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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 26.06.2013

Hatun Sürücü-Brücke für 2016 geplant
Britta Rotsch

Am 7. Februar 2005 wurde die damals 23jährige alleinerziehende Kurdin in Berlin-Neukölln Opfer eines "Ehren"mords, weil sie selbstbestimmt leben wollte. Diverse Initiativen wie TERRE DES FEMMES ...



... unterstützen von Gewalt betroffene Frauen

Dem Antrag auf Benennung einer Hatun Sürücü-Brücke zwischen Oberlandstraße und Tempelhofer Feld wurde am 18. Juni 2013 von der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Tempelhof-Schöneberg zugestimmt. "Mit der Benennung soll ein dauerhaftes und sichtbares Zeichen für ein selbstbestimmtes und freies Leben in einer pluralen Gesellschaft gesetzt werden", so Jörg Steinert, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg.

Hatun Sürücü, 1982 in Berlin geboren, führte trotz familiärer Zwänge und patriarchaler Strukturen ein selbstbestimmtes und freies Leben – bis zum 7. Februar 2005, der Tag, an dem sie Opfer eines "Ehren"-Mords durch ihren Bruder wurde. Die junge Kurdin hatte sich aus der Zwangsehe mit ihrem Cousin befreit und war mit ihrem Sohn von Istanbul zurück nach Berlin gezogen, um hier ihren Hauptschulabschluss nachzuholen und danach eine Ausbildung zur Elektroinstallateurin zu machen. In den Augen ihres jüngeren Bruders beschädigte Hatun Sürücü die Familienehre vor allem dadurch, dass sie lesbisch war. Kurz vor dem erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung wurde sie von ihrem Bruder ermordet.
Einer der drei Brüder soll die Waffe besorgt, der zweite geschossen und der dritte den Schützen begleitet haben.

Dieser "Ehren"mord sorgte deutschlandweit für Diskussionen und fordert auch heute noch gesellschaftliches Engagement. Jedes Jahr, am 7. Februar, dem Todestag von Hatun Sürücü, findet eine Mahnwache statt, um ihr, aber auch allen anderen Frauen zu gedenken, die Opfer von Gewalt wurden.
Im Jahr 2012 wurde der erste Hatun-Sürücü-Preis ausgelobt, für den sich Projekte, Organisationen und Einzelpersonen bewerben konnten, die Mädchen und Frauen in ihrer Selbständigkeit unterstützen. Die Partei Bündnis 90/Die Grünen und die Fraktion schrieben zusammen drei Preise für weibliche Persönlichkeiten aus, die "in vorbildlicher Weise ihren Weg gehen und sich nicht von Rollenvorstellungen, Vorurteilen oder kulturellen Klischees stoppen lassen". Zudem gibt es bereits einen Gedenkstein in der Oberlandstraße, dem Ort der Ermordung von Hatun Sürücü.

Diverse Initiativen wie TERRE DES FEMMES und der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg fordern bereits seit mehreren Jahren die Benennung einer Straße oder Brücke nach Hatun Sürücü, auch, um den Mut und die Verantwortung der jungen Frau zu würdigen. Bereits am 2. Mai 2013 hatte sich der zuständige Ausschuss für Bildung und Kultur mehrheitlich für die Benennung der Brücke ausgesprochen. Bei der Ausschusssitzung wurden unter anderem die Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES und der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) angehört, die mehr als 250 Unterschriften für den Antrag sammelten. Auch andere zivilgesellschaftlich aktive Organisationen, wie die Mädchen- und Frauenabteilung des Fußballvereins Türkiyemspor, der Berliner Arbeitskreis Zwangsverheiratung, in dem u. a. Berliner Antigewaltprojekte, Krisen- und Zufluchtseinrichtungen und Frauenhäuser vertreten sind, begrüßen die Entscheidung der Brückenbenennung und sehen die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe an.
Nach Auskunft von Daniel Krüger, Bezirksstadtrat für Bauwesen, liegt die abschließende Zuständigkeit für die Benennung einer Brücke aber bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Der Bezirk, in dem sich das Bauwerk befindet, ist dabei anzuhören.

Der Mord an Hatun Sürücü ist kein Einzelfall. Immer wieder werden schwere Gewaltverbrechen an Frauen bekannt, die sich aus unterdrückenden Ehe- und Familienstrukturen befreien wollen. Motiv dieser Taten ist oft ein archaisches Verständnis von Familienehre, das ein selbstbestimmtes Leben von Frauen, oder auch von Lesben und Schwulen ausschließt. Zu Tätern werden meist die Väter, Brüder oder Söhne, die oft von anderen Familienmitgliedern unterstützt, gedrängt oder gedeckt werden. Auch in Deutschland ist die Zahl der Ehrenmorde hoch. Hierzu erklärt Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES: "Die Entscheidung der BVV ist auch ein Auftrag an Politik und Gesellschaft: Mutige Frauen wie Hatun Sürücü müssen besser geschützt werden, die Politik muss aber auch aktiv zu einem Bewusstseinswandel in den Familien beitragen." Die Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Dilek Kolat, spricht sich zudem dafür aus, dass solche Gewalttaten nicht mehr als Kavaliersdelikt oder als vermeintlich kulturell hinzunehmen seien: "Ihr Schicksal ist für uns eine beständige Mahnung, dass wir alles dafür tun müssen, damit Mädchen und Frauen unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft oder ihrer religiösen Überzeugung die Möglichkeit haben, ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten und ihr Recht auf Selbstbestimmung auszuüben."

TERRE DES FEMMES setzt sich nun auch für eine Straßenbenennung nach Hatun Sürücü ein, um nicht nur punktuell an ihr Schicksal zu erinnern, das für unzählige Mädchen und Frauen steht, die unter Gewalt leiden und sich dagegen wehren, sondern auch dauerhaft an diese zu erinnern und zu mahnen.

Beratung und Hilfe für von Gewalt betroffene Frauen
In Berlin stehen für gewaltbetroffene Frauen sechs Frauenhäuser, 40 Zufluchtswohnungen sowie fünf Fachberatungsstellen zur Verfügung. Darüber hinaus bieten auch zahlreiche Beratungsstellen, wie beispielsweise Migrantinnenprojekte, Beratung in Fällen häuslicher Gewalt an. Über die BIG-Hotline (Telefon 030 6110300) stehen rund um die Uhr eine Erstberatung sowie Informationen über freie Frauenhausplätze zur Verfügung. Jugendliche und junge Erwachsene können sich an den Jugend- und Mädchennotdienst (030 611 00 62 bzw. 030 61 00 63) und an die Kriseneinrichtung Papatya wenden, die auch eine niedrigschwellige Online-Beratung anbietet (www.sibel-papatya.org).

Übersichtskarte Gewalt gegen Frauen

Frauenhaussuche beim "Verein Frauenhauskoordinierung":
www.frauenhauskoordinierung.de

Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe Frauen gegen Gewalt e.V.:
www.frauen-gegen-gewalt.de

Die BIG e.V. Hotline bietet Hilfe bei häuslicher Gewalt gegen Frauen:
Tel. 030 - 611 03 00 (Täglich von 9 - 24 Uhr)
oder unter: www.big-hotline.de

Information zu Gewalt gegen Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen
www.autonome-frauenhaeuser-zif.de

Weitere Infos unter:

www.frauenrechte.de
www.berlin.lsvd.de
www.tuerkiyemspor.info
info.zwangsheirat.de
www.tagesspiegel.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Gedenkfeiern für Hatun Sürücü zum achten Todestag am 07. Februar 2013. Preisverleihung des ersten Hatun-Sürücü-Preises

Internetportal von TERRE DES FEMMES zur Prävention von Zwangsheirat geht online

Erster internationaler Weltmädchentag - TERRE DES FEMMES stellt neues Internetportal gegen Zwangsheirat vor, (2012)







(Quelle: TERRE DES FEMMES, AVIVA-Berlin, Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg)


Public Affairs Beitrag vom 26.06.2013 AVIVA-Redaktion 

   




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