I won´t go quietly - ein Film von Anne Sonno - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

amadeu-antonio-stiftung 120 BPM Finanzkontor
Aviva-Berlin > Public Affairs AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Politik + Wirtschaft
   Diskriminierung
   Veranstaltungen in Berlin
   Kultur
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Chanukka 5778




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 07.06.2012

I won´t go quietly - ein Film von Anne Sonno
AVIVA-Redaktion

Nina Hagen kam entgegen der Ankündigung der VeranstalterInnen doch nicht zur Filmvorführung, ließ jedoch ein Grußwort verkünden: "Prüfe alles, das Gute und das Wahre behalte - Gottes fetten...



... Segen für Euch!"

Am Sonntagabend zeigte das Kino Babylon Mitte zum wiederholten Mal "I won´t go quietly", der am 09. März 2012 in Berlin Premiere hatte und seitdem landauf, landab in verschiedenen Kinos läuft. Einen Verleih hat er bisher nicht gefunden, was seinen Grund hat. Es ist ein gefährlicher Film.

Die Hauptthese der Regisseurin Anne Sonno besteht darin, dass AIDS keine Krankheit sei und der HI-Virus nicht existiere. Stattdessen, so ihre Aussage, würden PatientInnen mit der Diagnose "HIV-positiv" mit tödlichen Medikamenten behandelt. Nach Meinung der Filmemacherin würden Kinder, deren Mütter positiv getestet wurden, von staatlicher Seite zu Unrecht ihren Familien entrissen. Die Mütter würden kriminalisiert und ins Gefängnis gesteckt werden. ÄrztInnen, die schwangeren Frauen rieten, Medikamente nicht einzunehmen, werde mit dem Entzug ihrer Approbation gedroht.

Die Dokumentation schildert die Schicksale von sechs Frauen, die während ihrer Schwangerschaft HIV-positiv getestet wurden. ÄrztInnen empfahlen ihnen entweder eine Abtreibung oder die Einnahme der nach Aussage der Regisseurin angeblich schädlichen Medikamente. Die werdenden Mütter verweigerten beides. Sie und ihre Kinder leben entgegen ärztlicher Voraussagen zum Teil heute noch.

Schicksale im Film

So unterzog sich ein Mädchen, das als Säugling in Rumänien von einer US-Amerikanerin adoptiert wurde, in ihrem früheren Heimatland einem HIV-Test, mit negativem Ergebnis. Bei der Einreise in die USA wurde sie erneut getestet, diesmal positiv. Die junge Frau spricht vor laufender Kamera davon, dass dieser zweite Test nicht korrekt sei. Sie nimmt bis heute keine Medikamente. Ebenfalls gezeigt wird der Fall einer Mutter aus Österreich, die der Meinung ist, jeder Mensch könne sich selbst heilen. ÄrztInnen, so ihre Überzeugung, brauche niemand. Sie stillte trotz positivem Test ihr Neugeborenes und infizierte es dadurch mit HIV. Ihre Tochter und ihre weiteren Kinder wurden ihr daraufhin von staatlicher Seite entzogen. Das Kind lebt heute in einem SOS-Kinderdorf, die drei älteren Geschwister in Pflegefamilien. Die Mutter wurde der schweren Körperverletzung mit Folgeschäden angeklagt und verurteilt.

Diese Berichte, jeder für sich ergreifend und mitleiderregend, wechseln im Laufe des Films mit stimmungsvollen Natursequenzen, die den ZuschauerInnen offenbar das Gefühl vermitteln sollen, die Natur allein vermöge am Effektivsten zu heilen.

ExpertInnenaussagen und Verschwörung

Als Sachverständiger kommt unter Anderem der Biologe Stefan Lanka zu Wort, Inhaber des "klein-klein-verlags" und in der wissenschaftlichen Welt ein Außenseiter. In einer Stellungnahme des Robert Koch Instituts aus dem Jahr 2000 zu den Thesen unter anderem von Lanka, heißt es: "Zunächst werden nicht belegte Tatsachenbehauptungen aufgestellt, die nicht dem Stand der Wissenschaft entsprechen oder schlichtweg falsch sind. Diese mögen für den Laien zwar auf den ersten, oberflächlichen Blick hin plausibel erklingen, in ihnen werden aber häufig Bedingungen formuliert, die nicht dem Stand der Wissenschaft entsprechen.

Darüber hinaus berichtet die Dokumentation, dass nur ein Jahr nach Entdeckung des HIV-Virus 1983 bereits ein AIDS-Antikörpertest als Patent in den USA angemeldet und vom US-Gesundheitsministerium der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Dies dient der Filmemacherin als Argument für eine gemeinsame Verschwörung der USA und der Weltgesundheitsorganisation, die beide angeblich davon profitierten, da sie sich dadurch neue Absatzmärkte erschlossen hätten.
Die hohe Anzahl der AIDS-PatientInnen und HIV-Infektionen in Afrika werden beispielsweise damit erklärt, dass auch Personen, die an anderen Krankheiten leiden, von den ÄrztInnen vor Ort als AIDS-Kranke kategorisiert werden. Dafür bekämen ÄrztInnen der Region mehr Geld von der WHO. Diese These wird weder mit Zahlen noch mit Fakten gestützt. Zudem würden die Medien diesen Film und das Thema boykottieren. Sie hätten kein Interesse daran, diesen "aufklärerischen Film" zu zeigen, so eine OFF-Stimme während einer Filmsequenz. JournalistInnen, die sich kritisch mit dem Thema AIDS auseinandersetzen würden, erhielten keine Aufträge mehr von Redaktionen. Auch hier wird kein Beispiel angeführt.

Am Ende wird auch der Tod einer der Frauen, die in der Dokumentation zu Wort kamen, für den Film vereinnahmt. Im Abspann heißt es: "T. wurde in der Nacht der Berliner Premiere des Films ermordet. Sie hinterlässt drei Kinder." Kein Wort zu den Umständen ihres Todes, die Zuschauenden werden vielmehr indirekt dazu verleitet, eine Kausalität zu den Ereignissen im Film herzustellen, obwohl bei nüchterner Betrachtung keine existiert.

Fatale Folgen

Alles in allem stellt sich die Frage, warum das Kino Babylon diesen Film zum zweiten Mal zeigt. Bei den Zuschauenden könnte sich der falsche und tragische Eindruck verfestigen, dass die gezeigten Beispiele für alle HIV-Infizierten und AIDS-PatientInnen gelten könnten. Die Deutsche AIDS-Hilfe und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gehen darauf in einer gemeinsamen Stellungnahme ein: "Selbstverständlich können Infizierte auch ohne HIV-Therapie über mehrere Jahre gesund bleiben. (...) Aber mehr als zwanzig Jahre nach der Ansteckung ist der Prozentsatz jener, die ohne Behandlung noch kein AIDS entwickelt haben, verschwindend gering." In der Dokumentation wird auf diese Fakten nicht eingegangen.

AVIVA-Fazit: AVIVA rät dringend davon ab, sich diesem Film auszusetzen. Denn die Schicksale der Frauen, die gezeigt werden, sind durchaus anrührend. Wie jedoch die Verzweiflung der ProtagonistInnen ausgenutzt wird, um die eigenen kruden Theorien einer sogenannten "AIDS-Lüge" einem breiten Publikum zugänglich zu machen, sind anmaßend und werden den Frauen in keiner Weise gerecht.

I won´t go quietly
Deutschland
Buch und Regie: Anne Sonno
Kamera & Ton: Teddy Francois Moarbes
Schnitt: Stefan Maschofsky
KEIN VERLEIH
Lauflänge: 81 Minuten

Weitere Informationen finden Sie unter:

Robert Koch Institut Berlin: www.rki.de

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.gib-aids-keine-chance.de


(Quellen: Robert Koch Institut Berlin, Deutsche AIDS-Hilfe und Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung)

Public Affairs Beitrag vom 07.06.2012 AVIVA-Redaktion 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken