilka Fleischer

Im E-Interview stellte sich auch Renate Schmidt, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, unseren 8 Fragen zum 8. März.




Ilka Fleischer: Seit dem ersten Internationalen Frauentag 1911 gab es im vergangenen Jahrhundert für deutsche Frauen nicht nur Anlass zu Kritik, sondern auch gute Gründe zum Feiern, allen voran die Durchsetzung des Frauenwahlrechts 1918. Was waren aus Ihrer Sicht bislang die größten Erfolge oder Fortschritte für Frauen im dritten Jahrtausend - nicht nur, aber auch in Ihrem Ministerium?
Renate Schmidt: Die gleiche Rechte von Frauen und Männern haben wir im zweiten Jahrtausend weitestgehend verwirklicht. Im neuen Jahrtausend geht es darum, dass aus Chancengleichheit tatsächliche Gleichstellung wird. Dafür brauchen wir nicht mehr Gesetze, sondern ein Umdenken in der Gesellschaft. Frauen sie sind gut gerüstet, sie müssen nicht besonders gefördert werden. Sie müssen aber ihr Können und ihre Wünsche verwirklichen können, d.h. ihre gute Qualifikation und ihren Wunsch nach Familie und Beruf umsetzen können. Da sind vor allem Unternehmen gefragt. In der "Allianz für die Familie" setze ich mich gemeinsam mit den Spitzen von Wirtschaft und Gewerkschaften für familienfreundliche Arbeitszeiten ein.

Ilka Fleischer: "Brot und Rosen!" - Brot zum Leben und Rosen, damit sich das Leben lohnt - forderten Textilarbeiterinnen 1912 im Streik gegen Hungerlöhne in den USA noch recht bescheiden. Inzwischen wollen viele Frauen wesentlich mehr: Nach Gittes Song "Ich will alles" Anfang der 80er Jahre titelte die Bestsellerautorin Maeve Haran kürzlich "Alles ist nicht genug". Werden Frauen allmählich maßlos in ihren Forderungen?
Renate Schmidt: Nein. Aber Frauen sind selbstbewusster, denn sie haben viel erkämpft. Wir haben die bestausgebildetste Frauengeneration aller Zeiten, es machen mehr Mädchen Abitur als Jungen, die meisten Studienanfängern sind weiblich. Sie können mehr, und deshalb wollen sie mehr. Den für Männer selbstverständlichen Satz "Ich will alles" - Beruf und Familie verbinden - machen Frauen nun auch für sich geltend. Auch sie wollen sich nicht entscheiden müssen zwischen Karriere oder Kind. Aufgabe von Politik und Wirtschaft ist es, ihre Lebenswünsche zu ermöglichen.

Ilka Fleischer: Valerie Solanas, behauptete 1968 in ihrem Manifest "Society for Cutting up Men", Männer wären aufgrund der Chromosomstruktur unvollständige Frauen und versuchten daher ihr Leben lang, sich zu vervollkommnen. Gibt es zwischen Mann und Frau Unterschiede, die Sie für "naturbedingt" halten?
Renate Schmidt: Nein. Aber soziale Rollen können sehr beständig sein, und erklären sich die allermeisten Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Frauen führen ein vielseitigeres, bunteres Leben. Meistens können sie flexibler mit den Wechselfällen des Lebens umgehen als Männer, weil sie ein breiteres Kreuz und ein breiteres soziales Netz haben.

Ilka Fleischer: Norbert Blüm hat sich einmal neidisch auf "die Firma Mutter und Kind, die sich in den neun Monaten der Schwangerschaft bildet" geäußert und bedauerte, dass Männer dagegen nie "ankommen". Worauf sind Sie bei Männern "neidisch"? Was würde Ihnen bei einem Rollentausch besonders gut gefallen?
Renate Schmidt: Ich bin gerne eine Frau, ich neide den Männern nichts. Viele Männer sind zu sehr auf den beruflichen Erfolg fixiert und verpassen spannende Zeiten mit Kind und Familie. Immer mehr Männer erkennen, dass ein solches Lebensmodell einseitig ist und wollen in ihrem "kleinen Familienbetrieb" zu Hause aktiv sein.

Ilka Fleischer: "Frau allein ist noch kein Argument, es muss auch noch was zwischen den Ohren sitzen", behauptet Heide Simonis. Aber auch: "Politik ist der Sieg des Hinterns über das Gehirn". Welche Voraussetzungen müssen Frauen in der Politik also mitbringen?
Renate Schmidt: Eine hohe Sachkompetenz und politische Leidenschaft sind die wichtigsten Voraussetzungen in der Politik. Frauen wird aber ein dreifacher Balanceakt abverlangt: Sie müssen hartnäckig sein, ohne verbiestert zu wirken, sie müssen vernetzt sein, ohne die Kaffeekränzchendame abzugeben, und sie müssen souverän wirken, ohne ihre Weiblichkeit aufzugeben. Oft wird ihnen dennoch das Gegenteil nachgesagt. Viele Männer in der Politik haben Frauen eines voraus: Sie haben mehr "Sitzfleisch" - weil sie sich um Haushalt und Kinder weniger kümmern müssen und daher mehr Zeit haben für nächtliche Kneipensitzungen. Viele Frauen haben Männern umgekehrt voraus, dass sie oft mehrgleisig verfahren können und mehr Dinge gleichzeitig angehen können.

Ilka Fleischer: Während Gerhard Schröder laut Infratest bei Frauen populärer ist als bei Männern, schneidet Edmund Stoiber bei Männern besser ab. Was müsste Herr Stoiber verändern, um bei Frauen einen höheren Beliebtheitsgrad zu erlangen? Oder allgemeiner: Was schätzen Frauen an PolitikerInnen?
Renate Schmidt: Herrn Stoiber und Erfolg bei Frauen - da kann ich wirklich keinen Rat geben. Im Allgemeinen achten Frauen mehr als Männer auf Glaubwürdigkeit und Authentizität. Frauen sind als Politikerinnen und als Wählerinnen mehr an guten Lösungen als an Status oder Prestige interessiert. Sie schauen mehr darauf, was politische Entscheidungen für den Lebensalltag der Menschen bedeuten und sind weniger an Macht- oder Strukturfragen interessiert.

Ilka Fleischer: Nach einer Studie zum Verhalten der BundesbürgerInnen im Haushalt werden 80 % der Hausarbeit immer noch von Frauen bewältigt. Nur 1,2 % der Männer putzen das Klo selbst. 73,3 % der Männer sind allerdings der Meinung, dass die Arbeit im Haushalt gerecht verteilt sei. Was bleibt - neben Gendermainstreaming - auf der politischen Ebene zu tun, und worin bestehen Ihres Erachtens die größten Fallstricke?
Renate Schmidt: Politik kann - und das ist mein Anliegen - auf ein Umdenken hinwirken. Und zwar nicht nur bei der Selbsteinschätzung, sondern vor allem bei der faktisch gleichen Teilhabe - auf beiden Seiten. Denn viele Männer werden noch immer häufig vom Umfeld belächelt und im Beruf ausgebootet, wenn sie sich maßgeblich an der Familien- und Erziehungsarbeit beteiligten und z.B. Elternzeit nehmen. Frauen wiederum können nicht alles alleine schultern und die 100-prozentige Karrierefrau, die 100-prozentige Ehefrau und die 100-prozentige Mutter sein, da wären sie rasch ein 300-prozentiges Wrack. Das zu ändern ist Sache von Männern und Frauen. Männer sollten im privaten Umfeld aktiver sein, und Frauen müssen dann mal fünf gerade sein lassen, wenn er Streifen an die Fenster wischt.

Ilka Fleischer: Die Frau der Zukunft stellte sich August Bebel als "Herrin ihrer Geschicke" vor, die "sozial und ökonomisch vollkommen unabhängig" sei. Wer verkörpert für Sie warum heutzutage die "Frau der Zukunft"? Natürlich können Sie uns auch gerne verraten, wen sie für altmodisch halten...
Renate Schmidt: Bebel war ein vorausschauender Mensch. So ist es gekommen. Auf eigenen Beinen stehen zu können, ist Frauen heute wichtig. Für mich gibt nicht die eine Frau der Zukunft, Frauen repräsentieren in ihrer Vielfalt die Zukunft.


Neben Renate Schmidt nahmen 11 weitere PolitikerInnen an der elektronischen Befragung teil. Mit kleineren Abweichungen erhielten alle Interview-PartnerInnen den gleichen Fragenkatalog - und beantworteten unsere 8 Fragen zum 8. März in großer Vielfalt. Um die kompletten Beiträge zu lesen, klicken Sie bitte auf die Namen der einzelnen Interview-PartnerInnen:


  • Evrim Baba, frauenpolitische Sprecherin der PDS-Fraktion im AGH von Berlin

  • Edelgard Bulmahn , Bundesministerin für Bildung und Forschung

  • Maria Eichhorn, MdB, Vorsitzende der Arbeitsgruppe Familie, Senioren, Frauen und Jugend der CDU/CSU-Fraktion

  • Dagmar Enkelmann, stellvertretende Vorsitzende der PDS

  • Ingrid Hofmann, Präsidiums-Mitglied in der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA)

  • Christel Humme, MdB, Familien-, senioren-, frauen- und jugendpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion

  • Ina Lenke, MdB, Familien-, frauen- und zivildienstpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Bundesvorsitzende der Liberalen Frauen

  • Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, MdB, Bundesministerin a.D., Europapolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion

  • Irmingard Schewe-Gerigk, MdB, Frauen- und familienpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90 / DIE GRÜNEN

  • Klaus Wowereit , Regierender Bürgermeister von Berlin

  • Brigitte Zypries, Bundesministerin der Justiz


Public Affairs Beitrag vom 07.03.2005 Ilka Fleischer 

   




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