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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 05.07.2012

NEWS vom 12. Dezember 2012 - Beschneidung bleibt
Sharon Adler

Diesem Sieg der Demokratie gingen monatelange antisemitisch und rassistisch motivierte Debatten voraus.



NEWS vom 12. Dezember 2012Beschneidung bleibt

Am Mittwoch, 12. Dezember 2012, entschied der Bundestag nach 90-min├╝tiger Aussprache ├╝ber den Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Beschneidung von Jungen sowie ├╝ber einer Gesetzesinitiative von 66 Oppositionsabgeordneten zum gleichen Thema. Mit der Verabschiedung eines Gesetzes herrscht nun f├╝r Juden und Muslime in Deutschland endlich wieder Rechtssicherheit: Es ist uns gesetzlich erlaubt, unsere S├Âhne nach den religi├Âsen Vorschriften zu beschneiden.
Mehr Infos im Detail: www.bundestag.de



Unser Beitrag vom 5. Juli 202

First Grass, dann das. Recht auf Beschneidung beschnitten. Sign the petition. Aufruf von Tamara Guggenheim, Brief an den Zentralrat der Juden in Deutschland. Artikel von Dr. med. Altsch├╝ler

Stimmen zum K├Âlner Beschneidungsurteil. J├╝dische und muslimische Organisationen gleicherma├čen sind entsetzt ├╝ber das diskriminierende Urteil, das auch in der internationalen Presse auf Kritik st├Â├čt.

Das Urteil vom 07.05.2012, das die Beschneidung von Jungen aus religi├Âsen Gr├╝nden als K├Ârperverletzung bewertete, hat Tradition und beruht auf rein antisemitischen Motiven: Im Jahr 132 verh├Ąngte der r├Âmische Kaiser Hadrian ein Beschneidungsverbot, welches den Bar Kochba-Aufstand der Juden gegen die R├Âmer zur Folge hatte. Sp├Ąter versuchte nicht nur die Sowjetunion, den Juden die Beschneidung zu verbieten. Folgerichtig titelte die Welt im Jahr 2012: "Hitler w├╝rde sich ├╝ber Beschneidungsverbot freuen"

Betroffen zeigte sich auch der Zentralrat der Juden in Deutschland. Er sieht im Urteil des Landgerichts K├Âln "einen beispiellosen und dramatischen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften." In der Presseerkl├Ąrung vom 26.06.2012 erkl├Ąrte der Pr├Ąsident des Zentralrats, Dr. Dieter Graumann: "Diese Rechtsprechung ist ein unerh├Ârter und unsensibler Akt. Die Beschneidung von neugeborenen Jungen ist fester Bestandteil der j├╝dischen Religion und wird seit Jahrtausenden weltweit praktiziert. In jedem Land der Welt wird dieses religi├Âse Recht respektiert."

Das Beschneidungsurteil hat nicht nur in Deutschland, sondern auch in Israel emp├Ârte Reaktionen hervorgerufen. Oberrabbiner Jona Metzger sprach die Bef├╝rchtung aus, dass Juden aufgrund dieses Urteils in Deutschland gezwungen w├╝rden, in den "Untergrund" zu gehen, um die religi├Âsen Vorschriften zu befolgen und ihre S├Âhne nur noch "im Keller" beschneiden d├╝rften.

Obwohl es auch unter J├╝dinnen und Juden GegnerInnen dieses 3.000 Jahre alten Ritus┬┤, mit dem der Neugeborene am 8. Tag nach seiner Geburt in den "Bund Abrahams" aufgenommen wird, "d├╝rfte sich kaum ein Jude von einem deutschen Richter Vorschriften machen lassen, wer Jude ist oder wie das Judentum zu handeln hat" schrieb etwa Israelnetz.

Der Brit, hebr├Ąisch f├╝r "Bund", ist in im ersten Buch Mose eingeschrieben und ein elementarer Bestandteil des Judentums. Der Beitritt zum Bund (auf Hebr├Ąisch "Brit Mila"), den die Beschneidung vollzieht, darf selbst an den h├Âchsten j├╝dischen Feiertagen vorgenommen werden. Eine Ausnahme bildet selbstverst├Ąndlich der Gesundheitszustand des Kindes, der immer an erster Stelle steht.

In einem Interview mit der Berliner Zeitung kritisiert die Professorin f├╝r J├╝dische Philosophie, Almut Bruckstein ├çoruh, das Beschneidungsverbot, das sich ihrer Meinung nach nicht halten wird. Sie f├╝hrt aus, dass der deutsche Staat sich "der Anerkennung einer Lebensgestaltung verweigert, die ihm fremd ist. Auch im 19. Jahrhundert attestierte man Juden, egal wie liberal sie waren, die R├╝ckst├Ąndigkeit ihrer Religion: Die Beschneidung sei ┬┤barbarisch┬┤, der Talmud ┬┤unmoralisch┬┤."

Diese Haltung belegt auch heute noch die ├Âffentliche Meinung in Deutschland, die auch lange nach dem letzten (s. AVIVA-Berlin von 01/2012) Antisemitismusbericht noch lange nicht breit dazu ist, J├╝dinnen und Juden in ihrer Gesellschaft zu akzeptieren. Demzufolge ├Ąu├čerte aktuell eine deutliche Mehrheit der Deutschen (56 Prozent) in einer Emnid-Umfrage f├╝r FOCUS, das Urteil sei richtig. 35 Prozent halten es f├╝r nicht richtig, 10 Prozent hatten bislang keine Meinung. Es stellt sich zwangsl├Ąufig die Frage: Warum? 10 Prozent ist nicht gerade wenig. Unter allen Parteianh├ĄngerInnen finden sich mit 69 Prozent die meisten Bef├╝rworterInnen des Urteils bei W├ĄhlerInnen der Union, gefolgt von ÔÇô wen wundert es - Unterst├╝tzerInnen der Linkspartei mit 68 Prozent, die mit ihrer antisemitischen Haltung das Urteil begr├╝├čen d├╝rften. Aber auch 53 Prozent von Anh├ĄngerInnen der SPD bewerten den Richterspruch als richtig.

Auswandern w├Ąre nun eine folgerichtige Alternative. Gepackte Koffer sind auch eine Tradition. In Israel zu leben ist nicht einfach und seit neuestem gibt es auch hier wieder Antisemiten, doch immerhin existiert eine Demokratie, die diverse Str├Âmungen und kontroverse Stimmen zul├Ąsst, ohne diese rigoros zu beschneiden. Wo waren nochmal die Koffer? Und was w├╝rden wir mitnehmen? B├╝cher nat├╝rlich, massenhaft, und vor allem deutsche Literatur. Ebenfalls eine Tradition, doch wir sind daran gewohnt....

Als Grass-├Ąhnlich kann der Kommentar in der Financial Times Deutschland des Strafrechtlers Putzke bewertet werden, der froh dar├╝ber ist, dass diese Rechtsprechung "bei den betroffenen Religionen zu einem Bewusstseinswandel" f├╝hren k├Ânne und der schon seit Jahren ein Verbot der religi├Âsen Beschneidung fordert.

Was k├Ânnen wir tun?

Unsere S├Âhne, egal welchen Alters, unbekleidet auf die Stra├čen dieser Welt schicken um ├Âffentlich vorzuf├╝hren, dass ihnen durch die Beschneidung kein Leid geschehen ist? Sie einem Intelligenztest unterziehen? Schlie├člich geht es hier nicht um Genitalverst├╝mmelung, von der wir uns an dieser Stelle ausdr├╝cklich distanzieren und diese als verboten erkl├Ąren!

In ihrem in der J├╝dischen Allgemeinen Wochenzeitung erschienenen Beitrag "Guter Schnitt. Medizinisch vern├╝nftig, ethisch geboten: Pl├Ądoyer f├╝r die Brit Mila" ├Ąu├čert sich auch Antje Yael Deusel ├╝ber eben diese "Klischees, die in der Bev├Âlkerung weit verbreitet sind."

In der j├╝dischen Tradition ist es jeder und jedem selbst ├╝berlassen, wie diese ausgelegt wird ÔÇô und auch das ist Teil unserer Religion. Das Recht auf Aus├╝bung m├Âchten wir und jedoch nicht von offiziell ÔÇô und schon gar nicht deutscher ÔÇô Stelle diktieren lassen.

Daher posten wir an dieser Stelle den Aufruf der Jewish Press zur Petition, der sich hoffentlich viele anschlie├čen:

"We, the undersigned declare that Germany has absolutely no moral or ethical right to pass any laws or make any statements regarding Brit Milah (circumcision) or on any other Jewish practice.

Germany, permanently stained with the blood of 6 million Jews, has not learned the lessons of history, and the German court's recent ban on circumcision is an act of overt and explicit anti-Semitism.

It is a mark of shame on the German people.

Never Again!"


Please sign/Bitte Unterzeichnen unter:

www.jewishpress.com/petition

An dieser Stelle ver├Âffentlichen wir einen Brief der Judaistin, Religionslehrerin in der J├╝dischen Gemeinde D├╝sseldorf, Tamara Guggenheim, verbunden mit der Bitte, diesen zu unterschreiben und den Zentralrat der Juden in Deutschland zu faxen: +49 ((0) 30) 28 44 56 ÔÇô 13

Kommentar von Tamara Guggenheim:

"Es ist wichtig und notwendig, nicht nur die juristischen Schritte zu gehen und ein Umdenken in Politik und Gesellschaft einzuleiten. Die jungen Familien, die Gemeinden und ihre Mitglieder ben├Âtigen direkte und schnelle Hilfe und Unterst├╝tzung. Einerseits gibt es, G!tt sei Dank, viele Gemeinden und Institutionen, die trotz des K├Âlner Urteils Beschneidungen souver├Ąn durchf├╝hren, andererseits ist in vielen Gemeinden und vor allem bei vielen Mitgliedern die Unsicherheit sehr gro├č. Hier brauchen wir viel konkrete Unterst├╝tzung."

An den Zentralrat der Juden in Deutschland

Die Brit Mila ist eine tragende S├Ąule des Judentums, der Akt in die Aufnahme des Bundes mit G!tt. J├╝dische Eltern sind dazu verpflichtet, ihre S├Âhne beschneiden zu lassen. Dieses Gebot hat eine so gro├če religi├Âse Bedeutung, dass es sogar an Schabbat oder auch Jom Kippur ausgef├╝hrt werden darf.

Das K├Âlner Urteil hat, wenn es zu einer in Deutschland g├╝ltigen Rechtsprechung wird, weitestreichende Auswirkungen.
Die j├╝dische Gemeinschaft ist keine homogene Gemeinschaft und auch wir, die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, geh├Âren unterschiedlichen Denominationen an.

Wir alle sind der Auffassung, dass das Verbot der Beschneidung ein tiefer, unzul├Ąssiger Einschnitt in die Religionsfreiheit und auch in die Elternrechte ist, mehr noch: Das Verbot der Beschneidung impliziert das Verbot, das Judentum zu leben. Dieses Verbot ist unserer Auffassung nach der Beginn der staatlichen Gewalt, die Art, in der ein Jude seine Religion aus├╝bt, zu kontrollieren und zu bestimmen.
Wenn wir die Mitglieder der J├╝dischen Gemeinden auffordern, sich und auch ihre S├Âhne beschneiden zu lassen, sind wir in Zukunft keine observanten, konservativen oder liberalen Juden, Rabbiner, Lehrer, Gemeindevorst├Ąnde etc. mehr, sondern fordern zu einer Straftat auf.
Alleine dies zeigt die Tragweite und die massiven Konsequenzen des Urteils f├╝r das j├╝dische Leben in Deutschland. Wir alle sollten uns dar├╝ber bewusst sein, dass ein tats├Ąchliches Beschneidungsverbot dem j├╝dischen Leben in Deutschland die Existenzgrundlage nachhaltig entzieht.
Schon jetzt ist in vielen Gemeinden Verunsicherung zu sp├╝ren. Es mangelt an konkreter Unterst├╝tzung: Was sollen j├╝dische Familien jetzt tats├Ąchlich tun, wenn sie in K├╝rze einen Sohn erwarten?
Daher fordern wir den Zentralrat der Juden in Deutschland auf: Unterst├╝tzen Sie jetzt und konkret die j├╝dischen Familien, Mohalim und die j├╝dischen Gemeinden:
  • durch Informationen ├╝ber die rechtliche Bedeutung des Urteils f├╝r die einfachen Gemeindemitglieder
  • durch die Empfehlung von Rechtsanw├Ąlten, die im Strafrecht und im Verfassungsrecht (insbes. Staatskirchenrecht) spezialisiert sind und Personen, die bereit sind, einen Musterprozess zu initiieren, rechtlich zu beraten und vor Gericht zu vertreten
  • durch religi├Âse Argumentationshilfen der ORD und der ARK
  • durch Informationsberatungen und durch die ├ťbernahme s├Ąmtlicher Kosten eines Musterprozesses (Rechtsanwalts- und Gerichtskosten etc. etc.)
  • ggf. durch die Beauftragung eines Staatskirchenrechtlers mit einem Rechtsgutachten zur Sachlage.

    Mehr Infos finden Sie auch auf Facebook, in der eigens eingerichteten Facebook Gruppe:
    www.facebook.com

    Schnittstelle ÔÇô ein Artikel von Dr. med. Boris Altsch├╝ler
    Facharzt f├╝r Chirurgie und Unfallchirurgie
    Vorsitzender Deutsche Aschkenas-Gesellschaft e. V.

    "Die Beschneidung (die Zirkumzision, lat. circumcido) ist ein kleiner chirurgischer Eingriff zur Entfernung der Vorhaut vom Penis. Als Ergebnis der vollst├Ąndigen Entfernung der Vorhaut wird eine v├Âllige Freilegung der Eichel erreicht. Tatsache ist, dass die Staphylokokken-Bakterien, Pilz- und Gonokokkeninfektionen der Vorhaut von Jungen und M├Ąnner oft zu lokalen, regionalen und sogar generalisierten Entz├╝ndungen, Erosionen und Geschw├╝ren am Kopf des Penis und seiner Vorhaut, wie z.B. Phimose, Paraphimose, Balanitis und Balanoposthitis, zu der Entwicklung von Basal-Zell-Karzinomen (Morbus Paget und Morbus Bauer), Tuberkulose, Pilz-, Herpesinfektionen und pr├Ąkanzer├Âsen L├Ąsionen (Eritroplasia de Queyrat, Leucoplasia, Alterskeratosen, Kondylomen, Warzen) und sogar zu Plattenepithelkrebs f├╝hren k├Ânnen.

    Etwa ├╝ber 20% bis 30% aller M├Ąnner der Welt und 70% in den USA sind beschnitten. Europa begleitet aber diesen Trend traditionell mit Skepsis. Trotzdem brach im Westen in den fr├╝hen 60er Jahren pl├Âtzlich ein "Beschneidungsboom" aus. Die Beschneidungen wurden zum Trend bei S├Ąuglingen und auch bei erwachsenen M├Ąnnern. Der Grund f├╝r solch eine dramatische ├änderung der ├Âffentlichen Meinung basierte auf Studien und Statistiken, die einen klaren Zusammenhang zwischen Beschneidung und dem Krebs der Fortpflanzungsorgane darlegten. Wie sich statistisch herausstellte, fanden sich solche Krankheitsbilder viel seltener bei Muslimen und wegen der fr├╝hzeitigen Beschneidung praktisch nicht bei den Juden. Diese Daten beeindruckten die pragmatische westliche Gesellschaft so sehr, dass US-Pr├Ąsident John F. Kennedy ├Âffentlich die Idee der Beschneidung bei M├Ąnnern und Kindern f├Ârderte und sich selber f├╝r diesen Eingriff entschied. Der wesentliche Vorteil der Beschneidung ÔÇô eine m├Âgliche Pr├Ąvention von Krebs der Fortpflanzungsorgane bei M├Ąnnern und Frauen. Krebs des Penis, wie auch der Geb├Ąrmutterhalskrebs bei den Frauen erscheint vor allem dann, wenn man unbeschnittene M├Ąnner als Lebenspartner hat. Au├čerdem verl├Ąngert die Beschneidung bei M├Ąnnern die sexuelle Handlung. Der Kopf des Phallus, frei von der Vorhaut, wird weniger empfindlich bei Reibungen, was den Orgasmus beim Mann aufschiebt. Daher empfehlen ├ärzte die Beschneidung f├╝r M├Ąnner, die unter vorzeitiger Ejakulation leiden.

    Eine wirklich sensationelle Entdeckung machten australische Wissenschaftler: Nach sorgf├Ąltiger Pr├╝fung von Art und Weise der Ausbreitung der HIV-Infektion folgerten sie, dass die Beschneidung das wirksamste Instrument gegen AIDS werden kann. Der Virus bef├Ąllt vor allem die Vorhaut und den Kopf des Penis, die h├Ąufigen Mikrotraumen unterliegen, was das Risiko einer Infektion durch eine Verwundung sehr erh├Âht. Nach den Statistiken war eine gro├če Mehrheit der M├Ąnner, die sich mit AIDS und anderen sexuell ├╝bertragbaren Infektionen infiziert haben, unbeschnitten. Einige ├ärzte empfehlen der m├Ąnnlichen Bev├Âlkerung in Regionen, wo die Ausbreitung von AIDS zu einer Epidemie geworden ist, es mit Beschneidung zu bek├Ąmpfen. Herpes und Gonorrh├ sind bei den Unbeschnittenen mit Wahrscheinlichkeit zweimal, Syphilis und Pilzerkrankungen - f├╝nfmal h├Ąufiger zu finden. Nach den Statistiken amerikanischer Chirurgen, die mehr als 200.000 M├Ąnner in US-Kliniken untersuchten, wurde eruiert, dass eine Vielzahl von Infektionen der Harnwege bei nicht beschnittenen M├Ąnnern elfmal h├Ąufiger auftritt als bei denjenigen, die diese Operation schon durchf├╝hren lie├čen. Dar├╝ber hinaus stellten amerikanische ├ärzte die H├Ąufigkeit von Krebserkrankungen des Penisses in direkte Beziehung zur Beschneidung.

    Beschneidung vereinfacht die pers├Ânliche Hygiene der M├Ąnner. Der nicht beschnittene Mann ist gezwungen sich mindestens zweimal am Tag seiner intimen Toilette zu widmen, um die Waschung der Vorhaut von dort angesammeltem Smegma und Urin durchzuf├╝hren. Die Beschneidung erlaubt es, nicht so viel Zeit der intimen Hygiene widmen zu m├╝ssen - das Fehlen der Vorhaut h├Ąlt den Penis viel sauberer. Es ist bekannt, dass sich unter der Vorhaut Bakterien und Mikroorganismen sammeln, die w├Ąhrend des Geschlechtsverkehrs in die Scheide und die Geb├Ąrmutter einer Frau eindringen, was nicht nur Irritation und eine Verletzung der Mikroflora verursachen kann, sondern auch ernstere Erkrankungen.

    Nachdem nun durch das schnelle Eingreifen der Bundesregierung, die Versuche der Stigmatisierung von rituellen Beschneidungen in Deutschland durch ein umstrittenes Urteil des K├Âlner Landesgerichtes, das noch vor 10 oder 20 Jahren v├Âllig undenkbar war, ad acta gelegt wurde, bleibt noch folgendes zu beachten: das Risiko von Komplikationen liegt bei dieser Operation doch zwischen 0,7% bis 10% und ist sehr von der Erfahrung des Operateurs abh├Ąngig. Darum muss man im Rahmen der jetzigen Beschneidungsdiskussion in Deutschland noch einmal die Pflichten und eine hohe pers├Ânliche Verantwortung des Operateurs, eines Arztes oder Mohel, deren Rolle nicht mit dem Ende des Aktes der rituellen Beschneidung endet, unterstreichen. Da es in vielen F├Ąllen eine entgeltliche Leistung ist, sollte der Operateur gezwungen sein eine pr├Ąoperative Aufkl├Ąrung der Eltern und eine pr├Ązise ├ťberwachung nach der Operation durchzuf├╝hren. Es kann z.B. nicht hingenommen werden, dass der Operateur nach dem Eingriff verreist oder sp├Ąt in der Nacht nicht erreichbar ist. Postoperative Blutungen sind leider m├Âglich und das Erscheinen der geschockten Eltern mit dem Baby und mit blutigen Verb├Ąnden auf dem Arm in den Ambulanzen der Krankenh├Ąuser bringt nicht nur die heilige Prozedur in Verruf, sondern f├╝hrt zur Anzeige wegen K├Ârperverletzung und zum Strafprozess. Das Gleiche kann man ├╝ber m├Âgliche seltene septische Komplikationen bei Jugendlichen und Erwachsenen vermerken.

    Grunds├Ątzlich sind alle misslungenen oder unzufrieden verlaufenen Operationen aus juristischer Sicht eine K├Ârperverletzung. Darum muss unbedingt die fachliche Kontrolle der Beschneidungen verst├Ąrkt werden. Eine alte chirurgische Maxime lautet: Es gibt keine kleine Operationen, nur kleine Operateure."


    Dr. med. Boris Altsch├╝ler
    Facharzt f├╝r Chirurgie und Unfallchirurgie
    Vorsitzender Deutsche Aschkenas-Gesellschaft e. V.

    (Dieser Beitrag wurde uns von Tamara Guggenheim und Dr. med. Boris Altsch├╝ler freundlicherweise zur Verf├╝gung gestellt)

    Pressestimmen

    Financial Times Deutschland
    "K├Ârperverletzung: Gericht stellt religi├Âse Beschneidung unter Strafe"

    Abendschau
    rbb Fernsehen. Abendschau (Video-Beitrag) "Strafrecht contra Religionsfreiheit"

    Tagesspiegel
    Diskussion um Beschneidung. Der Staat kann nicht seine Ideologie f├╝r alle durchsetzen

    Hagalil "WUPJ: Kann ein deutsches Gericht die religi├Âse Beschneidung verbieten?"

    Welt
    Meinung. K├Âlner Urteil. Beschneidungsverbot verst├Â├čt gegen das Grundgesetz

    Inforadio (Audio-Beitrag)
    Beschneidung in der Diskussion

    FOCUS
    Verbot der Beschneidung. Juden und Muslime fordern Korrektur des Urteils

    Tagesspiegel
    Nach K├Âlner Urteil Politiker wollen Beschneidung legalisieren

    Berliner Zeitung
    Beschneidung - warum ein Verbot falsch ist

    Deutschlandradio Kultur
    AUS DER J├ťDISCHEN WELT

    SPIEGEL
    J├╝disches Krankenhaus Berlin stoppt religi├Âse Beschneidungen

    J├╝dische Klinik setzt Eingriffe aus

    (Quellen: Zentralrat der Juden in Deutschland, Hagalil, Israelnetz, Tagesspiegel, siu/dpa/AFP, Spiegel, TAZ, Masorti, FTD, Deutschlandradio Kultur u.a.)

  • Public Affairs Beitrag vom 05.07.2012 Sharon Adler 

       




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