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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 26.07.2013

Operation Last Chance II - Spät aber nicht zu spät
Madeleine Jeschke

Unter diesem Motto startete am 23. Juli 2013 die neue Kampagne des Simon Wiesenthal Zentrums zur Suche nach den letzten Nazi-Verbrechern. Zwei Wochen lang werden Plakate in Berlin, Hamburg und Köln...



... aufgehängt. Auf sachdienliche Hinweise ist eine Belohnung von bis zu 25.000 Euro ausgesetzt.

Ziel der Initiative sei es laut Efraim Zuroff, Initiator der Kampagne und Leiter des Büros des Simon Wiesenthal Centers in Jerusalem, die noch lebenden und bisher nicht verurteilten NS-Kriegsverbrecher mit Hilfe der Bevölkerung aufzuspüren und vor Gericht zu bringen. Dabei werde nach konkreten Hinweisen gesucht, die zur Strafverfolgung von NS-Tätern führen könnten. Zuroff schätzt die Zahl der noch lebenden Nazi-Verbrecher in Deutschland auf 60 bis 120 - die Gesuchten sind vermutlich um die 90 Jahre alt oder noch älter.

Hintergrund von Operation Last Chance II

Die Initiative ist der Nachfolger der "Operation Last Chance", die seit 2002 in Osteuropa 2003 in Österreich und 2005 in Deutschland und aktiv ist, wurde bereits vor eineinhalb Jahren im Bundestag vorgestellt. "Aber es hat gedauert, bis wir die nötigen Mittel zusammen hatten, um loszulegen. Wir haben bei 86 Firmen und Stiftungen um Unterstützung nachgefragt, aber kaum jemand wollte uns in irgendeiner Form helfen", so der Initiator in einem Interview mit dem WDR am 23. Juli 2013.
Mit der Unterstützung der WALL AG konnte das Simon Wiesenthal Center nun die Plakatkampagne, mit insgesamt 2.000 City Light Postern, in den drei deutschen Großstädten starten.

Laut Zuroff sei die "Operation Last Chance II" durch die Verurteilung von Iwan Demjanjuk 2011 in München ausgelöst worden. Der Ukrainer war 1943 Wachmann im Vernichtungslager Sobibor und hatte sich dort der Beihilfe an der Ermordung von mehr als 28.000 Juden schuldig gemacht. Das Urteil lautete: fünf Jahre Haft wegen Beihilfe zum tausendfachen Mord. Für Zuroff sei damit ein historischer Präzedenzfall geschaffen worden, denn zuvor musste jedem NS-Täter der Mord individuell nachgewiesen werden. Seither werde wieder gegen die Täter ermittelt, die in Vernichtungslagern eingesetzt waren, ebenso wie gegen Mitglieder von Einsatzgruppen.



Kritik an "Kopfgeld" für NS-TäterInnen

Kritisch zu an der vom Simon-Wiesenthal-Zentrum ausgeschriebenen Belohnung äußerte sich der deutsch-israelische Historiker Michael Wolffsohn. In einem Interview mit Deutschlandradio Kultur sagte Wolffsohn: "Viel wichtiger ist, dass eine solide intensive Aufarbeitung der NS-Verbrechen weiter erfolgt. (...)." Für den Historiker sei ein Aufwiegen der NS-Verbrechen mit Zahlen absurd und habe nichts mit einer moralisch intensiven Aufarbeitung zu tun: "Ich finde es geradezu pietätlos und schamlos, 25.000 Euro für Schwerstverbrecher. Sind die nicht "mehr wert", wenn sie verfolgt werden?"

Im Interview mit dem WDR sagt Zuroff in diesem Zusammenhang: "Zuerst wollten wir die Suche nicht mit Geld verbinden. Aber erst als Geld ins Spiel kam, ist die Kampagne von Medien beachtet worden. Inzwischen ist das Medienecho sogar über Deutschland hinaus groß." Für den Historiker verdient jedes der Opfer des Nationalsozialismus, dass die Mörder zur Rechenschaft gezogen werden, dabei darf weder Zeit noch das hohes Alter der Täter eine Rolle spielen. Die Gerichtsverhandlungen sollen auch als Warnung für heutige Anti-SemitInnen und RassistInnen gelten, sowie dem bestehenden Kampf gegen die Holocaustleugnungen und -Verzerrungen unterstützen.

Die Menschenrechtsorganisation Simon-Wiesenthal-Zentrum wurde 1977 von Rabbi Marvin Hier in Los Angeles gegründet, wo auch ihr Hauptsitz ist. Das Zentrum ist nach dem österreichischen Juden Simon Wiesenthal (1908-2005) benannt worden, der während der Shoah Dutzende Angehörige verlor und nach dem Zweiten Weltkrieg weltweit nach Nazi-TäterInnen forschte. Seine Recherchen ermöglichten unter anderem die Ergreifung von Adolf Eichmann.

Mit sachdienlichen Hinweisen zu ehemaligen NS-TäterInnen wenden Sie sich bitte umgehend an die "Operation Last Chance II"-Hotline in Deutschland: (01573) 494-7307

Quellen und weitere Informationen unter:

www.wiesenthal.com

www.operationlastchance.org

"Spektakuläre Plakatfahndung: Jagd auf die letzten Nazi-Verbrecher", Interview mit Efraim Zuroff im WDR am 23.07.2013

Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen

www.hagalil.com

Wolffsohn kritisiert Plakataktion zu Nazi-Verbrechen als geschmacklos, Interview auf Deutschlandradio Kultur vom 23. Juli 2013

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Copyright Foto: Madeleine Jeschke


Public Affairs Beitrag vom 26.07.2013 AVIVA-Redaktion 

   




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