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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 04.09.2013

(Kein) Antisemitismus im Berliner Olympiastadion. Proteste und Hintergrund
Sharon Adler

Ein inszenierter Reichsparteitag und ein Schwein, das mit Davidstern, Dollar-Zeichen sowie Symbolen von Shell-Öl und McDonalds versehen ist? Verantwortlich dafür ist EX-Pink Floyd Roger Waters,...



... der mit seiner "Show" am 04. September im Berliner Olympiastadion gastiert - trotz der Proteste diverser Organisationen.

Bereits seit mehreren Jahren benutzt der Unterstützer eines Total-Boykotts gegen Israel diese mehr als zweifelhafte Symbolsprache, die Assoziationen mit dem Nationalsozialismus und antisemitischen Klischees evoziert. Roger Waters lehnt jeglichen Kontakt mit Israel ab und bezeichnet das Land als "Apartheitsstaat". Ausgerechnet am Vorabend des jüdischen Neujahrsfestes, an Rosh HaShana, gastiert der Musiker mit dieser Show in Berlin.
Hier wird er das vorführen, was er bereits bei früheren Shows gezeigt hat: ein Schwein mit aufgedrucktem Davidstern, Dollarzeichen, dem Symbol des Ölriesen Shell sowie Hammer und Sichel, das er platzen und vom Publikum zerreißen lassen wird.
Damit bedient er sich uralter Symbolbilder: Das nicht-koschere Schwein wird seit Jahrhunderten, vor allem im Mittelalter, für antisemitische Karikaturen benutzt.
Der Ort für eine antisemitische Veranstaltung dieser Größenordnung könnte nicht besser gewählt sein – das Berliner Olympiastadion war 1936 Schauplatz der Olympischen Spiele, von den Nazis als Bühne für ihre Propaganda genutzt.

Das deutsche Publikum erschießt das "Davidstern-Schwein" unter Jubel im Olympiastadion

Das mit einem Davidstern gekennzeichnete Schwein repräsentiert, in Waters Sichtweise, "das Böse, insbesondere das Böse einer irrenden Regierung". Die ZuschauerInnen würden die Möglichkeit erhalten, das Schwein als "Unterdrückungssymbol" zu vernichten. Die Leute, so Waters, entschieden sich immer für "das Richtige": Sie zerstörten das Schwein. Mit dieser verqueren Logik wehrt sich der Musiker in einem offenen Brief gegen die Vorwürfe, uralte antisemitische Ressentiments, wie etwa die einer "jüdischen Weltverschwörung", zu bedienen. Stattdessen sei das von ihm in Szene gesetzte Spektakel als "antikolonial, pro freiheitlich, pro Dialog, pro Frieden, anti-autoritär, antifaschistisch" zu verstehen. Zusätzlich verteidigt sich Waters mit altbekannten Verteidigungsmustern – verweist auf gute jüdische FreundInnen, eine jüdische Schwiegertochter und seinen während des Zweiten Weltkriegs im Kampf gegen den Faschismus gefallenen Vater.
In seiner Bühnenshow benutze er auch andere religiöse Symbole, wie das Kruzifix und den Halbmond. Im Internet zu findende Fotos lassen allerdings keines dieser Symbole auf dem Schwein erkennen. Der dagegen deutlich sichtbare Davidstern repräsentiere, so Waters, "nicht die jüdische Gemeinschaft, sondern den Staat Israel". Dass das eine vom anderen nicht zu trennen ist, scheint nicht in Waters Weltbild zu passen.

Kein Antisemitismus im Berliner Olympiastadion – Proteste

Angesichts der Nutzung antisemitischer Stereotypen an diesem hochsensiblen Ort fordert Lala Süsskind, Vorsitzende des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA), eine "klare Absage, nicht nur durch jüdische Organisationen." Protest kommt auch von Stadtratsmitglied Alexander Fils aus Düsseldorf, wo ein weiteres Konzert stattfinden soll, sowie von Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. Er nannte Waters einen "geistigen Brandstifter, für den es (...) kein Forum geben darf". Die Gemeinde ruft zum Boykott des Konzerts in Düsseldorf auf.

Der Koordinierungsrat gegen Antisemitismus protestiert gegen die "antisemitischen Ausfälle" bei "The Wall" und Abraham Foxman, Direktor der Anti-Defamation League (ADL), kritisierte in seiner Veröffentlichung "An Open Letter to Roger Waters" vor allem die Kombination des Davidsterns mit den Symbolen des Finanzkapitals wie dem Dollarzeichen. Sie liege auf einer Linie mit der auf Diskriminierung und Diffamierung Israels ausgerichteten von Waters unterstützten Boykottkampagne, die den Antisemitismuskriterien des von allen Fraktionen mitgetragenen Bundestagsbeschlusses vom 4. November 2008 zur Antisemitismusbekämpfung erfüllt.

In einem offenen Brief fordert auch das American Jewish Committee AJC den Berliner Senat - Eigentümer des Olympiastadiums - und den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit zur öffentlichen Stellungnahme, Intervention und einer Überprüfung zur Anwendung der Hausordnung auf.

"Es ist grotesk, wenn Roger Waters die antisemitische Bildsprache seiner Bühnenshow leugnet. Wenn ein gehörntes Schwein mit Davidstern, Hammer, Sichel und Dollarzeichen dargestellt wird, dann bedient dies vielfältige und uralte antisemitische Stereotype", sagte Deidre Berger, Direktorin des AJC Berlin Ramer Institute.

Und AVIVA-Berlin sieht in der Verantwortung sowohl den Berliner Senat als Eigentümer des Olympiastadiums, als auch "Semmel Concerts" als Veranstalter. Eine Absage des Konzerts oder wenigstens ein offizielles Zeichen blieb jedoch aus - trotz der Proteste gegen Waters antisemitische Ausfälle wird das Konzert stattfinden. Damit folgen die Veranstalter wohl leider dem altbekannten Slogan: The games must go on.




(Quellen: Jüdisches Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA), Lisa Bork, Levi Salomon, Koordinierungsrat deutscher Nicht-Regierungsorganisationen gegen Antisemitismus e. V., American Jewish Committee)





Public Affairs Beitrag vom 04.09.2013 Sharon Adler 

   




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