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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 18.02.2014

Hebammenwesen vor dem Aus. Ab Juli 2015 haben Hebammen in Deutschland keine Haftpflichtversicherung mehr
Philippa Schindler

Ändert sich nicht bald etwas am politischen Umgang mit freiberuflichen Hebammen, müssen Frauen schon bald auf ein wichtiges Recht ihrer Selbstbestimmung verzichten: der freien Wahl des Geburtsortes.



NEWS vom 18. 02. 2014Erste Verhandlungen liefen erfolgreich

Bei einem Treffen zwischen Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und den Hebammenverbänden ist es zu ersten Einigungen gekommen. In enger Zusammenarbeit sollen langfristige und strukturelle Lösungen für das Problem der Haftpflichtversicherung erarbeitet werden, akute Maßnahmen sollen hingegen bereits ab Sommer 2014 die Beitragskosten für alle betroffenen Hebammen ausgleichen. Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes e.V. begrüßte diese Entwicklung: "Unser Eindruck ist: Wir werden sehr ernst genommen mit unserem Anliegen. Herr Gröhe hat nicht nur die Haftpflichtproblematik, sondern auch die Versorgungssituation mit Hebammenleistungen im Blick."



Die Situation freiberuflicher Hebammen hat sich in den letzten Jahren zugespitzt. Mehrmals wurden ihre Beiträge zur Haftpflichtversicherung erhöht, mittlerweile sind die jährlichen Versicherungskosten einer Hebamme auf rund 5.000 Euro angestiegen. Bei einem gleichbleibend niedrigen Stundenlohn von durchschnittlich gerade einmal 8 Euro lohnt es sich da kaum mehr, außerklinische Geburtshilfe anzubieten. Viele Hebammen haben sich aus diesem Grund bereits aus der Geburtshilfe verabschiedet. Diese Entwicklungen beklagt auch die erste Vorsitzende des Berliner Hebammenverbandes Susanna Rinne-Wolf. Bereits 2012 hatte sie im Interview mit AVIVA-Berlin die prekären Arbeitsverhältnisse von freiberuflichen Hebammen geschildert, doch verbessert hat sich seitdem nichts - im Gegenteil. "Es ist wirklich ein leidiges Thema", kommentiert Susanna Rinne-Wolf im Februar 2014 die erneute Verschärfung des Haftpflichtproblems.

Doch dem noch nicht genug: Ab Juli 2014 werden sich die Haftpflichtprämien erneut um 20 Prozent erhöhen. Grund dafür sind die drastisch steigenden Kosten pro Schadensfall und die damit verbundenen Regressforderungen gegenüber Hebammen. Eine neuerliche Anhebung der ohnehin schon enorm hohen Versicherungsbeiträge können die meisten freiberuflichen Hebammen aber schlichtweg nicht finanzieren. Für sie bedeutet dies das berufliche Aus.

Und auch die Versicherungsunternehmen ziehen sich nach und nach aus ihren Verträgen mit den Hebammen zurück. So wird auch das einzige verbliebene Konsortium aus drei Versicherungen nur noch ein weiteres Jahr fortbestehen. Kurz nach der Bekanntgabe der Beitragserhöhung hat die Nürnberger Versicherungen ihren Ausstieg zum 1. Juli 2015 angekündigt. Wer die Hebammen dann weiter versichert, ist offen. Denn laut dem Deutschen Hebammenverband e.V. (DHV) blieben zahlreiche Anfragen an alternative Unternehmen im In- und Ausland bislang erfolglos.

"Das ist eine absurde Situation.", sagt DHV-Präsidentin Martina Klenk, "Die Lage auf dem Versicherungsmarkt führt zum Zusammenbruch der Versorgung mit Geburtshilfe." Tatsächlich könnte diese düstere Zukunftsaussicht schon bald real werden. Denn ohne Haftpflichtversicherung dürfen freiberufliche Hebammen keine Geburten begleiten, weder Geburten zu Hause, im Geburtshaus oder als 1:1-Beleghebamme in der Klinik.

Schon jetzt ist eine flächendeckende Versorgung während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett in vielen Regionen Deutschlands nicht mehr gegeben. Von vornherein ausschließen würde der Wegfall freiberuflicher Hebammen hingegen die Wahlfreiheit des Geburtsortes – Kinder bekäme frau dann ausschließlich in der Klinik. Keine guten Aussichten, denn auch dort sind die Kreißsäle im Zuge von Einsparmaßnahmen häufig unterbesetzt.

"Wir müssen jetzt laut werden und unsere Hebammen retten!" fordert deswegen Bianca Kasting, die auf der Internetplattform change.org eine Petition zur Verbesserung der Situation von Hebammen ins Leben gerufen hat. Darin fordert sie Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe auf, Maßnahmen zu ergreifen, um das im Koalitionsvertrag festgeschriebene Ziel einer angemessenen Vergütung von Hebammen umzusetzen. Mehr als 120.000 UnterstützerInnen unterzeichneten die Online-Petition bereits (Stand: 18.02.14).

Der Deutsche Hebammenverband fordert außerdem, schnellstmöglich eine Lösung für das Haftpflichtproblem zu finden. Vorschläge bestehen unter anderem in der Einrichtung eines staatlich geförderten Fonds, der besondere Haftungssituationen abdeckt, und der Einführung einer Haftungsobergrenze für Hebammen. "Wir brauchen jetzt dringend eine politische Lösung!", fordert DHV-Präsidentin Martina Klenk.

Weitere Informationen finden Sie unter:

Auf der Internetseite von Hebammen für Deutschland e.V. gibt es spannendes Hintergrundwissen zum Thema.

Die Internetseite des Hebammeneverbandes Deutschland informiert über aktuelle Entwicklungen.

Auf change.org kann frau noch die Online-Petition zur Verbesserung der Situation von Hebammen unterschreiben.

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Interview mit Susanna Rinne-Wolf, der Vorsitzenden des Berliner Hebammenverbandes

Annette Kerckhoff - Heilende Frauen. Ärztinnen, Apothekerinnen, Krankenschwestern, Hebammen und Pionierinnen der Naturheilkunde

Kriminalisierung von Hebammen in Ungarn - Agnes Gereb seit dem 5. Oktober 2010 in Haft

Who cares? Sorgeberufe – Ausstellung des Deutschen Frauenrats nach einer Reportage durch AVIVA-Berlin

(Quellen: Deutscher Hebammenverband e.V., Hebammen für Deutschland e.V.)


Public Affairs Beitrag vom 18.02.2014 Philippa Schindler 

   




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